Kirchheim

In Krisenzeiten ist Gold gefragt

Anlage Während der Corona-Krise suchen viele Sicherheit im glänzenden Schatz. Die Menschen fühlen sich aufgrund der Situation vermehrt unsicher und investieren ihr Geld häufiger in physisches Edelmetall. Von Lena Bautze

Gold liegt im Trend bei den Anlegern. Symbolfoto
Gold liegt im Trend bei den Anlegern. Symbolfoto

Einen Goldbarren im Tresor: Dieser verlockende Gedanke vermittelt so manchem ein Gefühl von Sicherheit. Das beliebteste aller Edelmetalle steht nach wie vor für Luxus und gilt zugleich als Krisenwährung - das zeigt sich auch aktuell in der Corona-Pandemie: Während der Kurs des Deutschen Aktienindex in den vergangenen Monaten gefallen ist, stieg der Goldpreis ­enorm. Der momentane Preis für eine Feinunze Gold - das entspricht 31,1 Gramm - liegt gerade bei ungefähr 1612 Euro. Vor genau einem Jahr war die Unze „nur“ 1368 Euro wert.

Dieser enorme Preis schreckt die Menschen in der Region jedoch nicht ab, weiterhin in Gold zu investieren, wie auch Markus Weber von der Volksbank Kirchheim-Nürtingen weiß: „Wir haben derzeit eine viel größere Nachfrage nach Gold.“ Die Mitarbeiter der Commerzbank erkennen ebenso einen regelrechten Boom. „Edelmetalle sind beliebter als je zuvor - und die Corona-Pandemie hat das noch verstärkt“, sagt Pressesprecherin Sandra Kobus. Gold sei dabei mit Abstand das am häufigsten von Privatkunden gekaufte Edelmetall. „Seit März ist die Nachfrage regelrecht explodiert“, betont Kobus.

Die Kreissparkasse bekommt die immense Nachfrage hingegen nicht so stark zu spüren. „Die Kunden kaufen etwas mehr Gold, aber es hält sich im Rahmen“, sagt Pressesprecher Ulrich Unger. Einzig und allein die Deutsche Bank ist von den vier großen Kreditinstituten in der Region das einzige, bei dem die Kunden kaum Interesse zeigen. „Natürlich kaufen manche Menschen jetzt Gold, aber zumindest bei uns gab es in den letzten Monaten keine größere Nachfrage als 2019“, klärt Sven Glas, Filialdirektor in Esslingen, auf.

Dennoch gebe es vermehrt Kunden, die nun emotional handeln. „Manche Menschen brauchen in der aktuellen Situation einfach die Sicherheit von Gold, um ruhig schlafen zu können“, erläutert Glas.

Wie die Menschen ihre Ersparnisse in das Edelmetall investieren, ist unterschiedlich. „Hauptsächlich ordern sie Goldmünzen, wie den ‚Krügerrand‘ oder den ‚Wiener Philharmoniker‘, aber auch Goldbarren in unterschiedlichen Größen beschaffen sich die Kirchheimer“, schildert Sandra Kobus von der Commerzbank. Der Vorteil der Krügerrand-Münze sei, dass sie beispielsweise in Südafrika immer noch als anerkanntes Zahlungsmittel gilt. Viele Anleger hingegen würden auch das Design der Münze bewundern - sie schimmert durch die minimale Beimischung von Kupfer leicht rötlich.

Bei der KSK sind neben Edelmetallen vor allem auch Wertpapiere im Trend, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. Denn Goldmünzen und Co. sind nicht die einzigen Möglichkeiten, zu investieren. Auch sogenannte ETFs („exchange-traded funds“) werden immer beliebter. Ein Vorteil der ETFs sei laut Sven Glas, dass zusätzlich Rendite anfallen können, was bei physischem Gold hingegen nicht der Fall sei. Der Gewinn hängt allein von der Entwicklung des Preises ab.

Tresor statt Nachttisch

Doch wer kauft Gold? Die Banken wissen die Antwort. Während in der Vergangenheit häufig eher die ältere Generation goldaffin war, hat sich dies in den vergangenen Jahren, explizit aber durch die Entwicklungen rund um Corona, deutlich verändert. „Inzwischen geht der Bedarf und die Nachfrage quer durch alle Altersstrukturen“, stellt Commerzbank-Pressesprecherin Sandra Kobus fest. Auch bei der Kreissparkasse sind die Käufer ein Spiegelbild der Gesellschaft: „Die Menschen, die sich für Gold interessieren, sind im Schnitt zwischen 35 und 65 Jahre alt“, erklärt Ulrich Unger.

Besitzer von Gold sollten jedoch bei ihrem Lagerplatz auf der Hut sein. Den Schatz im Nachttisch zu verstecken, scheint da ja schließlich eher weniger vorteilhaft. „Wir haben schon alles erlebt. Manche vergraben ihr Gold sogar im Garten“, sagt Sven Glas von der KSK. Definitiv sicherer sei jedoch die Aufbewahrung in Bankschließ­fächern oder Tresoren.

„In den letzten Jahren wollen immer mehr Menschen ein Schließfach bei uns“, erklärt ­Markus Weber von der Volksbank. Vor allem ältere Personen haben großen Bedarf. „Sie haben hierbei einfach eine Sicherheit, die sie zu Hause nicht mehr haben. Auch weil es zuletzt immer mehr Einbrüche gab.“

Auch bei der Commerzbank in Kirchheim wurden in den letzten Jahren mehr Schließfächer gemietet - „aber aktuell sind noch einige verfügbar“, sagt Sandra Kobus.

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