Kirchheim

Im Wachthaus am Lagerfeuer

Rosenmontag Die SPD-Abgeordneten Andreas Kenner und Rainer Arnold veranstalten einen Mitsing-Abend. Ob Oldies, Schnulzen oder Pop – die Besucher sind dabei. Von Günter Kahlert

Rainer Arnold (links) und Andreas Kenner unterhalten das Publikum im Wachthaus. Foto: Günter Kahlert
Rainer Arnold (links) und Andreas Kenner unterhalten das Publikum im Wachthaus. Foto: Günter Kahlert

Die Atmosphäre ist absolut entspannt. Rainer Arnold stimmt seine Gitarre noch mal durch und Andreas „Anne“ Kenner verteilt Liedtexte an die Gäste im rappelvollen Wachthaus. Die beiden SPD-Abgeordneten - Arnold im Bundestag, Kenner im Landtag - haben zu einem Mitsing-Abend eingeladen, Motto: „Singen bringt Freu(n)de“. Ausgewählt wurden die Titel des Abends per Internet-Votum, die 30 Lieder mit den meisten Stimmen liegen den Besuchern dann auch als Text vor.

Natürlich lässt es sich „Anne“ Kenner nicht nehmen, die Gäste in seiner gewohnt launigen Art zu begrüßen. Eine kleine Auswahl: „Anstatt aloi ins smartphone zu glotza, demmer lieber z‘samma senga“ oder - zum Thema Martin Schulz - „Jetzt kann koiner mehr schreiba, die SPD hat mehr Promille als Prozente“. Die Lacher hat er in jedem Fall auf seiner Seite, so kennt man ihn.

Doch die Vorrede ist kurz, Rainer Arnold steigt mit seiner akustischen Gitarre zügig ins Programm ein. Unterstützt wird er von Horia Ioan (Keyboards) und Rüdiger Gelhausen (elektrische Gitarre). Rainer Arnold kennt sie seit „ewigen“ Zeiten, hat mit ihnen viele Jahre Tanzmusik gemacht. Es ist quasi ein Freundschaftsdienst der beiden, bei der Aktion mitzumachen.

Auftakt mit der alten Folk-Hymne „This land is your land“ und gleich danach der Hannes-Wader-Klassiker „Heute hier morgen dort“. Die Gäste gehen sofort mit, im ganzen Wachthaus wird gesungen. Es ist ungefähr so, als wenn man sich um ein Lagerfeuer versammelt. Rainer holt die Gitarre raus und alle singen mit, inklusive des wohligen Gefühls, wenn man unwillkürlich in alten Zeiten schwelgt.

Doch es sind nicht nur die typischen „Schrammel“-Songs aus der Folk- und Liedermacher-Ecke, eher ein abenteuerliches Sammelsurium. Und genau das ist das Schöne an dem Abend. Den Wachthausgästen macht es jedenfalls einen Heidenspaß. Nur ein Mal muss Andreas Kenner pflichtgemäß „reingrätschen“: bei „Sierra Madre“ von den Schürzenjägern. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Kirchheimer gewählt haben“, frotzelt er. Musikalisch hält sich „Anne“ Kenner eher zurück, seine zumindest in Kirchheim kultige „Blues Harp“ setzt er nur zwei Mal an: bei „Blowing in the Wind“ und „House Of The Rising Sun“.

Dass der Bundestagsabgeordnete und Verteidigungsexperte Rainer Arnold sich mal eben zum Mitsing-Abend ins Wachthaus setzt, erscheint nur auf den ersten Blick ungewöhnlich. „Ein Leben ohne Musik ist für mich undenkbar. Die letzten 18 Jahre war ich aber leider nur noch Konsument“, erzählt er über seine Leidenschaft. Bis zu seinem 43. Lebensjahr war er mit der Tanzband „Butterflies“ unterwegs, tourte durch die Gegend und hat auch viele Konzerte in Kirchheim gespielt. Damals allerdings als Schlagzeuger. Jedenfalls musste Andreas Kenner mit seiner Idee des Mitsing-Abends bei ihm keine große Überzeugungsarbeit leisten.

Bleibt noch die Frage vieler Gäste: „Gibt es das nächstes Jahr wieder?“ Andreas Kenner eindeutig: „Aber klar, des mach ich bis ich 90 bin.“ Kann man sich ja schon mal vormerken - zumindest den Rosenmontag. Der ist am 12. Feb­ruar.

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