Kirchheim

Kirchheim steckt viel Geld in Mietbüros

Ausweichquartier Die Stadtverwaltung schafft provisorisch 50 Arbeitsplätze im ehemaligen Ficker-Fabrikgebäude.

Als Interimslösung bezieht die Stadt Räume im ehemaligen Ficker-Areal. Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. „Alles muss raus“: Was man sonst vom Schlussverkauf kennt, gilt in den kommenden Jahren für die Kirchheimer Stadtverwaltung - wenn auch in abgeschwächter Form. Für ihre sanierungsbedürftigen Verwaltungsgebäude braucht die Stadt Ersatz. Geeignete Räume zu finden, ist aber alles andere als einfach, wie Bürgermeister Stefan Wörner im Ausschuss für Technik und Umwelt erläuterte: „Für die Abteilungen Finanzen sowie Personal und Organisation brauchen wir Büroflächen für rund 50 Mitarbeiter. In Kirchheim gibt es in dieser Größenordnung nichts zu mieten.“

Deshalb ist die Verwaltung froh, überhaupt fündig geworden zu sein - im einstigen Ficker-Gebäude an der Stuttgarter Straße. Im ersten Obergeschoss des historischen Manz-Baus will die Verwaltung eine Fläche von über 1 000 Quadratmetern als vorübergehendes Ausweichquartier anmieten. Immer wieder war von einer „Interimslösung“ die Rede.

Ein „Interim“ für 25 Jahre

Dass die Stadt diese Räume dringend braucht, wollte kein Ausschussmitglied bestreiten. Umstritten waren aber die Kosten sowie die Zeitdauer. „25 Jahre sind doch ein ziemlich langes Interim“, meinte SPD-Stadtrat Walter Aeugle. Und in der Tat gibt es Fälle, in denen sogar Neubauten nach 25 Jahren bereits wieder abgerissen wurden. Bürgermeister Wörner verwies aber darauf, dass lediglich zehn Jahre als fixe Mietzeit vereinbart werden sollen. Danach bestehe die vertragliche Möglichkeit, die Mietzeit drei Mal zu verlängern - um jeweils fünf Jahre.

Dass die Stadt bei einem Mietobjekt Umbaukosten zu tragen hat, kam den Ausschussmitgliedern ebenfalls ungewöhnlich vor. Dass sich diese Kosten auf stattliche 1,7 Millionen Euro summieren, steigerte das Unbehagen - zumal von „teilweise geöffneten Decken“ die Rede war, um dadurch die alte Industriearchitektur besser präsentieren zu können.

Auch in diesem Fall wollte Stefan Wörner die Diskussion durch zusätzliche Informationen versachlichen: „Die Investition mag zunächst hoch erscheinen. Aber dafür bekommen wir hier immerhin 50 Büroarbeitsplätze.“ Außerdem hätte die Stadt die Investitionen so oder so zahlen müssen: „Würde statt uns der Eigentümer investieren, müssten wir eine wesentlich höhere Miete zahlen. Und falls wir früher rausgehen sollten, bekommen wir den Restwert der Investitionen wieder zurück.“

Dadurch waren alle strittigen Punkte geklärt, sodass der Ausschuss die Ausschreibung der Arbeiten ohne Gegenstimmen absegnete. Noch im laufenden Quartal sollen die Bauarbeiten beginnen. Der Umzug ist bereits für 2020 vorgesehen. Andreas Volz

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