Kirchheim

Katharina Luthers Leben mit Gott und Martin

Reformation Heike Bauer-Banzhaf hat Schauspiel studiert, aber 20 Jahre lang kein Theater mehr gespielt. Nun wurde die Bambergerin rückfällig, zum Glück. Von Peter Dietrich

Heike Bauer-Banzhaf schlüpft in Lindorf in die Haut von Martin Luthers Frau Katharina, von ihm auch liebevoll „Herr Käthe“ genan
Heike Bauer-Banzhaf schlüpft in Lindorf in die Haut von Martin Luthers Frau Katharina, von ihm auch liebevoll „Herr Käthe“ genannt. Foto: Peter Dietrich

Was die junge Katharina von Bora, Martin Luthers Ehefrau, wohl zu sagen hätte, wurde durch die ungehaltenen Reden der Schriftstellerin Christine Brückner bekannt. Aber über die älter gewordene Lutherin, fand Heike Bauer-Banzhaf heraus, gab es nichts. Also hat sie gründlich recherchiert und ihre Erkenntnisse über eine starke Frau in ein einstündiges Solo gegossen. Mit ihrem Mann schrieb sie ein ebenso starkes und humorvolles Stück, bei dem jedes einzelne Wort saß. Die Nachfrage war groß: Ihr Terminkalender war schneller voll als der Text fertig.

In die volle Lindorfer Matthäuskirche hatten auch einige Männer gefunden. Das Stück verriet nicht nur viel über Katharina, sondern auch über Luther und die turbulenten Zeiten, in denen das Paar lebte. Unter dem Motto „Mein Leben mit Gott und Martin“ blickt Katharina zurück, auf ihre Flucht aus dem Kloster, das Großziehen der Kinder - immerhin vier von sechs erreichten das Erwachsenenalter - und die Widersprüche ihres geliebten Ehemannes. Er sei, sagt sie, „großzügig, laut, schlagfertig und witzig“ gewesen. Sie blickt zurück, wie sie selbst sagt, „auf 21 gute Jahre“.

Bis zu 50 Mäuler hatte die hervorragende Wirtschafterin im Hause Luther zu stopfen, die wenigsten haben gut bezahlt. „Von Gottvertrauen allein blieb Luther auch nicht rund und gesund“, sagt Katharina. Luther wollte stille Frauen und geriet ausgerechnet an Katharina: Sie wusste, was sie wollte - und wen, nämlich Luther. Nicht das andere männliche Exemplar, das Luther ihr zugedacht hatte: „Der war alt, geizig und stank aus dem Maul.“

„Du warst ein großer Anhänger der Ehe, in der Theorie“, sagt Katharina über Luther und sorgte dafür, dass dieser sich endlich der Praxis stellte. Sie diskutierte gerne mit ihrem Mann, so mancher ihrer Gedanken fand Eingang in Luthers Predigten - auch wenn dieser das öffentlich kaum zugab und ihm zeitgemäße frauenfeindliche Sprüche nicht fremd waren. „Ich musste dich an mich gewöhnen“, sagt Katharina zu Luther, „manchmal warst du einfach ein Ochse“. Unerträglich sei der Gestank in Luthers Junggesellenstube gewesen. „Mein Besen war mein Schwert“, sagt Katharina. Mit ihm kämpfte sie gegen Mäuse, Läuse, Ratten, Wanzen und anderes lästiges Kleingetier. Sie erlebte einen Ehemann, der zugleich poetisch zart und verletzend sein konnte, der zugleich strenger Patriarch und liebevoller Vater war. Der es schaffte, die unbarmherzigen Schläge, die er selbst als Kind bekam, nicht an die eigenen Kinder weiterzugeben, die sein Ein und Alles waren.

„Gott hat mich an seine Seite gestellt“, ist Katharina Luther überzeugt. Wie hätte der Reformator ohne die „liebe Herr Käthe“, wie er Katharina auch nannte, nur überleben sollen? Katharina, die eine Kräuterexpertin war und sich selbst ausgerechnet mit der Brennnessel verglich: unverwüstlich, aber beißend.

Was haben sich die Schandmäuler und Altgläubigen über sie und ihr Haus das Maul zerrissen. Wenn der Zuhälter Luther mit der wortbrüchigen „Nonne und Hure“ ein Kind zeuge, dann könne ja nur der Teufel herauskommen, meinten sie. Luther hatte seinen eigenen Umgang mit Lästerbriefen, wie Katharina erzählte: „Er beschmierte sie mit Scheiße und schickte sie zurück an die Absender.“ Doch nicht nur Feinde verleumdeten Luther, auch Freunde. Obwohl Luther ein wackerer Mann sei, beklagte Melanchthon, hätten die Frauen in ihm die Feuer der Wolllust entfacht. Gottes Schöpfung sei gut, entgegnet Katharina, dazu gehöre auch das Miteinander der Geschlechter.

Katharina war nicht nur theologisch klug, sondern auch pragmatisch. Als ein Reformationsgegner zur Hochzeit einen Boten mit 20 Gulden schickte, sandte der stolze Luther ihn wieder weg. Katharina eilte hinterher und nahm dem Boten das dringend benötigte Geld ab. Als Witwe hatte sie ihre Stellung in der Gesellschaft verloren. Sie war auf der Flucht vor Pest und Krieg und auf der Suche nach ein bisschen Frieden. Doch ihr Gottvertrauen blieb. „Dein Lebenswerk hat viele Menschen beeinflusst“, sagt sie über Luther, „auch mich“.

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