Kirchheim

Keine geht mehr, keine geht mehr rein

Müll Ein Personalengpass bei der Reichenbacher Betreiberfirma hat dazu geführt, dass in Kirchheim und Umgebung Glascontainer übergequollen sind. Von Antje Dörr

So sah es in den vergangenen drei Wochen bei Rewe in Dettingen aus.Foto: Antje Dörr
So sah es in den vergangenen drei Wochen bei Rewe in Dettingen aus.Foto: Antje Dörr

Hunderte von Sekt- und Weinflaschen stehen um die Glascontainer des Rewe-Markts in Dettingen herum, schön ordentlich aufgereiht auf dem Asphalt. Dazu Dinge, die dort nicht mal ansatzweise etwas verloren haben. Tüten mit Altkleidern zum Beispiel. Oder eine große Glaskugel, die nicht einmal dann durch die Öffnung des Containers passen würde, wenn er leer wäre. Was aber nicht der Fall ist. Seit drei Wochen schon sind die Container voll bis oben hin. „Das gibt es sonst nur an Silvester“, sagt Marktleiter Siegfried Dirr, der sichtlich genervt ist. „Ich begreife das nicht. Es müssten doch auch Leute verreist sein.“

Überlaufende ­Glascontainer waren in den vergangenen drei Wochen nicht nur in Dettingen bei Rewe und am Hallenbad zu beob­achten, sondern auch in Kirchheim. Dort haben Bürger über den Schadensmelder berichtet, dass manche Container nicht mehr aufnahmefähig sind. Zuständig für die Entsorgung von Altglas ist das Duale System, im Landkreis Esslingen ist die Firma Remondis mit der Sammlung betraut. Auf Anfrage teilt das Unternehmen mit, dass momentan just der Fahrer ausgefallen sei, der sonst die Tour rund um Kirchheim fahre. „Jetzt haben wir Kapazitäten organisiert, um der Sache Herr zu werden. Bis Montag ist das Problem gelöst“, verspricht Fredrik Prinner von der Remondis-Regionalleitung Süd. Während der Corona-Zeit sei die Glasmenge insgesamt um 20 Prozent gestiegen. „Vermutlich isst der Daimler-Mitarbeiter, der in Kurzarbeit ist, seine saure Gurke jetzt eben zu Hause, sodass mehr Gläser anfallen“, liefert Prinner eine Erklärung.

Mehr Müll als sonst

Während die übervollen Glascontainer stellenweise schon wieder aufnahmefähig sind, ist illegal abgelegter Müll rund um die Behälter herum ein Dauerproblem. In Dettingen sind die Container am Hallenbad ein solcher Brennpunkt, möglicherweise aufgrund der fehlenden sozialen Kontrolle, sagt Amelie Betz, Hauptamtsleiterin in Dettingen. In den letzten Monaten sei dort mehr Müll abgeladen worden als sonst. „Wir melden das dem Abfallwirtschaftsbetrieb, und in der Regel wird der Müll dann auch schnell entsorgt“, sagt Betz. Wenn das mal nicht funktioniere, kümmere sich der gemeindeeigene Bauhof um das Problem. Im Landkreis Esslingen ist die Firma Heilemann mit der Reinigung der Standorte rund um die Glascontainer beauftragt. „Gereinigt wird in der Regel zweimal die Woche, je nach Standort aber auch dreimal oder nur einmal wöchentlich“, sagt Kreis-Sprecherin Andrea Wangner.

In Kirchheim verkommen unter anderem die Flächen rund um die Container am Gaiserplatz immer wieder zur Schmuddelecke, weil Menschen sich den Gang zum Recyclinghof sparen und ihren Müll einfach dazustellen. Darüber ärgert sich besonders ein Bürger, der täglich mit seiner Frau am Gaiserplatz vorbeiläuft: Herbert Keppler. Er ­fotografiert die dortigen Zustände seit Jahren und wirft der Stadt Kirchheim Untätigkeit vor. Obwohl der neue Oberbürgermeis­ter Pascal Bader im Wahlkampf versprochen habe, sich des Problems anzunehmen, habe sich an der Vermüllung des Gaiserplatzes nichts geändert - im Gegenteil. „Früher ist dort immerhin einmal in der Woche saubergemacht worden“, ärgert er sich. Zuständig für die Entsorgung des wilden Mülls rund um die Container ist jedoch auch in Kirchheim nicht die Stadt, sondern die Firma Heilemann im Auftrag des Landkreises. „Sobald die Plätze um die Container vermüllt sind, geben wir das an den Abfallwirtschaftsbetrieb weiter, der das dann der Firma Heilemann meldet“, sagt Stadtsprecher Robert Berndt.

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