Kirchheim

Holz ist das zentrale Bauelement

Stadtplanung Der Kirchheimer Architekt Matthias von Schroeder plant im neu entstehenden Steingau-Areal die „Waldetagen“ ‒ und zieht gleich selbst mit ein. Von Katja Eisenhardt

Der Architekt sieht im Steingau-Areal viel Potenzial.Foto: Eisenhardt
Der Architekt sieht im Steingau-Areal viel Potenzial. Foto: Eisenhardt

Eines der Baugemeinschaftsprojekte im Baufeld 2 des neuen Steingau-Areals trägt den klingenden Namen „Waldetagen“. Dahinter verbirgt sich ein Wohngebäude mit insgesamt vier Wohnungen à 80 bis 90 Quadratmeter. „Wir planen drei Geschosse plus Dachgeschoss“, erklärt Architekt Matthias von Schroeder vom Kirchheimer Architekturbüro „anw.architekten“. Jede Wohnung liegt auf einer Etage. In eine davon wird der Architekt selbst einziehen, in die anderen Bekannte. Die Mitglieder der Baugemeinschaft kannten sich schon vorher.

Ihrem Namen werden die „Waldetagen“ voll und ganz gerecht, denn bei dem geplanten Gebäude mit insgesamt gut 360 Quadratmetern ist alles aus Holz. Allein im Treppenhaus werde aus Brandschutzgründen Beton verwendet, so von Schroeder, „zusätzlich wird bei dem Vollholzsystem aus dem das Haus gebaut wird keinerlei Holzleim verwendet, sondern Holzdübel. Hier spielt der Nachhaltigkeitsgedanke eine große Rolle, wir wollen nur mit Baustoffen arbeiten, die man weitgehend kompostieren könnte, die also keinen Sondermüll erzeugen.“

Sowohl privat als auch beruflich war er dem Holz als Baumaterial schon immer sehr verbunden, sagt Matthias von Schroeder. „Ich bin gelernter Zimmermann und habe als solcher auch lange gearbeitet. Privat lebe ich auch jetzt in einem Holzhaus, einem Baugemeinschaftsprojekt in Ötlingen. Die Kinder sind aus dem Haus, daher ist die Verkleinerung vom großen Haus in eine der Waldetagen-Wohnungen eine gute Option“, findet der Architekt, der in dem Gesamtprojekt Steingau großes Potenzial sieht: „Das ist ein wirklich gutes Konzept. So etwas kennt man bislang eher aus Großstädten oder Vorreitern wie Tübingen und Freiburg.“ Bleibt zu hoffen, dass sich der Wunsch nach Gewerbe und Dienstleistern rund um den Quartiersplatz erfüllt: „Ein Café wäre zum Beispiel schön.“

Nach und nach werde die Akzeptanz für Holz als zentralem Baustoff größer, teils würden schon Hochhäuser so gebaut. „Vielleicht wird es im Steingau-Areal ein zweites Holzhaus geben, das ist aber noch nicht sicher.“

Das Architekturbüro „anw.architekten“, zu dessen Team neben Matthias von Schroeder noch Karl-Heinz Schöllkopf und Jochen Stüber gehören, hat sich aufs ökologische Bauen mit Holz spezialisiert. Mit seinem Kollegen Karl-Heinz Schöllkopf hat von Schroeder von 2001 bis 2004 in Karlsruhe ein großes Baugemeinschaftsprojekt mit 36 Parteien geplant - in Kooperation mit weiteren Architekturbüros. „In einer kleineren Runde wie jetzt im Steingau-Areal ist das aber schon angenehmer“, so von Schroeder. Bei den vier Wohnungen seien die einzelnen Parteien in der Innengestaltung recht frei.

Allgemeine Punkte wie Fenster, Fassade, Schall- und Brandschutz - das alles muss gemeinsam geplant werden. „Ob man dann aber beispielsweise eine offene Küche hat oder noch eine Wand einziehen lässt, ob man auch noch einen Holzboden verlegt oder doch lieber Fliesen wählt - das kann jeder individuell entscheiden.“ Individuell gestalten zudem die jeweiligen Anlieger eines Baufelds gemeinsam ihren Innenhof. Im Baufeld 2 seien hier Grünflächen mit Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten vorgesehen.

Der Bauantrag für die „Waldetagen“ ist eingereicht, ein Brandschutzkonzept wurde erstellt. Die Baugemeinschaft wartet nun auf die Baugenehmigung. „Im März werden ja nun erstmal die Tiefgaragen gebaut, danach könnten wir starten. Realistisch wäre wohl ein Einzug im Frühjahr 2020“, schätzt Matthias von Schroeder.

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