Kirchheim

Je zwei Neubauten für die Klosterwiese und den Bolzplatz

Anschlussunterbringung Der Kirchheimer Gemeinderat bringt das Baurecht auf den Weg und beschließt die Freigabe der Ausschreibungen für vier Gebäude. Von Andreas Volz

Auf der Kirchheimer Klosterwiese sollen zwei Gebäude zur Anschlussunterbringung von Flüchtlingen entstehen (rot eingefärbte Fläc
Auf der Kirchheimer Klosterwiese sollen zwei Gebäude zur Anschlussunterbringung von Flüchtlingen entstehen (rot eingefärbte Fläche). Die hellgrüne Fläche darunter zeigt in etwa das restliche Baufenster an. Dort könnten eines Tages zwei weitere Häuser stehen. Foto: Werner Feirer

In Kirchheim nehmen die Neubauten zur Anschlussunterbringung von Flüchtlingen immer mehr Gestalt an: Die beiden Gebäude im Hafenkäs stehen bereits und sollen im Januar bezugsfertig sein. Die nächsten „Gebäudepaare“ folgen schon bald: auf dem Jesinger Bolzplatz hinter der Gemeindehalle und auf der Klosterwiese. Für die Klosterwiese hatte der Gemeinderat erst einmal den Satzungsbeschluss des Bebauungsplans zu fassen, bevor in derselben Sitzung gleich die Freigabe der Ausschreibungen erfolgen konnte.

An diesem Punkt hätte sich noch eine Verzögerung ergeben können. Die SPD hatte nämlich beantragt, im Satzungsbeschluss lediglich ein Baufenster für zwei Gebäude vorzusehen. „Die Klosterwiese ist eine der letzten grünen Freiflächen in Kirchheim“, hatte der Fraktionsvorsitzende Walter Aeugle argumentiert. Vor Jahren habe es heftige Proteste gegen die vorübergehende Nutzung der Grünfläche als Ausweichparkplatz gegeben. Und nun solle dauerhaft Wohnraum auf der Klosterwiese geschaffen werden.

Auch wenn die Stadt zur Unterbringung von Flüchtlingen verpflichtet sei, fehle ihm bei einem Baufenster für vier Gebäude die Verhältnismäßigkeit: „Das ist dann keine dezentrale Unterbringung mehr. 136 Personen sind zu viel. Das wollen wir nicht, und deswegen stellen wir den Antrag, von vornherein nur ein Baufenster für zwei Gebäude zu beschließen.“

Diese Diskussion ist nicht neu. Von Anfang an ist es im Gemeinderat um die Größe der Baufenster gegangen, wenn auf irgendeinem Gelände Gebäude zur Anschlussunterbringung geplant waren. Die Bedenken oder gar Befürchtungen einzelner Ratsmitglieder gehen immer in die Richtung, dass früher oder später auch tatsächlich vier Häuser gebaut werden, wenn es der Bebauungsplan so hergibt.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker verwies zwar – wie immer – darauf, dass vorläufig wirklich nur zwei Gebäude auf der Klosterwiese entstehen sollen. „Es ist aber wichtig, im Zweifelsfall noch die Möglichkeit für zwei weitere Gebäude in petto zu haben.“ Das gelte für den Fall, dass die Stadt Kirchheim eines Tages noch weitaus mehr Menschen unterbringen muss als die 680, die bis Ende 2017 als offizielle Zahl vorgegeben sind.

Aber der Antrag der SPD-Fraktion stand trotz dieses Einwands zur Abstimmung – und auch trotz des Hinweises von Gernot Pohl, dass der Antrag, sollte er durchgehen, alle weiteren Planungen verzögern würde: „Wir können dann keinen Satzungsbeschluss fassen“. Die Satzung hätte dann ja vor dem Beschluss noch einmal grundlegend geändert werden müssen. Die Mehrheit im Gemeinderat folgte der Argumentation der Stadtverwaltung und lehnte den SPD-Antrag ab. Mit noch größerer Mehrheit fiel anschließend der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan – samt Baufenster für vier mögliche neue Gebäude.

Der Freigabe der Ausschreibungen stand also keine fehlende Satzung mehr im Weg: Sowohl auf der Klosterwiese als auch auf dem Jesinger Bolzplatz sollen zwei dreigeschossige Wohnhäuser entstehen. Pro Stockwerk sind zwei Wohnungen vorgesehen. In beiden Fällen – auf der Klosterwiese wie auf dem Bolzplatz – werden also insgesamt zwölf neue Wohnungen gebaut. Pro Gebäude können dort 34 Menschen wohnen, sodass die Anrainer an der Lindachallee und in Jesingen in absehbarer Zeit 68 neue Nachbarn bekommen.

Vorteile der Holzbauweise

Die Stadtverwaltung hat – bedingt durch die überaus positiven Erfahrungen im Hafenkäs – vorgeschlagen, auch diese vier neuen Gebäude in Holzbauweise zu erstellen. Bürgermeister Günter Riemer sprach von einer wesentlich kürzeren Bauzeit gegenüber Massivbauten und von einer nur geringen Differenz bei den Kosten: „Im Hafenkäs sind die Kosten für die Holzbauweise sogar gesunken. Wir liegen, Stand September 2016, bei 1,84 Millionen Euro – statt bei den 2,14 Millionen Euro, von denen wir noch im Juni ausgegangen waren.“

Eine weitere Diskussion entzündete sich an der Frage, wie viel Raum bei den Gebäuden für Büros oder als gemeinsamer Aufenthaltsraum zur Verfügung steht. Für größere Treffen der Bewohner verwies Günter Riemer auf die Gemeindehalle oder auf das Jesinger Rathaus. Ansonsten aber stünde – vor allem auf der Klosterwiese – das Büro für Hausmeister und Sozialarbeiter eben auch als Treffpunkt der Bewohner zur Verfügung. Marianne Gmelin (SPD) sprach angesichts von 26 Quadratmetern von einer „reinen Alibifunktion“ und beklagte: „So etwas wird beim Bau offensichtlich anders gesehen als beim Integrationskonzept.“

Hochbauamtsleiter Wolfgang Zimmer verwies darauf, dass dieser Büroraum eben mehrere Funktionen zu erfüllen habe, „die ja nicht alle gleichzeitig stattfinden“. So gebe es einen Schreibtisch, den sich Hausmeister und Sozialarbeiter teilen. Natürlich sei der Raum zu klein, um ein Treffen aller Bewohner auf einmal zu ermöglichen – „aber dafür ist dieser Raum auch gar nicht vorgesehen.“

Eines zumindest war ganz eindeutig: der Beschluss des Gemeinderats zur Freigabe der Ausschreibungen. Er fiel einmütig aus, ohne Enthaltung oder gar Gegenstimme. Südlich der Lindach entstehen also – nahe der Innenstadt und in Jesingen – jeweils zwei neue Gebäude, ähnlich wie im Hafenkäs.

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