Kirchheim

Johannes Züfle bleibt Bürgermeister in Weilheim

Neuwahl Mit rund 56 Prozent der Stimmen ist der Amtsinhaber wiedergewählt worden. ­Herausforderer Hendrik van Woudenberg erreichte 44 Prozent. Von Bianca Lütz-Holoch

Strahlende Gesichter: Johannes Züfle und seine Frau Ingrid nehmen die Glückwünsche von Bürgern entgegen.Fotos: Carsten Riedl
Strahlende Gesichter: Johannes Züfle und seine Frau Ingrid nehmen die Glückwünsche von Bürgern entgegen.Fotos: Carsten Riedl

Johannes Züfle bleibt im Amt: Mit 56,1 Prozent der abgegebenen Stimmen wurde der 36-jährige Diplom-Verwaltungswirt gestern im zweiten Wahlgang erneut zum Bürgermeister von Weilheim gewählt. Sein Herausforderer Hendrik van Woudenberg, Geschäftsführer der Ziegelhütte in Ochsenwang, kam auf 43,9 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,45 Prozent und war damit knapp zwei Prozent niedriger als im ersten Wahlgang.

Gleich, nachdem das Ergebnis im gut besuchten Foyer des Weilheimer Rathauses bekannt gegeben worden war, richtete Johannes Züfle das Wort an die Bürger: „Mich erfüllt große Dankbarkeit, dass Sie mich wieder zu Ihrem Bürgermeister gemacht haben“, sagte er sichtlich bewegt. „Ich freue mich jetzt auf weitere acht Jahre in dieser tollen, liebenswerten Stadt und sprühe vor Energie.“ Mit großer Kraft wolle er sich für Weilheim einsetzen und allen die Hand reichen - auch den zahlreichen Bürgern, die ihn nicht gewählt haben. Vor allem an seine Kritiker gewandt, bat er um ein offenes Verhältnis in der Zukunft: „Wenn Sie etwas auf dem Herzen haben, sprechen Sie mich an.“

„Weilheim gewinnt trotzdem“, kommentierte Hendrik van Woudenberg seine relativ knappe Niederlage. Er sei überzeugt davon, dass die Bürger von seiner Kandidatur nachhaltig profitieren. „Allein dadurch, dass vier Bewerber gegen den Amtsinhaber angetreten sind, ist einiges in Bewegung gekommen“, legte er seine Einschätzung dar. „Johannes Züfle hat bereits im Wahlkampf Dinge umgesetzt, die wir gefordert haben, zum Beispiel freies WLAN in der Stadt und mehr Einsatz für die Schulsozialarbeit.“ Überzeugt sei er davon, dass sich die Impulse der Gegenkandidaten auch künftig im Handeln des Bürgermeisters widerspiegeln werden - zum Beispiel in einem wichtigen Punkt: „Bessere Bürgerbeteiligung“, so Hendrik van Woudenberg.

Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte Johannes Züfle die erforderliche absolute Mehrheit knapp verpasst. Insgesamt fünf Kandidaten waren am 29. Januar angetreten: Neben Johannes Züfle und Hendrik van Woudenberg standen Michael Holz, Jörg Bauer und Sibylle Karle auf dem Stimmzettel. Zwar lag der amtierende Bürgermeister mit 49,8 Prozent deutlich vorn. Zum direkten Sieg fehlten ihm aber 13 Stimmen. An zweiter Stelle hinter ihm landete Hendrik van Woudenberg mit 30,8 Prozent. Die drei anderen Kandidaten zogen zurück und machten damit den Weg frei für eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen.

In den vergangenen eineinhalb Jahren war Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle verstärkt in die Kritik geraten. Sein Vorschlag, eine neue Kombihalle in der Stadt zu bauen und dafür die Limburghalle abzureißen, wurde zwar vom Gros des Gemeinderats mitgetragen. Viele Bürger wehrten sich aber dagegen. Bei einem Bürgerentscheid im vergangenen Juli hatten zwei Drittel der Wähler gegen das Kombihallen-Projekt des Bürgermeisters gestimmt.

Hendrik van Woudenberg verfolgt die Auszählung zusammen mit ­seiner Familie im Rathausfoyer.
Hendrik van Woudenberg verfolgt die Auszählung zusammen mit ­seiner Familie im Rathausfoyer.

Zweite Chance

Ein souveräner Sieg sieht anders aus. Nur etwas mehr als die Hälfte der Weilheimer Wähler hat Johannes Züfle gestern im zweiten Wahlgang ihre Stimme gegeben. Sein Herausforderer Hendrik van Woudenberg konnte mit 44 Prozent ein beachtliches Ergebnis erzielen - vor allem angesichts dessen, dass er gegen den Amtsinhaber angetreten ist. Aber so knapp es war: Johannes Züfle ist wiedergewählt. Nun hat er es verdient, eine echte zweite Chance zu bekommen - auch von all denjenigen, die lieber einen anderen auf dem Chefsessel des Rathauses gesehen hätten.

Gewiss. Züfle hat in seiner ersten Amtszeit Fehler gemacht. Immer wieder fühlten sich Bürger, aber auch Unternehmen und Vereine von ihm übergangen. In den vergangenen Monaten jedoch hat der Rathauschef gezeigt, dass er lernfähig ist. Nach dem Bürgerentscheid suchte er das Gespräch mit seinen schärfsten Kritikern und ging mit einer Agenda in den Wahlkampf, die bei den wichtigen Themen Freibad, Limburghalle und Schulturnhalle viele ihrer Wünsche aufgreift. Auch zeigte er sich bürgernäher denn je.

Auf seinem knappen Wahlsieg ausruhen darf sich der Bürgermeister jetzt aber nicht. Johannes Züfle ist gut beraten, bei seinem neuen Kurs zu bleiben. Denn dass er ein guter Verwaltungsmann ist, die Finanzen im Griff hat und strukturiert arbeitet, hat er bereits in seiner ersten Amtszeit bewiesen. Nun muss er zeigen, dass er auch Bürger-Meister im Wortsinn sein kann. Dazu gehört es, die Menschen nicht nur zu informieren und anzuhören, sondern auch auf sie zuzugehen und ihre Anliegen wirklich ernst zu nehmen.

Gleichzeitig sind aber auch die Bürger gefragt. Die - immer noch große - Minderheit, die gegen Johannes Züfle votiert hat, sollte ihrem Bürgermeister eine echte zweite Chance geben. Zum einen, weil er sie verdient hat. Zum anderen, weil es die Grundsätze der Demokratie gebieten, den Willen der Mehrheit zu respektieren, möge sie auch noch so knapp sein. Johannes Züfle selbst hat nach dem Bürgerentscheid bereits demonstriert, dass er die Spielregeln der Demokratie beherrscht. Nun ist es an den Weilheimern zu zeigen, dass auch sie dazu in der Lage sind.

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