Kirchheim

Kommentar: Kein Ruhmesblatt

Kommentar: Bernd Köble

Ja, es stimmt. Erfolge bei der Abfallentsorgung und -verwertung hat sich der Landkreis in den vergangenen Jahren gerne und auch zu Recht als Ruhmesblatt an die Brust geheftet. Die Müllgebühren sind seit vielen Jahren mit die niedrigsten im Land und weitgehend stabil. Mit dem Kirchheimer Kompostwerk ist es dem Kreis gelungen, Entsorgungssicherheit, erfolgreiche Vermarktung und ökologischen Anspruch in Einklang zu bringen. Die Partnerschaft mit Böblingen bei der Vergärung organischer Abfälle ist eine weitere Säule, die zeigen soll: Wir sind auf der Höhe der Zeit.

Umso mehr muss es deshalb verwundern, dass dem Landkreis und seinem Abfallwirtschaftsbetrieb beim Thema Biomüllabfuhr im von Corona aufgeheizten Sommer offenbar Weitblick und Gespür abhanden gekommen sind. Die Frage, ob der Biomüll nun wöchentlich oder nur alle vierzehn Tage abgeholt wird, mag angesichts der Dimension der Krise als kleinlich erscheinen, zumal es nur um die Dauer von vier Monaten geht. Dass das Thema zum Aufreger taugt, dass zigtausende Haushalte im Kreis laut aufschreien würden, wenn die braune Tonne in der Sommerhitze zum Gärbottich wird, hätte man im Landratsamt dennoch ahnen können. Zumal dann, wenn feststeht, dass andernorts funktioniert, was für die Gemeinden zwischen Alb und Neckar schwierig sein soll. Das Pochen auf Verträge, das Einfordern von Lösungen, wo sich Probleme auftun, gehört im millionenschweren Geschäft mit den Müllbergen für jeden Auftraggeber dazu.

Dass der Landkreis nun zurückrudert und mit dem Entsorger härter verhandeln will, um in letzter Minute doch noch einen Weg durch den Sommer zu finden, wirft kein gutes Licht auf alle Beteiligten. Nicht auf die Kreisverwaltung, die sich vom Vertragsdienstleister zu lange gutgläubig abspeisen ließ und erst reagierte, als der öffentliche Druck stärker wurde, nicht auf das Entsorgungsunternehmen selbst, das schon im vergangenen Jahr Probleme offenbarte und nun, sollte plötzlich möglich sein, was vor zwei Wochen noch undenkbar war, erneut Fehler einräumen muss. Letztlich gilt das auch für die politischen Vertreter im Kreistag, die Kontrolle üben sollen und kollektiv abnickten, was von der Verwaltung in öffentlicher Sitzung als alternativlos verkauft wurde und nun plötzlich neu aufgerollt wird.

Was die Alternativen sind, wird sich spätestens Ende kommenden Jahres zeigen. Dann enden die Basisverträge für die Abfuhr von Haus- und Biomüll und dann muss der Kreis entscheiden, ob neu ausgeschrieben oder - wie bisher meist üblich - verlängert wird.

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