Kirchheim

„Integration ist keine Einbahnstraße“

Ehrenamtspreis Kreissparkasse und Teckbote zeichnen „starke Helfer“ aus, die sich unter dem Motto „Zusammen leben ohne Grenzen“ engagieren. Von Andreas Volz

Beispiele für vorbildliche Integration: die interkulturelle Band „Wüstenblumen“ (oben) und alle Sieger des Ehrenamtspreises.Foto
Beispiele für vorbildliche Integration: die interkulturelle Band „Wüstenblumen“ (oben) und alle Sieger des Ehrenamtspreises.Fotos: Carsten Riedl

Den Nerv der Zeit hat die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen mit ihrem Thema für den Ehrenamtspreis 2016 getroffen: „Zusammen leben ohne Grenzen“. Das betonte Landrat Heinz Eininger bei der Preisverleihung für sieben Initiativen aus dem Verbreitungsgebiet des Teckboten: Er sprach von einer gigantischen Herausforderung, die in den vergangenen beiden Jahren durch die Aufnahme von 7 000 Flüchtlingen im Landkreis Esslingen entstanden sei.

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Kritisch setzte er sich mit einem der meistzitierten Sätze aus der Politik auseinander: „Wir schaffen das.“ Zunächst definierte er jenes „Das“ als die Aufnahme und Integration Tausender von Menschen in kurzer Zeit. Ebenso klar benannte Heinz Eininger, wer sich hinter dem „Wir“ verbirgt: „Es sind die Bürgerinnen und Bürger vor Ort, die diesen Worten der Bundeskanzlerin ein Gesicht geben.“

Der Einsatz der Ehrenamtlichen sei von unschätzbarem Wert. „Er zeigt tag- täglich: Deutschland ist nicht nur ein Einwanderungsland, sondern auch das Land der Solidarität und des freiwil­li­gen Engagements.“ Direkter Kontakt zwischen „Mehr­heitsgesellschaft“ und Zuwanderern fördere die Sprachkenntnisse, vermittle „unsere Kultur und unsere Werte“ und trage dazu bei, Ängste und Vorurteile abzubauen.

„Integration ist keine Einbahnstraße“, stellte Eininger fest und lobte „Arbeitskreise, Unterstützerkreise, Freundeskreise, Flüchtlingsinitiativen, kirchliche Gruppen, Sportvereine oder Engagierte aus Wirtschaft und Kultur, die sich beispielgebend um die Integration von Menschen verdient machen“.

Andererseits warb er um Verständnis dafür, dass staatliche Institutionen an Recht und Gesetz gebunden sind und dass der Landkreis als untere Aufnahmebehörde deshalb „auch unangenehme und manchmal auch menschlich schmerzhafte Entscheidungen treffen muss“. Das Asylrecht sehe nicht nur die Anerkennung, sondern auch die Ablehnung von Asylanträgen vor: „Nicht allen Erwartungen der Ehrenamtlichen können wir entsprechen. Einige Flüchtlinge werden wieder in ihre Heimatländer zurückkehren müssen.“ Selbst für Ermessensentscheide gälten bestimmte Spielregeln: „So stoßen wir das eine oder andere Mal an die Grenzen der Flexibilität.“

Für wichtig hält Heinz Eininger den regen Austausch zwischen Verwaltungen und Ehrenamtlichen, da viele Probleme zunächst bei den Ehrenamtlichen ankommen, bevor eine Verwaltung bestimmte Fehlentwicklungen überhaupt erst wahrnehmen könne. Für beide Seiten – hauptamtliche wie ehrenamtliche Helfer in der Flüchtlingsarbeit – gelte als Grundsatz: „Wohnung, Arbeit, Sprache – das ist die Basis für eine gelingende Integration. Nur wenn die Menschen in Lohn und Brot kommen und finanziell unabhängig von staatlichen Leistungen werden, kann die vollständige gesellschaftliche Teilhabe gelingen.“

Auf den Ehrenamtspreis bezogen, meinte der Landrat: „Hinter jeder Initiative verbirgt sich ein unschätzbarer Einsatz engagierter Menschen. Jeder einzelne Vorschlag ist ein Gewinner. Unser Dank gilt den Preisträgern – stellvertretend für alle, die sich in ihrer Freizeit für ihre Mitmenschen einsetzen.“

Dieser Gedanke war bei der eigentlichen Preisverleihung und auch in den vielen Gesprächen im Anschluss deutlich herauszuhören: Auch Einzelpersonen, die für den Ehrenamtspreis vorgeschlagen waren, betonten, wie wichtig es ist, mit möglichst vielen anderen Helfern gemeinsam wirken zu können. Einhellig begrüßt wurde auch die Entscheidung der Jury, keinen herauszugreifen, sondern alle gleichermaßen zu Siegern zu erküren und allen dieselbe Summe als Preisgeld zukommen zu lassen. Aus den Händen des KSK-Vorstandsvorsitzenden Burkhard Wittmacher und des Teckboten-Verlegers Ulrich Gottlieb erhielten die sieben Initiativen und Gruppen, die nebenstehend aufgeführt sind, außer ihren Urkunden auch jeweils 500 Euro Preisgeld.

Mit dazu gab es die CD einer weiteren Gruppe, die in Kirchheim wie kaum eine andere für gelingende Integration steht: die interkulturelle Band „Wüstenblumen“. Die Musiker hatten die Preisverlei­hung im He­n-ninger-Saal der Kreissparkasse in Kirchheim mit Rhythmen aus aller Welt und Liedtexten in verschiedensten Sprachen würdig umrahmt.