Kirchheim
Kirchen sagen alle Gottesdienste ab - bis weit nach Ostern

Pandemie Die Corona-Krise wirkt sich auf die Religionsgemeinschaften aus: Ihre Versammlungen sind untersagt.

Kirchheim. Was noch vor einer Woche undenkbar schien, ist jetzt völlig normal: Die evangelische wie auch die katholische Gesamtkirchengemeinde in Kirchheim lassen alle Gottesdienste ausfallen. Immerhin müsste der Staat mittlerweile gegen Religionsgemeinschaften vorgehen, die immer noch Versammlungen abhalten und zur Teilnahme aufrufen.

Es ist das Wesen von Religionsgemeinschaften - gleich welcher Art -, sich regelmäßig zu treffen, um gemeinsame Rituale zu begehen. Letzte Woche noch hieß es aus kirchlichen Kreisen, dass die Menschen in Krisenzeiten aus diesen Versammlungen Kraft schöpfen und dass man genau deshalb das gewohnte, beruhigende Ritual nicht einfach abschaffen könne.

Der Gedanke ist so richtig wie falsch: Natürlich braucht es in einer Zeit, in der fast alle Gewohnheiten wegbrechen, auch so etwas wie einen Hoffnungsanker. Andererseits aber soll das Coronavirus im ganzen Land, in ganz Eu­ropa dadurch ausgebremst werden, dass sich die Menschen nach Möglichkeit gar nicht mehr treffen, nirgends und zu keinem Anlass.

Ausnahmen sind die Arbeit und der Einkauf, solange beides noch geht und solange beides absolut notwendig ist. Deswegen ist es richtig, Gottesdienste abzusagen - damit niemand fürchten muss, sich in der Kirche anzustecken oder gar andere Menschen zu gefährden: Absolut notwendig ist es nicht, sich in einem Kirchenraum zu versammeln, um Gemeinschaft zu erleben. Gottesdienste werden im Radio und im Fernsehen übertragen. Auch im Internet gibt es sonntags Gottesdienste zum Mitverfolgen: ab 9.30 Uhr unter www.drs.de die Eucharistiefeier in der Rottenburger Domkirche und ab 10.30 Uhr unter www.evangelische-kirche-kirchheim-teck.de einen evangelischen Gottesdienst in Kirchheim.

Kirchen als privater Rückzugsort

Außerdem lassen sowohl die evangelische als auch die katholische Kirchengemeinde die Kirchen als privaten Rückzugsort zu den gewohnten Zeiten geöffnet. Sie bitten aber, sich auch dabei an Hygienevorschriften zu halten und sich nicht in Gruppen zu treffen.

Weitreichen­de Terminabsagen treffen beide Konfessionen in gleicher Weise: Bis nach Ostern, bis einschließlich 19. April, hat die katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart alle Gottesdienste abgesagt. Die evangelische Landeskirche geht sogar davon aus, dass bis nach den Pfingstferien, bis 15. Juni, keine Zusammenkünfte in Kirchen mehr stattfinden können.

Das betrifft auch alle Feste wie Ostern, Konfirmationen, Erstkommunionen, Firmungen, Hochzeiten und Taufen. Sie sind allesamt zu verschieben, fast immer bis Herbst. Ausnahme sind derzeit Taufen in der katholischen Kirche. Im allerengsten Familienkreis sind sie noch möglich. Letzteres gilt auch für Beerdigungen: Die lassen sich nicht allzu lange aufschieben. Aber auch sie finden nur im ganz kleinen Kreis und nur unter freiem Himmel statt.

Die Kirchen bieten aber an, telefonisch oder per E-Mail weiterhin seelsorgerisch tätig zu sein. In den Kirchen liegen auch Anregungen für Andachten aus. Mit dem Läuten der Abendglocken rufen die Kirchen ihre Mitglieder zum Hausgebet auf.

Was ebenfalls nicht im gewohnten Rahmen stattfindet, sind die katholischen Kirchenwahlen jetzt am Sonntag: Teilnehmen können die Mitglieder nur per Briefwahl, zu der sie ausdrücklich aufgerufen sind. Die Wahllokale bleiben geschlossen. Andreas Volz