Kirchheim

Im Herbst gehen die Lichter aus

Insolvenz Die Produktion bei BlessOF in Kirchheim endet noch in diesem Jahr. Ein „nennenswerter Teil“ der 140 Mitarbeiter soll nach Heilbronn wechseln können. Von Andreas Volz

Der Schriftzug „Otto Ficker AG“ prangt in großen Buchstaben auf dem Fabrikgebäude in der Stuttgarter Straße. Der Produktionsstan
Der Schriftzug „Otto Ficker AG“ prangt in großen Buchstaben auf dem Fabrikgebäude in der Stuttgarter Straße. Der Produktionsstandort soll aber schon bald der Geschichte angehören. Ein Teil der Arbeitsplätze wird nach Heilbronn verlagert.Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Am Traditionsstandort in Kirchheim scheinen für BlessOF - und damit letztlich für die alteingesessene Otto Ficker AG - die Lichter auszugehen: BlessOF ist insolvent. Am Donnerstag sei ein Antrag auf Eröffnung eines Eigenverwaltungsverfahrens gestellt worden, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Stuttgarter Kanzlei Menold Bezler. Das Insolvenzgericht Esslingen habe dem Antrag vorläufig stattgegeben.

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Auch die Ursache für den Antrag wird in der Pressemitteilung genannt: „Aufgrund des stark rückläufigen Marktes war es dem Spezialisten für großformatige Briefumschläge und Versandtaschen nicht mehr möglich, die Produktion auf Rollen- und Blattmaschinen angemessen auszulasten.“

Die Eigenverwaltung sei eine Möglichkeit für wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen, „den Sanierungs- und Restrukturierungsprozess eigenständig ohne Insolvenzverwalter zu gestalten“. Menold Bezler begleite diesen Prozess bei BlessOF. Der Sanierungsspezialist und Rechtsanwalt Jochen Sedlitz habe die Geschäftsführung übernommen. Der Sachwalter, den das Insolvenzgericht bestellt hat, der die Sanierung überwacht und die Gläubiger­interessen vertritt, ist Rechtsanwalt Martin Mucha von der Stuttgarter Kanzlei Grub Brugger.

Verlagerungen nach Heilbronn

Wie es mit den 140 Mitarbeitern in Kirchheim weitergehen soll, wird in der Pressemitteilung ebenfalls erwähnt. „Das Sanierungskonzept sieht vor, einen Teil der Produktion einschließlich Mitarbeitern und Maschinen an den Stammsitz der Mayer-Kuvert-network-Gruppe in Heilbronn zu verlagern“, heißt es da.

Auf telefonische Nachfrage des Teckboten bei der Kanzlei Menold Bezler konkretisierte Rechtsanwalt Dr. Frank Schäffler gestern diese Aussage: „Man versucht, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.“ In Heilbronn sei die Auftragslage recht gut, sodass sich eher die Frage stelle, wie viele Mitarbeiter aus Kirchheim bereit sind, nach Heilbronn zu wechseln.

Zur Zahl der Mitarbeiter, die ein Angebot für Heilbronn erhalten, könne er noch nichts sagen. „Es ist aber definitiv keine Scheinlösung, bei der nur fünf Prozent der Leute weiterbeschäftigt werden.“ Demnach spricht Frank Schäffler von einem „nennenswerten“ oder auch „substanziellen Teil“ der Mitarbeiter, der nach Heilbronn gehen könne. Zeitliche Details kann er ebenfalls noch nicht genau angeben. Bis „September / Herbst“ soll der Standort Kirchheim allerdings bereits aufgegeben sein.

Das endgültige Aus für die alte Otto Ficker AG will Frank Schäffler so zwar nicht bestätigen. „Die Gesellschaft soll weiter bestehen“, sagt er, fügt aber gleich einschränkend hinzu: „Nur eben an einem anderen Ort.“ Insofern steht also nicht der Name vor dem Aus, wohl aber der Standort: „Der Plan sieht vor, dass in Kirchheim nicht mehr produziert wird.“ Der Rechtsanwalt vergleicht das Prozedere folglich mit dem einer Betriebsverlagerung.

Zumindest in nächster Zeit müsse sich niemand Sorgen um die Löhne machen: „Wer sich im Insolvenzrecht auskennt, weiß, dass die Löhne bezahlt werden. Es gibt Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit - und das kommt pünktlich.“