Kirchheim

Keine Explosion in Hollywoodmanier

Hauptübung Die Freiwillige Feuerwehr Lenningen zeigt in Gutenberg, dass ein Brand in Tankstellennähe nicht gleich ein Grund zur Sorge ist.

An der Übung sind mehrere Abteilungen beteiligt.Foto: Haußmann
An der Übung sind mehrere Abteilungen beteiligt.Foto: Haußmann

Lenningen. Rauch dringt aus Fenstern und Türen. Von weitem ist das Tatütata der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen zu hören. Schaulustige kommen aus ihren Häusern geeilt. Gebannt starren sie auf das Gebäude Nummer fünf in der Ulmer Straße. Sekunden später kommt das erste Einsatzfahrzeug der Abteilung Gutenberg in der Tankstelle neben dem brennenden Haus zum Stehen.

Auch wenn es sich nur um eine Hauptübung handelt, muss alles schnell gehen. In Windeseile wird der Einsatzort abgesichert. Rund 10 000 Fahrzeuge rollen Bürgermeister Michael Schlecht zufolge an einem sonnigen Wochenende durch den beschaulichen Ort. Rasch wird die Einsatzstelle deshalb mit Leitkegeln, Warnleuchten und Faltsignalen gesichert.

Zwei Feuerwehrmänner halten die ersten Autos und Motorräder an. „Im Ernstfall wird ohnehin eine Umleitung eingerichtet“, weiß Volker Hofmann vom Lenninger Polizeiposten. Unterdessen schließen ihre Kameraden ein Standrohr an den nahegelegenen Hydranten an.

Robin Semsch und Johannes Ballhaus werfen sich ihre Pressluftatmer über die Schultern. Mit großen Schritten eilen sie ins Gebäude. Der Rauch ist so dicht, dass die Kameraden in die Hocke gehen und sich mit abgespreiztem Beindurch das brennende Haus arbeiten müssen. Zwischenzeitlich haben die Feuerwehrleute der Abteilung Schopfloch draußen eine Riegelstellung zur Tankstelle aufgebaut. Das niederprasselnde Löschwasser reduziert laut Gerhard Bächtle die Wärme und verhindert Funkenflug. „So wird sichergestellt, dass das Feuer nicht auf die angrenzenden Häuser übergreift“, betont der Gutenberger Abteilungskommandant. Aus diesem Grund haben die Kameraden der Abteilung Lenningen eine weitere Riegelstellung aufgebaut, mit der sie die benachbarte Metzgerei vor den Flammen schützen.

Es dauert nicht lange, bis Semsch und Ballhaus wieder in der Eingangstüre erscheinen. Mit vereinten Kräften legen sie einen verletzten Mann auf eine Trage. Sofort machen sich zwei Atemschutzgeräteträger der Abteilung Schopfloch auf den Weg in den ersten Stock, wo eine weitere Person auf Hilfe wartet. Über eine Schiebeleiter, die die Einsatzkräfte der Abteilung Lenningen an der Hauswand aufgestellt haben, wird der Eingeschlossene nach draußen gebracht.

Jürgen Rupp betont, dass bei einem Brand in unmittelbarer Nähe der Tankstelle für die Anwohner kein Grund zur Panik besteht. „Die Kraftstofftanks liegen alle unter der Oberfläche und die Pumpen lassen sich im Notfall sofort abstellen“, erklärt der stellvertretende Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen. „Vor einer Explosion in Hollywood-Manier muss deshalb niemand Angst haben“, bilanziert Gerhard Bächtle. Trete aus irgendeinem Grund Kraftstoff aus, komme sofort Schaum zum Einsatz, der die Gase abdeckt.

Im Verlauf der Übung wurden in Franz Weis alte Erinnerungen wach. In den Siebzigerjahren war ein Laster, der die Schopflocher Steiger befahren hatte, aus der Kurve geflogen und in die Tankstelle gekracht. „Bei dem Aufprall wurde lediglich die Zapfsäule umgeknickt. Es trat nicht einmal Kraftstoff aus“, erzählt der Ehrenkommandant. Seither ist es dort nie wieder zu einem Zwischenfall gekommen.

Für Jürgen Rupp jedenfalls steht fest, dass seine Kameraden bewiesen haben, dass sie optimal vorbereitet sind. Die Menschenrettung, die im Ernstfall oberste Priorität hat, lief aus seiner Sicht zügig ab. „Den Feuerwehrleuten unterlief kein einziger Fehler“, resümiert er. Daniela Haußmann

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