Kirchheim

Keine Angst vorm Kinderarzt

Interview Ärzte versuchen, ihre kleine Patienten bestmöglich mit Impfungen und Untersuchungen zu versorgen.

Um etwaige Impflücken zu vermeiden, haben Kinderärzte die Eltern ihrer kleinen Kundschaft aktiv informiert.Foto: Markus Brändli
Um etwaige Impflücken zu vermeiden, haben Kinderärzte die Eltern ihrer kleinen Kundschaft aktiv informiert. Foto: Markus Brändli

Kirchheim. In den Kinderarztpraxen war es in den letzten Wochen deutlich ruhiger als sonst. Hinter den Kulissen sei aber viel dafür getan worden, dass Impfungen und Vorsorgen nicht verschleppt werden, sagt Dr. Katja Frankenbusch von der Kinderarztpraxis im MVZ Kirchheim.

Viele Menschen haben in den vergangenen Wochen Arztpraxen gemieden, aus Furcht, sich anzustecken. Wie ruhig war es in Ihrer Kinderarztpraxis in diesem Frühjahr?

Dr. Katja Frankenbusch: In den ers­ten Wochen des Corona-Shutdowns war es schon ruhiger als gewohnt: Etwa 20 Prozent der Eltern haben aus Angst vor einer möglichen Ansteckung die regulären Vorsorgen und Impfungen abgesagt. Im Verlauf kamen dann auch immer weniger Kinder in die Akut-Sprechstunde mit den altbekannten Infekten wie Scharlach, Streptokokken oder Hand-Mund-Fuß. Um die Patientenkontakte in der Praxis zusätzlich zu reduzieren, haben wir unseren Terminplan deutlich entzerrt und alle großen Vorsorgen jenseits des dritten Geburtstags auf nach Ostern verschoben. Andererseits ergaben sich sehr kurzfristig zusätzliche Termine durch die Baby-Vorsorge U 2. Das passiert normalerweise noch im Krankenhaus kurz nach der Geburt, aber da die Geburtskliniken die Neugeborenen und ihre Mütter so früh entließen, haben wir diese Untersuchung übernommen.

Wenn U-Untersuchungen abgesagt werden, besteht nicht die Gefahr, dass Termine verschleppt und Entwicklungsverzögerungen nicht erkannt werden?

Frankenbusch: Aus meiner Sicht gab es in unserer Praxis keine Verschleppung: Die kleinen Vorsorgen und alle Impfungen wurden im Plan belassen und überwiegend - seitens der Eltern - auch wahrgenommen. Alle anderen Familien haben die Helferinnen mit einem neuen Termin oder der Bitte um Rückmeldung nach Corona versorgt. Dieses Vorgehen wird übrigens ebenso in den anderen Praxen für Kinder- und Jugendmedizin umgesetzt. Deshalb mein Appell an die Eltern: Falls Sie in den Corona-Wochen einen Termin bei Ihrem Kinderarzt nicht wahrgenommen haben, melden Sie sich unbedingt in den Praxen! Es gibt Möglichkeiten, die verpassten Termine nachzuholen.

Wie stellen Sie sicher, dass Impfungen nicht verpasst werden?

Nach dem Verlegen der Termine in der Initialphase prüfen unsere Helferinnen aktuell, wer uns beim Impfen durchgegangen ist und kontaktieren aktiv die Familien, die nicht zum Impfen erschienen sind. Denn aus pädiatrischer Sicht sind etwaige Impflücken bei Keuchhusten, Masern, Mumps oder Röteln durch Versäumnisse während der Corona-Pandemie unbedingt zu vermeiden.

Die Zahl der Neuinfektionen mit Covid-19 ist aktuell gering. Kommen jetzt wieder mehr Eltern mit ihren Kindern in die Praxis?

Tatsächlich kommen in den letzten zwei Wochen wieder mehr Kinder zu uns. Das hat aber wahrscheinlich weniger mit den Corona-Zahlen zu tun, sondern viel mehr mit der Öffnung des öffentlichen Raumes und Lockerungen der sozialen Kontaktmöglichkeiten: Kinder spielen wieder draußen, haben Platzwunden, Insektenstiche und - ja - auch wieder banale Infekte. Endlich! Antje Dörr

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