Kirchheim

Kirchheim schließt das Wohnzimmer auf

Sommernachtskino Zum Auftakt herrscht bei vielen Anrufern an einem verregneten Tag noch die Skepsis vor. Am Abend rücken aber gleich zu Einlassbeginn bestens ausgerüstete „Profi“-Zuschauer an. Von Andreas Volz

Vorfreude auf den Auftakt des Kirchheimer Sommernachtskinos - mit der richtigen Einstellung und der richtigen Ausrüstung ist das
Vorfreude auf den Auftakt des Kirchheimer Sommernachtskinos - mit der richtigen Einstellung und der richtigen Ausrüstung ist das gar kein Problem.Foto: Carsten Riedl

Zugegeben: Dem Idealtypus einer Sommernacht hat der Kino-Auftakt gestern nicht entsprochen. Nur eins war zum Einlassbeginn um 19 Uhr so, wie es sich gehört: Es regnete nicht (mehr). Heiß dagegen ging es den ganzen Tag über nur an einer Stelle zu - an Reimund Fischers Telefon. Dutzende von Anrufern meldeten sich bei ihm als Veranstalter. Und alle wollten wissen, ob der Ehrenamts-Kinoabend eventuell wegen schlechten Wetters abgesagt werden würde.

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Das aber ist natürlich keine Option. Fußballspiele finden ja auch bei jedem Wetter statt. Einziges denkbares Absagekriterium wären schlechte Platzverhältnisse. Aber der Martinskirchplatz ist immer bespielbar. Deswegen lautete Reimund Fischers Aussage am Telefon auch stets: „Wir spielen, wir spielen, wir spielen.“

Vor Ort pflichtet ihm sein Mitveranstalter Joachim Borkowski bei: „Ich mache mir da gar keine Sorgen. Ein Problem gäbe es nur, wenn wir absagen würden.“ Und Reimund Fischer schaltet sofort wieder auf den Modus des Zweckoptimisten um: „Wir verkaufen ja Regencapes. Die gibt es sogar in allen möglichen Farben.“

Seine Mitarbeiter verteilen in der Zwischenzeit schon einmal Putzlappen in den Stuhlreihen. Die Lappen werden dankbar genutzt von den Unentwegten, die schon vor 19 Uhr eingetroffen sind, um sich geduldig in die Schlange zu stellen. In ihrer Begeisterung und Euphorie sind sie vom kollektiven Motto beherrscht: „Wetter hin oder her - heute ist endlich wieder Sommernachtskino.“

Man merkt ihnen an, dass sie zu den „Profis“ gehören: Mit geräumigen Plastiktaschen sind sie angerückt und beginnen sich nun einzurichten. Kissen, Decken, Jacken, leere Müllsäcke und Schirme breiten sie auf ihren Sitzplätzen aus und lassen keinen Zweifel daran, dass sie gekommen sind, um auch noch den Abspann von „Willkommen bei den Hartmanns“ auf dem Kirchplatz zu erleben.

Sie alle teilen den Optimismus der Kinobetreiber, das ist immer wieder zu hören: „Es regnet nicht mehr, man muss das alles positiv sehen.“ - „Ich schaue mir die Filme auch im Regen an.“ - „Wir sind da guter Dinge, das wird schon.“

Reimund Fischer richtet seinen Blick schon auf die Tage, in denen die Sommernächte ihrem Namen alle Ehre machen, und schwärmt von der Gastronomie hinter der Kirche: „Da herrscht dieses Jahr eine französisch-dörfliche Atmosphäre.“ Das ist bereits eine Art Vorschau für Sonntag. Dann läuft nämlich der französische Film „Der Wein und der Wind“. Als Spezialität zum Film gibt es provenzalische Garnelen mit Baguette, und passend zum Filmtitel laden die Weingärtner Esslingen an einem eigenen Stand zur kostenlosen Weinverkostung ein.

Bleibt zu hoffen, dass das Wetter dann auch besser mitmacht. Nur so füllen sich nämlich die knapp tausend Stühle auf dem Platz, der baustellenbedingt etwas kleiner ausfällt als sonst. Für Reimund Fischer steht aber trotzdem fest: „Viele Kirchheimer betrachten den Martinskirchplatz in der Kinozeit als ihr Wohnzimmer - wie das früher mal bei Boris Becker in Wimbledon der Fall war.“