Kirchheim

„Keine zweite Martinskirche bauen“

Neubau In der Marktstraße will die Stadt Kirchheim ein neues Verwaltungsgebäude erstellen lassen und dieses vom privaten Investor mieten. Auch der Sitzungssaal des Gemeinderats könnte dort unterkommen. Von Andreas Volz

Das rote Gebäude links bleibt vorerst unangetastet. Aber dahinter soll bis 2024 ein neues Verwaltungsgebäude entstehen. Foto: Ca
Das rote Gebäude links bleibt vorerst unangetastet. Aber dahinter soll bis 2024 ein neues Verwaltungsgebäude entstehen. Foto: Carsten Riedl

Alles wird anders: Das markante rote Gebäude am Stadteingang vom Schwarzen Berg her soll zwar vorläufig erhalten bleiben. Aber das langestreckte Gebäude dahinter, das in Richtung Rollschuhplatz geht und das vor vielen Jahren einmal einen Aldi-Markt beherbergt hat, weicht einem gigantischen Neubau. Das Gebäude erstellt ein privater Träger - von dem es die Stadt Kirchheim mietet.

Gedacht ist an ein Bürogebäude mit rund 85 Arbeitsplätzen für die Stadtverwaltung. Im Gespräch ist außerdem, dass dort der neue Sitzungssaal des Gemeinderats entstehen könnte. Die Idee, diesen Saal im Kornhaus unterzubringen, hat sich mittlerweile nämlich als unwirtschaftlich erwiesen.

Bürgermeister Stefan Wörner sprach im Gemeinderat von einer „Gleichung mit mehreren Unbekannten“ im Zusammenhang mit dem Verwaltungsgebäudekonzept und mit der zentralen Rolle, die der Adresse Marktplatz 1 + 3 in diesem Konzept zukommt. Die Unbekannten in dieser Gleichung haben aber noch ein weiteres Problem: Sie sind höchst umstritten.

Beispiel Kubatur: Auf drei bis vier Geschosse plus Dachgeschoss soll es der Neubau bringen, der 2024 bezugsfertig sein könnte. Die Traufhöhe ist angepasst ans Vogthaus und liegt bei 13 Metern. Das war fast allen Rednern im Gemeinderat zu hoch - ganz wörtlich verstanden. Am pointiertesten brachte Grünen-Stadträtin Lena Weithofer die Problematik auf den Punkt: „Wir wollen hier keine zweite Martinskirche bauen.“

Das nächste Problem ist die Mietlösung. Bürgermeister Wörner erklärt: „Das machen wir nur, wenn es nicht teurer ist, als selbst zu bauen. Das Grundstück gehört uns ja gar nicht. In 30 Jahren haben wir übrigens die Option, aus dem Mietvertrag rauszugehen oder das Gebäude zu übernehmen.“

Tiefgarage unterm Rollschuhplatz

Bleibt die Frage nach der Tiefgarage. Sie soll - wenn sie denn kommt - unter dem Rollschuhplatz liegen. Hans-Peter Birkenmaier (Freie Wähler) plädiert für lediglich ein Geschoss und begründet das mit den Kosten: „Je tiefer man da kommt, desto teurer wird es.“ Marc Eisenmann (SPD) würde gerne die Tiefgarage auf dem Linde-Areal streichen, wenn es stattdessen eine neue Garage in der Innenstadt gibt. Dagegen fordert Linken-Stadtrat Heinrich Brinker - ähnlich wie die Grünen - „ein Zeichen für die Zukunft“. In seiner Zukunftsstadt kommen Autos gar nicht mehr vor. Also bräuchte es statt einer Tiefgarage lediglich oberirdische Plätze, um Fahrräder darauf abzustellen.

Der Rollschuhplatz als solcher war ebenfalls Gegenstand heftiger Debatten: Er soll umgestaltet werden - unter Einbeziehung der Öffentlichkeit. Natalie Pfau-Weller (CDU) warnte allerdings davor, die falsche Erwartung zu wecken, dass die beteiligten Bürger tatsächlich mitentscheiden könnten. Deshalb stellte Oberbürgermeister Pascal Bader klar: „Wir holen eine Meinung ab. Entscheiden werden aber letztlich wir.“ Das Abholen dieser Meinung dürfte indessen recht teuer werden. Immerhin hat der Gemeinderat die Kosten für den externen Bürgerbeteiligungsberater zum Thema „Rollschuhplatz“ auf 32 000 Euro gedeckelt - wenn auch nur mit einer knappen Mehrheit von 18 zu 14 Stimmen.

Deutlicher war das Abstimmungsergebnis bei einer anderen Art der Beteiligung: Den Antrag auf einen Architektenwettbewerb für das neue Verwaltungsgebäude in der unteren Marktstraße lehnte der Gemeinderat mit 10:23 ab. Entscheidende Argumente waren, „dass es ohne Wettbewerb schneller geht“ (Renata Alt, FDP) und „dass der Architekt des Inves­tors schon sehr viele richtige Schritte getan hat“ (Tobias Öhrlich, CIK).

Einstimmig dagegen hat sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen, einen begleitenden Bauausschuss mit den vielen Unbekannten der Gleichung rechnen zu lassen. Die Verwaltung wiederum soll Details zur Tiefgarage und zur Bürgerbeteiligung aufarbeiten.

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