Kirchheim

Im neuen Jahr müssen sich Buskunden umgewöhnen

Fahrplanänderung Neidlinger und Hepsisauer Fahrgäste haben künftig einen Zwischen-Stopp in Weilheim, wenn sie nach Kirchheim wollen. Von Iris Häfner

Die Buslinie 174 fährt künftig nicht mehr nach Neidlingen.Foto: Carsten Riedl

Die Buslinie 174 fährt künftig nicht mehr nach Neidlingen.Foto: Carsten Riedl

Alles neu macht im kommenden Jahr nicht erst der Mai, sondern bereits der 1. Januar für die Kunden des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) im Bereich Kirchheim, Weilheim und Lenningen. Es gibt einen neuen Fahrplan, der einher geht mit der vor einiger Zeit erfolgten Ausschreibung des Landkreises Esslingen nach EU-Richtlinien (wir berichteten). „Die Busse sollen dadurch pünktlicher in Kirchheim ankommen“, sagt Ulrike Weißinger von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim VVS. Ihrer Ansicht nach ist der Fahrplan zudem übersichtlicher und es werden in der Raumschaft mehr Fahrten angeboten.

So entspannt sieht es eine geübte Nahverkehrsnutzerin nicht. Seit Jahrzehnten pendelt sie zwischen Neidlingen und Kirchheim hin und her. Vom Busfahrer aufmerksam gemacht, studierte sie intensiv den Fahrplan. Bisher nutzte sie die Linie 174, nun ist es die 177 – da müssen sich viele Nutzer erst einmal mühsam durch das dicke Fahrplan-Heft arbeiten. Außerdem muss die Kundin künftig in Weilheim umsteigen, bislang konnte sie bis Kirchheim durchfahren, und die Monatskarte gibt es ab 2017 auch nicht mehr beim Busfahrer, sondern am Bahnhof in Kirchheim – wo nicht jeder Kunde auf seiner üblichen Fahrt automatisch hin kommt – oder online per „polygo-Card“. Bislang war der RBS (Regionalbus Stuttgart) für den Bereich zuständig und hat den Service angeboten, die Monatskarte im Bus zu kaufen. „Bei der VVS ist das nicht üblich“, erklärt Ulrike Weißinger.

„Das ist ein Neuanfang für alle Beteiligten“, sagt Sybille Bauer von Fischer Omnibusreisen in Weilheim. Für die Kunden werde vieles ungewohnt sein. „Wie sich die Sache entwickelt, müssen wir abwarten“, sagt die Unternehmerin, die mit Anpassungen rechnet. Die sind schon im Vorfeld geschehen: Der geplante Bussteigwechsel für die Weilheimer am Bahnhof in Kirchheim – Nummer drei statt zwei, wie im neuen Fahrplan steht – wurde wieder verworfen. Diesbezüglich müssen sich die Fahrgäste nicht umgewöhnen.

Durch den Fahrplanwechsel sieht Sybille Bauer vor allem die Neidlinger als Verlierer. „Bisher war die Verbindung klasse. Ohne Umsteigen kam man nach Kirchheim, und die Busse waren immer voll“, so die Erfahrung von Sybille Bauer. Weil es wegen des veralteten Systems keine Ampelfreischaltung für die Busse des neuen Anbieters gibt, werde sich dies auf den Fahrplan auswirken. Gewinner sind nach ihrer Ansicht die Ochsenwanger und Schopflocher. Sie haben nun erstmals eine regelmäßige und direkte Verbindung.

Das Landratsamt Esslingen hat nach den detaillierten Vorgaben der EU für acht Jahre das ÖPNV-Paket für die Raumschaft Kirchheim ausgeschrieben. Insgesamt gibt es im Kreis elf Linienbündnisse, bis Ende 2019 müssen sie vergeben sein. Das Kirchheimer war das erste auf dem freien Markt. „Wir lernen mit jedem Verfahren und vergeben gerade eines nach dem anderen“, sagt Klaus Neckernuss, Amtsleiter Kommunalaufsicht und Öffentlicher Personennahverkehr. Das Landratsamt habe alles getan, damit die Bündel auf die jeweiligen Bedingungen zugeschnitten sind. „Wie so vieles im Leben ist es ein Kompromiss“, ist sich Klaus Neckernuss bewusst. Für ihn und die Verkehrsplaner geht es etwa um die Fragen, wo der größte Verkehr fließt und wo Umsteigen zumutbar ist. Änderungen will sich der Planer nicht verschließen. „Für Nachjustierungen sind wir offen“, verspricht er. Bewusst habe man sich für den 1. Januar und damit Schulferienzeit entschieden, um reagieren zu können, falls es sich als nötig erweist.

Kirchheim ist Dreh- und Angelpunkt für ein großes Hinterland, das bis in den Landkreis Göppingen reicht, und die S-Bahn demzufolge das Maß aller Dinge. Hier ist Endstation, weshalb die Busse abfahren sollen, wenn sie ankommt, und rechtzeitig ankommen, wenn sie abfährt. „Die Kunden sollen ja nicht die Rücklichter der S-Bahn sehen“, erklärt der Amtsleiter. „Der Fahrplan ist momentan unsere Lösung. Aber er ist ein atmendes System, denn wir wissen heute noch nicht, wo in den kommenden acht Jahren ein Wohngebiet entsteht oder eine Schule geschlossen wird“, so Klaus Neckernuss. Die Kosten will er bei der Optimierung nicht aus den Augen verlieren. Subventionen sollen in Schach gehalten werden. „Den Spagat muss man aushalten können, denn Geld ist endlich – und man muss es wollen, dass die Allgemeinheit für den ÖPNV bezahlt“, nennt der Amtsleiter Ross und Reiter.

Horst Windeisen, Geschäftsführer der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft mbH (WEG), freut sich über sein neues Einsatzgebiet. Seine Firma war bei der Ausschreibung günstigste Bieterin und hat den Zuschlag bekommen. Ganz fremd ist die WEG in der Region nicht: Neuffen und die Tälesbahn bedient das Unternehmen bereits. Gleichwohl ist der Chef Realist: „Am Anfang wird es nicht reibungslos sein. Wir werden sehen, wo wir eventuell nachsteuern müssen“, sagt Horst Windeisen.

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