Kirchheim

Im Grundsatz richtig

Portrait MitarbeiterBernd Köble
Portrait MitarbeiterBernd Köble

Wer regelmäßig auf zugigen Bahnsteigen verkehrt, der weiß, was lange Wartezeiten im Nahverkehr bedeuten. Die Einführung eines durchgängigen Viertelstundentaktes für die S-Bahn – für Berufspendler eigentlich ein Grund zum Feiern. Trotzdem wird das Thema zum Zankapfel. Ein Streit, der irritiert. Umso mehr, als selbst diejenigen, die jetzt auf die Barrikaden klettern, den Grundgedanken nicht für Quatsch halten.

Das Gerangel um Fachkompetenzen, um Zuständigkeiten – letztlich also um Macht – zwischen den Landkreisen und der Region ist so alt wie der Verband Region Stuttgart und sein Parlament selbst. Das Bindeglied zwischen Land und Kommunalverbänden, ausgestattet mit planerischer Hoheit, hält so mancher Landrat für lässlich – bis heute. Umgekehrt ist von Kirchturmpolitik und blinder Besitzstandswahrung die Rede. Ein Konflikt, der immer dann zu Tage tritt, wenn neue Siedlungsprojekte, Umweltschutzmaßnahmen oder wie jetzt der Nahverkehr auf der Agenda stehen.

Geht es also nur um verletzten Stolz und nicht um die Sache? Nicht ganz. Die Forderung der Landkreise nach Verlässlichkeit und Mitsprache in Finanzierungsfragen ist berechtigt. Schließlich geht es beim verbesserten Angebot nicht nur um den geregelten Anteil in Form der Verkehrsumlage, sondern auch um Folgekosten. Etwa für Anschluss-Busse, für die die Landkreise alleine zuständig sind. Auch was die Pünktlichkeit im S-Bahn-Verkehr und der Zustand des Schienennetzes betrifft, sind Zweifel erlaubt. Regelmäßige Verspätungen und eingleisige Abschnitte, wie auf der S1 zwischen Wendlingen und Kirchheim, passen nicht zum Viertelstundentakt.

Die Überschrift über das Votum am Mittwoch muss trotzdem lauten: im Grundsatz richtig. Zum öffentlichen Nahverkehr gibt es rund um die Stauhauptstadt Stuttgart auf Dauer keine Alternative.

Kommentar Bernd Köble zum Viertelstundentakt der S-Bahn

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