Kirchheim

In die Wirtsstuben dringt die Krise schleichend

Gastronomie Seit gestern gilt: Nur noch Speiselokale dürfen bis 18 Uhr öffnen. Jetzt geht es um schnelle Hilfen.

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Symbolbild

Kirchheim. Volle Ausflugslokale auf der Alb, lange Warteschlangen vor Eisdielen und kein freier Platz im Straßencafé - am Wochenende war das fast allerorten Realität, trotz Coronakrise. Einige wenige Gastronomen schlossen zu Wochenbeginn aus freien Stücken, die meisten hielten am Normalbetrieb fest, weil das der Kollege nebenan auch tat. Ein weiterer Grund: Nur ein klares Verbot öffnet die Tür zu möglichen staatlichen Hilfen. Doch bisher gab es nur Empfehlungen. Noch am Dienstagabend war es in der Kirchheimer Innenstadt deshalb kein Problem, einen Tisch zum Abendessen zu finden.

Was alle Wirte bis dahin vermissten: eine klare Linie seitens Politik und Behörden. Was ist noch freiwillig und was schon verboten? Seit gestern Vormittag herrscht endlich Klarheit: Nur noch Speiselokale dürfen öffnen, bis maximal 18 Uhr und auch nur dann, wenn ein Sicherheitsabstand von mindestens eineinhalb Metern zwischen Tischen und Gästen eingehalten wird. So hat es die Landesregierung verfügt. Schon morgen kann die Lage eine andere sein.

Noch nicht ganz reibungslos verläuft die Kommunikation. Das Problem: Es gibt in Kirchheim kein offizielles Netzwerk und keine Stimme mehr, die für alle spricht. Die meisten der italienischen Gastwirte sind nicht einmal im Hotel- und Gaststättenverband organisiert, der seine Mitglieder mit generellen Informationen zur Krise versorgt. Kommen sprachliche Barrieren hinzu, wird‘s vollends schwierig, den Überblick zu behalten. Das gilt auch für die, die neu sind im Geschäft. Wohl mit ein Grund, weshalb auch gestern Nachmittag noch immer nicht alle auf dem aktuellen Stand waren. „Wir vernetzen uns“, sagt 3K-Betreiber Michael Holz, der mit Kollegen die Mittlerrolle übernommen hat. Viele Wirte überlegen sich Alternativen. Manche richten einen Abholservice ein. „Wer kann, liefert“, sagt Holz.

Stadt setzt Mahnbescheide aus

Gleichzeitig werden die Rufe nach schneller und unbürokratischer Hilfe lauter. Eine Forderung: Die Stadt solle die Konzessionszahlungen für die Außenbewirtung, die zum 1. März für die große Mehrheit der Gastronomen fällig wurde, aussetzen. „Es geht jetzt darum, die Liquidität vor allem kleinerer Betriebe sicherzustellen“, sagt Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader. In den kommenden Tagen werde mit Banken geredet und Gebäude-Eigentümer kontaktiert, um die Stundung von Pachtzahlungen zu prüfen. Die Stadt selbst hat inzwischen sämtliche Mahnbescheide ausgesetzt. Über den möglichen Erlass von Gebühren wolle man in den nächsten Tagen beraten, sagt Bader.

Die Verwaltung liefert auf ihrer Homepage aktuelle Informationen für alle. Für gezielte Nachfragen steht die Corona-Hotline unter 0 70 21/5 02-3 42 telefonisch zur Verfügung. Kirchheims neuer Rathauschef will weiterhin auch die sozialen Medien zur Aufklärung nutzen. Über seinen privaten Facebook-Account meldete er sich schon zweimal per Videobotschaft zu Wort. „Ich hatte den Eindruck, dass Appelle auf diesem Weg ankommen“, sagt er.

Aus der Krise die richtigen Schlüsse ziehen - das ist das, was nicht wenige im Moment als die wichtigste Chance wahrnehmen. „Was unbürokratische und ganz pragmatische Hilfen betrifft, gibt es in der Ländergesetzgebung viel zu viele Hürden“, sagt Pascal Bader. „Im Regelbetrieb mag das ja alles sinnvoll sein“, meint er. „Im Moment können wir daraus nur lernen.“ Bernd Köble

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