Kirchheim

In die Stadtgeschichte reinschnuppern

„Tag des offenen Denkmals“ hat Altstadt, Fachwerk und Stadtbefestigung als Schwerpunkt

Stadtgeschichte „light“ gab‘s am „Tag des offenen Denkmals“ in Kirchheim. Mit Kurz-Touren von 30 Minuten machten die Stadtführer Appetit auf mehr.

Rainer Laskowski veranschaulicht den Verlauf der Kirchheimer Stadtmauer. Stadtführerin Gerlinde Barwig mit ihrer Gruppe am Kirch
Rainer Laskowski veranschaulicht den Verlauf der Kirchheimer Stadtmauer. Stadtführerin Gerlinde Barwig mit ihrer Gruppe am Kirchheimer Spital, das in den 70ern einem Kaufhaus weichen sollte. Selbst Hand anlegen konnte jeder bei den Steinmetzen der Martinskirche.Fotos: Andrea Barner

Kirchheim. „Rettet die Altstadt!“ klingt nach Alarm, aber alles halb so wild. Darauf angesprochen, schmunzelt Gerlinde Barwig: „Ich will mit dem Motto aus den 70er-Jahren an drei Beispielen zeigen, wie durch Bürgerinitiative Häuser gerettet wurden.“ So nennt sie das Spitalviertel, das damals einem Kaufhaus weichen sollte. Ebenso beispielhaft ist für sie das „Alte Haus“, das auf ­Initiative eines Einzelnen erhalten und restauriert wurde. Gerlinde Barwig beendete ihre Kurz-Runde an der Stiftsscheuer – ein Beispiel, wie mit einem Immobilien-Fonds ein Gebäude erhalten wurde. 114 Teilhaber haben zusammengelegt – sicher nicht nur, um Freibier als Dividende zu bekommen. Jedenfalls sei es eigentlich seit den 70ern in Kirchheim letztlich ganz gut gelaufen, auch wenn mit dem Waldhorn und der Bruckmühle aktuell wieder Themen anstehen.

Rainer Laskowski sieht dagegen einiges der Stadtentwicklung zwiespältig. Bei seiner Tour „Auf den Spuren der Kirchheimer Stadtbefestigung“ haderte er damit, dass beim Bau der Tiefgarage Krautmarkt Teile der Stadtbefestigung einfach abgerissen wurden. „Das hätte man locker erhalten können, aber der damalige OB Jakob war dafür nicht zu haben.“ Aber es gibt ja noch andere Überreste und Spuren der Stadtbefestigung, und denen ging der Leiter der Archäologie-AG am Städtischen Museum nach. Stationen waren unter anderem das Pflaster in der Fußgängerzone neben dem Max-Eyth-Haus, wo sich noch der Verlauf der ersten und zweiten Stadtmauer ablesen lässt. Eine weitere Station war das Schloss, das 1538 zunächst als Festung erbaut wurde. Auch der Turm der Martinskirche gehörte einst zur Stadtbefestigung. Man habe da ganz praktisch gedacht. „Ein optimaler Punkt zur Verteidigung der Stadt. Man hat sogar Teile des Kirchenschiffes abgerissen, damit man ein gutes Schussfeld hatte“, erzählt der Historiker.

Um kleine Denkmale, die in Kirchheim oft unbemerkt auf eine bedeutsame Historie verweisen, ging es auf Edith Burgerts Tour „Kirchheim unter Teck - Eine Marktstadt“. Kleine Hinweise geben Gänseskulptur, Schweinehirt, Brunnen oder Bronzetafel. Innerhalb und außerhalb des Alleenrings stehen diese oft unbemerkten Erinnerungen an eine große Zeit. Die Stadtführerin aus Leidenschaft ist überzeugt: „Durch die Beziehungen zum Haus Württemberg ist Kirchheim eine besondere Marktstadt geworden.“ 250 Jahre engste verwandtschaftliche Verbindungen zum einstigen Königshaus haben zumindest dazu beigetragen, dass der Kirchheimer Wollmarkt einer der bedeutendsten in ganz Deutschland wurde. Vetterleswirtschaft würde der Schwabe sagen, networking heißt es neudeutsch.

Drei weitere Touren wurden historisch Interessierten angeboten. Ruth Mößner erzählte die wechselhafte Geschichte des Kirchheimer Rathauses vor und nach dem Stadtbrand, Martin Schallenmüller führte durch die Historie der Martinskirche, und Martin Lude hatte als Schwerpunkt Fachwerkhäuser von 1538 und nach 1690 inklusive Infos über Bewohner damals und heute.

Als weiteren Programmpunkt demonstrierten Steinmetze an der Martinskirche ihr Können, das zum Erhalt des Gotteshauses notwendig ist. Und man konnte sich sogar selbst mit Hammer und Meißel an Steinen ausprobieren.

Ein ganz besonderer Blickfang war der Fowler-Pflugsatz von 1909, den der Verein Historische Dampftechnik Kirchheim neben dem Max-Eyth-­Haus aufgestellt hatte und auch unter Dampf hielt.

Auch Lenningen und Owen beteiligten sich am „Tag des offenen Denkmals“. In Oberlenningen konnte man das in den 1990er-Jahren liebevoll restaurierte Schlössle besichtigen. In dem charakteristischen Fachwerkbau des Spätmittelalters (erbaut 1593 – 1596) sind noch Wand und Deckenmalereien, ein Teil des historischen Schieferbodens und die Wand einer ehemaligen Küche erhalten. Sachkundige Führungen gab es von den Mitgliedern des Förderkreises Schlössle. In Schopfloch stand der Tag im Zeichen der Johanneskirche.

In Owen bot der „Alt Owen“-Förderkreis jeweils eine Führung im Geschichtshaus und in der Bernhardskapelle an.

Der „Tag des offenen Denkmals“ ist eine bundesweite Aktion, die von der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ koordiniert wird. Er findet jedes Jahr am zweiten Septemberwochenende statt, seit 1999 immer versehen mit einem bestimmten Motto. 2016 war es „Gemeinsam Denkmale erhalten“.

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