Kirchheim

„Ich hoffe auf ein eindeutiges Ergebnis“

Demokratie Wird Donald Trump am 3. November wiedergewählt, oder jagt Joe Biden ihn aus dem Weißen Haus? Zwei US-Amerikaner, die in Kirchheim leben, wagen eine Prognose. Von Antje Dörr

Dana Ettmayer und Ken Christian werfen ihre Briefwahlunterlagen in den Briefkasten am Postplatz. Foto: Carsten Riedl
Dana Ettmayer und Ken Christian werfen ihre Briefwahlunterlagen in den Briefkasten am Postplatz. Foto: Carsten Riedl

Dana Ettmayer und Ken Christian haben vieles gemeinsam. Sie stammen beide aus den USA, wenn auch aus unterschiedlichen Bundesstaaten, und leben mit ihren Familien in Kirchheim. Ausgewandert sind sie, als George W. Bush als Präsident im Weißen Haus saß. Beide sind mit Donald Trumps Politik unzufrieden. Etwas unterscheidet sie jedoch voneinander: Ihr Wahlverhalten. Während Dana Ettmayer für Joe Biden gestimmt hat und von sich selbst sagt, sie wähle immer den demokratischen Kandidaten, egal, wer das sei, gibt Ken Christian seine Stimme auch dieses Mal dem Kandidaten einer kleinen Partei. Obwohl ihm klar ist, dass er oder sie völlig chancenlos sind.

„Ich bin einfach unzufrieden mit Demokraten und Republikanern“, sagt Ken Christian zur Begründung. Politik in den USA werde zu sehr von Unternehmen und „den Reichen“ beeinflusst. „Sie dürfen anonym Geld an viele ‚political action committees‘ spenden, die die Kandidaten unterstützen. Ich finde aber, eine Demokratie sollte transparent sein“, sagt er. Beide Hauptparteien würden nichts gegen diese Intransparenz unternehmen. „Ich hatte anfangs die Hoffnung, dass Trump als ‚political outsider‘ dieses Problem bekämpft, aber das ist leider nicht passiert“, sagt Christian.

Er weiß, dass seine Art, zu wählen, dem Amtsinhaber in die Karten spielen kann. Denn bei der Präsidentschaftswahl würden in den „swing states“ oft wenige Stimmen über das Ergebnis entscheiden. Da Ken Christian im Bundesstaat Kalifornien, einer demokratischen Hochburg, abstimmt, muss ihn das allerdings nicht kümmern. „Da kann ich mir das erlauben“, sagt er.

Corona ist Wahlkampfthema

Im Präsidentschaftswahlkampf spielt die Corona-Pandemie eine große Rolle. Während in den USA bereits über 220 000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben sind, sind Freunde und Verwandte der beiden Kirchheimer verschont geblieben. „Meine Eltern sind gottseidank vernünftig“, sagt Dana Ettmayer, die ursprünglich aus Detroit im Bundesstaat Michigan stammt. Bei ihrem Vater, einem Anhänger der Republikaner, sei sie zunächst nicht sicher gewesen. Ihr Onkel, ein Maskenverweigerer, antworte auf ihre Facebook-Posts, in denen sie für das Tragen von Masken eintritt, mit Fotos von Schafen, die Masken tragen. „Ich habe ihn jetzt geblockt. Ich kenne überhaupt viele, die momentan ihre sozialen Kanäle aufräumen“, sagt Dana Ettmayer.

A propos Masken: Ken Christian ärgert sich darüber, dass der demokratische Kandidat Joe Biden damit wirbt, Masken verpflichtend zu machen. „Ich weiß gar nicht, ob der Präsident die Macht hat, so etwas für jeden Bundesstaat zu entscheiden“, sagt Christian. So etwas führe dazu, dass Politiker ein Image als Lügner bekämen. Überhaupt hält er Joe Biden für keinen guten Herausforderer. „Er ist uralt! Niemand sollte Präsident werden mit über 70, finde ich.“ Joe Biden habe sicher gute Eigenschaften, aber er sei weder inspirierend noch spannend. „Das sind wichtige Eigenschaften, um einen Wahlkampf zu gewinnen“, sagt Ken Christian.

Wenn am 3. November feststeht, ob Donald Trump für weitere vier Jahre im Amt bleibt oder Joe Biden ins Weiße Haus einzieht, werden auch Dana Ettmayers und Ken Christians Stimmen zum Ergebnis beigetragen haben. Ettmayer glaubt daran, dass Joe Biden die Wahl gewinnen könnte. „Ich bin optimistischer als vor einem Jahr“, sagt sie. Vor Beginn der Pandemie habe sie Sorge gehabt, dass Donald Trump wiedergewählt werden könnte. „Es gibt genügend Leute in den USA, die das glauben, was er von sich gibt“, sagt sie. Mittlerweile glaube sie, dass er „in Bezug auf Corona so viel verbockt“ habe, dass genügend Menschen wachgerüttelt worden seien.

„Corona und die Ruth Bader-Ginsberg-Geschichte schaden Trump“, sagt Ken Christian. Das aktiviere viele Demokraten, die sonst nicht zu Wahl gehen würden. Christian glaubt dennoch an einen Sieg Donald Trumps. „Wenn man in die Geschichte schaut, sind seit 1900 74 Prozent der Präsidenten noch einmal gewählt worden“, sagt er. Als Grund sieht er unter anderem die große mediale Aufmerksamkeit, die den Präsidenten zuteil wird. In jedem Fall hofft Christian auf ein eindeutiges Ergebnis, das keine Zweifel offen lässt. „Wir brauchen keine Proteste und Unruhen wegen einer engen Wahl, oder einen Gang zum Supreme Court, wie das bei Bush gegen Gore 2000 der Falle war“, sagt der Kalifornier. „Das wäre schlimm.“

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