Kirchheim

„Ich will jemanden schlagen“

Gericht Drei Jugendliche sollen am Bahnhof einen Mann verprügelt und ausgeraubt haben. Warum, wissen sie nicht mehr.

Kirchheim. Drei 16- bis 20-jährige Männer sollen in der Nacht zum 29. Januar dieses Jahres am Kirchheimer Bahnhof einen Mann überfallen, durch Schläge und Tritte schwer verletzt und ihn schließlich um 120 Euro sowie EC-Karte und Handy beraubt haben. Seit gestern verhandelt die Jugendstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts gegen das Trio.

Die Anklage wiegt schwer: Gemeinsam sollen die Männer ihrem Opfer gefolgt sein, als dieses gegen 0.30 Uhr am Kirchheimer Bahnhof als letzter Gast ein Lokal verließ. Einer der Angeklagten habe ihn angesprochen und ohne Anlass niedergeschlagen. Durch Schläge auf dessen Kopf, die die Staatsanwältin als möglicherweise lebensgefährlich bezeichnet, blieb das Opfer bewusstlos liegen, während die Angeklagten seine Sachen nahmen.

„Gemeinschaftlicher, besonders schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung“, lautet der Vorwurf gegen das Trio. Allerdings hat die Anklägerin am gestrigen ersten Verhandlungstag noch vier weitere Anklageschriften verlesen, die einen der Drei betreffen: Der 20-Jährige soll im Mai letzten Jahres Polizeibeamte schwer beleidigt und sich gegen seine Festnahme gewehrt haben. Außerdem wirft ihm die nächste Anklage vor, im Januar in Reichenbach einem Passanten die Handtasche entrissen und einer Frau durch Schläge Verletzungen am Auge zugefügt zu haben. Auch wird ihm versuchter Autodiebstahl in Plochingen vorgeworfen und er soll mit Bekannten einen Mann zu Boden gedrückt und ihm gewaltsam Wodka eingeflößt haben. Danach habe man dem Opfer 53 Euro geraubt.

Zwei Angeklagte schweigen

Zwei der Angeklagten wollen zu dem Kirchheimer Raub-Vorwurf keine Angaben machen. Nur der hauptbeschuldigte 18-Jährige lässt durch seinen Verteidiger ein Geständnis vortragen. Demnach habe er am Vortag der Tat zusammen mit den Kumpels reichlich Alkohol konsumiert - die Rede ist von mehreren Flaschen Wodka und Bier. Man sei zusammen von Plochingen nach Kirchheim gefahren. Einer habe dann geäußert, er wolle einen Mann „schlagen“. Der 18-Jährige gibt auch zu, dass er den am Boden liegenden Mann getreten habe. Er wisse aber nicht mehr, warum man den Mann überhaupt überfallen habe. Zum Thema Alkohol hat die Jugendstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts einen Sachverständigen hinzugezogen. Er soll feststellen, wie hoch der mutmaßliche Trunkenheitsgrad der drei Männer zum Tatzeitpunkt war. Insgesamt sechs Verhandlungstage hat die Strafkammer angesetzt. Am Freitag dieser Woche sollen die ersten Zeugen vernommen werden. Am 8. Dezember soll das Urteil verkündet werden. Bernd Winckler

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