Kirchheim

Impfen statt Konferieren

Corona Die Impfkampagne hat die Betriebe erreicht. Wo sonst Konferenzen oder der Betriebssport stattfindet, wird jetzt der Impfstoff verabreicht. Für kleine Betriebe bieten die Malteser Hilfe an. Von Thomas Zapp

SSeit gestern haben im Landkreis 135 Menschen ihre Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Die Spritze bekamen sie jedoch weder in der Artzpraxis noch im Impfzentrum: Zuständig war ihr Arbeitgeber Leuze electronics. Beim Sensorhersteller aus Owen haben vier Helfer der Malteser Neckar-Alb in eigens dafür vorbereiteten Räumen den Mitarbeitern die Vakzine verabreicht, die sich gemeldet haben. Auch die vorherige Anmeldung, die Vorbereitung der Vakzin-Dosen, die Dokumentation nach den Impfungen sowie die Betreuung der Geimpften hatten die Malteser übernommen. Als Raum diente ein Bereich, in dem zu normalen Zeiten Betriebssport stattfindet. Somit gab es vom Ablauf keinen Unterschied zu einem „normalen“ Impfzentrum. Auch die Probleme sind ähnlich: „Es war nicht so einfach, ausreichend Impfstoff zu erhalten. Umso mehr freuen wir uns, jetzt unseren Mitarbeitern ein Impfangebot machen zu können“, sagt Diana Seitz, Corona-Beauftragte bei Leuze. Die Impfung sei aber kein Muss, sondern freiwillig gewesen, betont sie.

Zehn Kilometer entfernt bei Keller Lufttechnik in Jesingen warten 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon auf die zweite Impfung am 7. Juli. Die erste „Runde“ lief schon am 9. Juni. „Wir haben 350 Mitarbeiter gefragt, 100 haben sich angemeldet. Dann wurde es aber noch spannend, ob der Impfstoff auch geliefert wurde“, erzählt Axel Maier, bei Keller zuständig für die Betriebssicherhei. Tatsächlich kamen zwei Tage vorher 112 Dosen. „Da hatten sich noch einige Angehörige von Mitarbeitern gefreut, denen wir die Möglichkeit anbieten konnten“, erzählt er.

Kellers Betriebsarzt, der in Kirchheim praktizierende Dr. Martin Schmieder, hatte alles mithilfe des von Maier geleiteten Teams organisiert. „Geimpft wurde bei uns auf dem Gelände, in einem gro­ßen Konferenzraum. Das hat sehr gut geklappt“, freut sich Michael Hack, Sprecher des Luftfilterherstellers. Dass nicht immer alles klappt wie geplant, mussten dagegen die Organisatoren und Mitarbeiter des Nürtinger Maschinenbauers Heller erleben: Dort wurden statt der bestellten Höchstmenge für Betriebe von 800 nur 120 Dosen geliefert.

Modellprojekt läuft seit Mai

In Baden-Württemberg hat die Landesregierung seit Mai im Rahmen ihres „Modellprojekt Impfen in Betrieben“ in zwölf Unternehmen aus Baden-Württemberg rund 12 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft. Drei weitere Projekte mit Handwerksbetrieben unter zehn Mitarbeitern sind jüngst hinzugekommen. Hier wollte man zeigen, dass auch kleinere Betriebe Impfangebote machen können. Für diese stehen etwa 400 Impfdosen zur Verfügung.

Zusätzlich bieten zum Beispiel die Malteser Hilfe bei der Organisation an. Sind nicht genügend Räume vorhanden, um einen Wartebereich anzubieten, sowie Räume für das Aufklärungsgespräch, die eigentliche Impfung und das Ausruhen, gibt es ebenfalls Möglichkeiten. „Dann fährt die Mobile Arztpraxis auf das Firmengelände, das ist ein goßer Rettungswagen, der wie eine Praxis eingerichtet ist. Bis zu 100 Personen können damit an Ort und Stelle geimpft werden“, sagt Steffen Schütze, Leiter der Corona-Dienste bei den Maltesern Neckar-Alb. „Das Fachwissen zu den Details und Abläufen haben wir uns in den letzten Wochen und Monaten angeeignet“, sagt Steffen Schütze. Nur die Impfdosen könnte man nicht bestellen, dafür aber dem jeweiligen Betriebsarzt oder dem externen Arzt bei der Bestellung helfen.

Als „wichtige dritte Säule“ hat Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha die betriebsärztliche Impfung bezeichnet. Doch auch er musste einräumen, dass auch hier dieselben Beschränkungen gelten. „Leider ist wie in den Impfzentren und bei den Hausärzten auch hier der Impfstoff noch sehr begrenzt.“ Doch Lucha betonte, dass künftig Betriebe eine wichtige ­Rolle spielen können, wenn routinemäßig ein- bis zweimal Auffrischungsimpfungen notwendig sein sollten. Und da lautet die gute Nachricht: Organisatorisch waren die ersten Betriebs-Impfzentren im Landkreis ein Erfolg.

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