Kirchheim

„Jeder spürt, dass sich was ändern muss“

Politik Die Abwahl Volker Kauders hat viele überrascht – Ex-Bundestagsmitglied Elmar Müller hatte eine Vorahnung.

Foto: Peter Dietrich

Herr Müller, hat Sie Kauders Niederlage schockiert?

Elmar Müller: In den Gesprächen, die ich in den letzten Wochen geführt habe, wurde schon insgeheim vermutet, dass es nicht leicht würde für ihn. Ich war dann zwar doch überrascht, aber es war nicht undenkbar gewesen. Als Baden-Württemberger bedaure ich natürlich, dass wir mit Herrn Kauder einen Badener an der Fraktionsspitze verlieren.

Wo sehen Sie als langjähriges Fraktionsmitglied die Gründe?

Müller: Es spürt in der Partei wohl jeder, dass sich etwas ändern muss. Die Mehrheit hat sich beschwert, dass Entscheidungen getroffen wurden, die der Kanzlerin und Bundesvorsitzenden genehm waren.

Sehen Sie die Abstimmung auch als Angriff auf die Kanzlerin?

Ja, ich denke schon. Die Fraktion durfte zunehmend weniger Entscheidungen treffen und suchte mehr Freiraum. Der neue Fraktionsvorsitzende sieht etwa die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin deutlich kritischer. Die Personalie Maaßen hatte damit sicher weniger zu tun. Da hatte wohl die SPD den Eindruck, dass sie zu wenig wahrgenommen würde.

Sie kennen Angela Merkel aus zwölf gemeinsamen Jahren im Bundestag und als Parteivorsitzende. Was glauben Sie, wird sie nun tun?

Ich bin ja gerade mit Mitgliedern der Senioren-CDU unterwegs und höre viele Meinungen. Die Frauen hier hatten den Eindruck, sie habe fast resigniert. Ich glaube, dass sie das Ergebnis der Abstimmung zum Anlass nimmt, Entscheidungen vorzubereiten und zu zeigen, dass sie immer noch das Heft in der Hand hält. Sie will zeigen, wie sie die verbleibenden drei Jahre der Legislatur gestalten wird.

Und was kommt danach?

Ich glaube, dass Angela Merkel kurz vor der nächsten Bundestagswahl jemand anderem die Chance geben wird, sich zur Wahl zu stellen.Thomas Zapp

 

Zur Person: Elmar Müller saß von 1990 bis 2002 für die CDU als Abgeordneter im deutschen Bundestag. Er war postpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion und Vorsitzender des Regulierungsrates bei der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation, der heutigen Bundesnetzagentur. Von 1975 bis 1991 und 2004 bis 2008 war der heute 76-Jährige Stadtrat in Kirchheim.

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