Kirchheim

Kerngesund - zum fünften Mal in Folge

Bilanz Die drei Medius-Kliniken im Kreis verzeichnen auch 2017 ein Umsatzplus und einen neuen Patientenrekord. Pflegekräfte zu finden, wird immer schwieriger. Von Bernd Köble

Das Vertrauen in Mensch und Technik in den drei Krankenhäusern in Kirchheim, Nürtingen und Ruit ist groß. Die Medius-Kliniken verzeichneten
2017 erneut einen deutlichen Zuwachs an Patienten. Auch die Wirtschaftszahlen können sich sehen lassen. Foto: pr

Ob er gesund ist, darüber lässt sich streiten. Nennenswerten Anteil am Unternehmenserfolg dürfte er auch kaum haben. Gut fürs Betriebsklima ist der Nusszopf, den Chefarzt Dr. Klaus Kraft gelegentlich mit seinen Mitarbeitern teilt, allemal. Miteinander wird großgeschrieben an den drei Standorten der Medius-Kliniken in Kirchheim, Nürtingen und Ruit - in jeder Hinsicht. Sichtbar wird dies im fünften Rekordjahr in Folge, das die Klinikverwaltung gestern in Kirchheim mit den neuesten Zahlen unterfütterte. Jedes der drei Häuser ist spezialisiert, miteinander sichern sie „eine wohnortnahe medizinische Versorgung auf hohem Niveau“, wie Heinz Eininger es ausdrückt.

Eininger ist in seiner Funktion als Landrat auch gleichzeitig Aufsichtsratschef und hat den Umbau der hoch verschuldeten Krankenhäuser vor sechs Jahren mitgestaltet. Abteilungen wurden zusammengelegt, andere geschlossen, neue kamen hinzu. Seitdem ist der Umsatz um 32 Prozent nach oben geschnellt. Nächtelang, bekennt Eininger offen, habe ihm das Thema damals den Schlaf geraubt. Seit 2013 - dem Jahr der Trendwende - sieht er sich bestätigt, wiederholt Jahr für Jahr mantraartig, dass es eben doch geht: „Auch Kliniken in kommunaler Trägerschaft können wirtschaftlich arbeiten.“

Das galt auch 2017: 5,4 Prozent mehr Umsatzerlöse, knapp tausend stationäre Patienten mehr als im Vorjahr, und auch die Zahl der Mitarbeiter stieg entsprechend: Mit 2 120 Beschäftigten aus mehr als 40 Nationen ist der Klinikverbund einer der größten Arbeitgeber im Kreis Esslingen. Zur guten Bilanz beigetragen hat auch die neue Psychiatrie, die erst im Januar vergangenen Jahres von Nürtingen nach Kirchheim verlagert wurde und seitdem ein Patienten-Plus von acht Prozent verzeichnet. Alles in allem: „Ein Wahnsinns-Ergebnis“, findet Geschäftsführer Thomas Kräh, für den der demografische Wandel allein nicht als Erklärung taugt. Zum ersten Mal haben die Kliniken im vergangenen Jahr die Zahl von 45 000 stationär behandelten Patienten überschritten. „Dass uns Jahr für Jahr mehr Menschen das Vertrauen schenken, hat mit Qualität zu tun“, sagt Kräh.

Fünf Millionen für Medizintechnik

Qualität, in die Überschüsse zu hundert Prozent investiert werden können, weil die kommunalen Krankenhäuser nicht dem Druck von Aktionären und Rendite-Jägern ausgesetzt sind. Auch 2018 werden fast fünf Millionen Euro in neue Medizintechnik investiert. Die Hälfte davon in einen neuen Linear-Beschleuniger für die Strahlentherapie in Ruit, einen tragenden Pfeiler des neuen Tumorzentrums, mit dem die drei Häuser im Verbund mit zwölf Kliniken Fachwissen bündeln. Der neue Apparat, der seinen 14 Jahre alten Vorgänger ersetzt, soll vor allem bei Lungen-Tumoren eine punktgenauere und schonendere Behandlung ermöglichen, wie der Ruiter Chefarzt Dr. Matthias Geiger betont. Die andere Hälfte des Geldes fließt in die Anschaffung eines zweiten Herzkatheter-Messplatzes in Kirchheim.

Um ganz andere Summen geht es bei der geplanten Erweiterung und Sanierung des Klinikums in Ruit in den nächsten Jahren. Rund 112 Millionen Euro betragen die geschätzten Kosten, von denen ein Großteil das Land übernehmen wird. Der Antrag liegt seit dem Sommer beim zuständigen Ministerium. „Wir hoffen, dass er im Frühjahr ins Landesbauprogramm aufgenommen wird“, bekundet Landrat Heinz Eininger.

Vieles läuft prächtig, doch längst nicht alles: Der Fachkräftemangel in der Pflege wird immer mehr zum Problem. Zwar wurden zuletzt 47 neue Vollzeitplätze geschaffen, 79 weitere sind für dieses Jahr geplant, doch geeignetes Personal zu finden, wird immer schwieriger, wie die stellvertretende Geschäftsführerin Elvira Benz bestätigt. „Bessere Gehälter zu bezahlen, reicht nicht mehr“, sagt sie. „Dabei sind die Mitarbeiter unser größtes Kapital.“ Mit Angeboten für Kinderbetreuung, flexiblen Arbeitszeitmodellen und kostenlosen Gesundheitskursen habe man ein Bündel an Maßnahmen geschnürt. Der Markt gibt nicht mehr her. Über Personal-Agenturen wirbt man jetzt im Ausland, vor allem in Serbien.

„Bei diesem Thema kein Platz für Häme“

Die Göppinger Klinik am Eichert und ihre anhaltenden Probleme mit multiresistenten Keimen beunruhigen auch Verwaltung und Klinikpersonal im Kreis Esslingen. „Das ist deshalb besorgniserregend, weil Patienten dadurch völlig verunsichert werden“, meint Dr. Klaus Kraft, Chef-Chirurg der Medius-Kliniken. Bei dem Thema gebe es sehr viel Aufklärungsbedarf. Für Patienten mit intaktem Immunsystem bestehe in der Regel keinerlei Gefahr. „Beunruhigend wird es dann, wenn Intensivstationen betroffen sind“, sagt Kraft.

In den Kreiskliniken hat die Lage in Göppingen über die ohnehin äußerst strengen Hygiene-Standards hinaus keine Auswirkungen. „Natürlich haben wir nicht alles selbst in der Hand“, räumt Kraft ein, weil solche Keime von außerhalb in Kliniken getragen würden. „Man kann nur jeden bedauern, wo so ein Fall eintritt,“ stellt Landrat Heinz Eininger, Aufsichtsratschef der drei Medius-Kliniken. fest. „Bei diesem Thema“, sagt Eininger, „ist kein Platz für Häme.“bk

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