Kirchheim

Kirchheim frischt das Freibad auf

Sanierung Im Herbst werden die Eingangsgebäude und das Bademeisterhäuschen abgerissen. Für 2,2 Millionen Euro entsteht bis Frühjahr 2018 eine völlig neue Infrastruktur im Bad an der Lindach. Von Andreas Volz

Nächstes Jahr wird alles anders: Wer 2018 in diesem Becken schwimmt, hat ganz neue Gebäude vor sich.Foto: Jean-Luc Jacques
Nächstes Jahr wird alles anders: Wer 2018 in diesem Becken schwimmt, hat ganz neue Gebäude vor sich.Foto: Jean-Luc Jacques

Alles neu bis nächsten Mai: Nach dieser Devise soll sich das Kirchheimer Freibad mit Beginn der Badesaison 2018 in völlig neuem Gewand präsentieren. Das einzige, was die Badegäste dann noch aus der gerade anlaufenden Saison wiedererkennen dürften, sind die Becken. Alles andere soll sich dagegen komplett verändern.

Der Kirchheimer Gemeinderat hat die Sanierung, die im Herbst beginnen soll, nun endgültig abgesegnet und dabei auch einen Sperrvermerk im Haushaltsplan aufgehoben: Knapp 2,2 Millionen Euro soll die Umgestaltung des Freibads kosten. Dadurch werden aber längst nicht alle Wünsche erfüllt. Das Planschbecken beispielsweise wird vorerst nicht umgestaltet. Auch ein Wasserspielplatz, ein kleiner Kanal, um Schiffchen und dergleichen schwimmen zu lassen, oder auch eine beheizte Umkleide für Schlechtwetterperioden bleiben vorerst zurückgestellt.

Und selbst das, was sich bis zum nächsten Frühjahr verändern soll, wird in einfacheren Standards ausgeführt, um Kosten zu sparen. In mehreren Runden haben die Planer ihr Konzept erstellt und es immer wieder angepasst - einerseits an die Erfordernisse, die man an ein modernes Freibad stellt, und andererseits an die Sparzwänge. Das Budget war schließlich gedeckelt auf maximal zwei Millionen Euro. Nicht zuletzt deshalb waren ungefähr 280 000 Euro der jetzigen Gesamtkosten mit dem Sperrvermerk versehen.

An zwei Stellen wird sich das Freibad deutlich sichtbar verändern: Die Gebäude am Eingang werden abgerissen. An dieser Stelle entstehen ein neues Kassengebäude sowie weitere Fahrradabstellplätze. Ebenfalls abgerissen wird das alte Bademeisterhäuschen. Dort einsteht ein neuer zentraler Platz. Eingerahmt wird der Platz vom neuen Personal- und Aufsichtsgebäude, von Umkleiden, Duschen, WCs sowie vom Kiosk.

Diskussionen gab es im Ratsrund darüber, ob dieser Platz nicht zu nahe an den Schwimmbecken liegen könnte. Der Raum dahinter sei quasi „toter Raum“, weil die Badegäste eher Liegeplätze mit Sicht zu den Becken suchen. Eine andere Frage war die, ob es nicht zu Engpässen kommen könnte, wenn alle Wegeverbindungen genau über diesen Platz führen.

Letzteres wird die Praxis zeigen müssen, in ungefähr einem Jahr. Sicher ist indessen eines: Verpflegung wird es weiterhin in - oder aber auf - der „Hutteninsel“ geben. Das liegt vor allem daran, dass der Name „mitwandert“. Statt der bisherigen Verpflegungsstation am Eingang, die schon jetzt nur noch vom Kiosk am Bademeisterhäuschen aus betrieben wird, soll der neue zentrale Platz künftig „Hutteninsel“ heißen.

Was dagegen kaum ein Badegast richtig mitkriegen wird, ist die Erneuerung der Heizungsanlage. Hier ist zunächst ein Gaskessel vorgesehen, der zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt oder gar ersetzt werden kann - durch Solarthermie oder ein Blockheizkraftwerk. Was sich ebenfalls noch nachrüsten lässt, ist die Videoüberwachung. Aktuell zumindest ist sie aus Budgetgründen gestrichen.

Warum es eine neue „Hutteninsel“ braucht

Die Insel Ufenau im Zürichsee ist nicht gemeint, obwohl sie das größte Anrecht auf den Namen „Hutteninsel“ hätte: 1523 starb der Dichter Ulrich von Hutten auf der Ufenau und fand dort seine letzte Ruhestätte. Conrad Fer­dinand Meyer hat ihm 350 Jahre später ein li­terarisches Denkmal gesetzt: mit dem Versepos „Huttens letzte Tage“.

Mit Württemberg hat te Ulrich von Hutten insofern zu tun, als er sich an einer Familienfehde gegen Herzog Ulrich von Württemberg beteiligte und auch publizistisch gegen den Herzog agierte. Herzog Ulrich hatte nämlich seinen Stallmeister, Huttens Vetter Hans von Hutten, im Mai 1515 auf einer Jagd erschlagen - eigenhändig und heimtückisch.

Die „Hutteninsel“ im Kirchheimer Freibad hat friedlichere Hintergründe: 1954 hat die Kirchheimer Familie Hutten der Stadt ein Grundstück am Freibad geschenkt, mit über 12 000 Quadratmetern, unter der Bedingung, dass an den Namen „Hutten“ erinnert wird. Deshalb zieht die „Hutteninsel“ nun innerhalb des Freibads um.vol

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