Kirchheim

Kirchheim sucht das Superticket

Verkehr Busfahren durch günstigere Preise attraktiver zu machen, ist eine gute Idee – und alles andere als leicht.

Kirchheim. Es ist nicht immer alles so einfach, wie man denkt: Die SPD-Fraktion im Kirchheimer Gemeinderat wollte ein Stadtticket einführen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Busfahren innerhalb Kirchheims ist bislang viel zu teuer und lohnt sich deshalb kaum. Wer ein Auto zur Verfügung hat, wird also schon aus Kostengründen nicht auf den Bus umsteigen. Wer dagegen auf den Bus angewiesen ist, klagt zu Recht über hohe Kosten.

Aber die Probleme beginnen, sobald es um Details geht, beispielsweise um die Kostenfrage. Der VVS (Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart) setzt ja seine Preise nicht willkürlich fest. Sollte das Busfahren in Kirchheim für die Fahrgäste also wirklich günstiger werden, müsste die Stadt Kirchheim einen Ausgleich für die fehlenden Einnahmen zahlen. Im Raum stehen immerhin 300 000 Euro pro Jahr. Da ein solches Projekt längerfristig anzulegen wäre - zunächst einmal für ganze zehn Jahre -, ginge es also gleich um drei Millionen Euro.

Bus billiger - und Parken teurer?

Außerdem hat die Stadt erfahren, dass der VVS nicht nur einen finanziellen Beitrag fordert, sondern auch verlangt, als flankierende Maßnahme die Parkgebühren deutlich zu erhöhen. Gernot Pohl, der Leiter der Abteilung Städtebau und Baurecht, sagte dazu im Gemeinderat: „Wenn die Leute umsteigen sollen, wäre nicht nur der Bus günstiger zu machen, sondern auch das Autofahren teurer.“

Das war dann selbst dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Marc Ei­senmann zu viel: „Wir müssen den Kirchheimer Bedarf ermitteln und dann das passende Modell dafür finden. Es geht darum, die Interessen der Kirchheimer gegenüber dem VVS zu vertreten und nicht die Interessen des VVS den Kirchheimern gegenüber. Wir wollen doch nicht alles teurer machen.“

Für Christoph Lempp (Grüne) dagegen war es durchaus plausibel, die Parkgebühren zu erhöhen: „Die Psychologie macht es erforderlich, wenn man die Autofahrer wirklich zum Umsteigen bewegen will. Und irgendwo muss das Geld ja auch herkommen.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Tilo Rose brachte weitere Gesichtspunkte ins Spiel: „Der VVS will mit hohen Preisen für die Kurzstrecke seine Monatstickets anpreisen.“ Wer neun Mal im Monat vom Schafhof oder von Ötlingen in die Stadt und wieder zurück fahre, für den lohne sich bereits die Monatskarte. Er warnte nun vor dem umgekehrten Effekt: „Wenn wir das Stadtticket einführen, zahlt sich das Monatsticket vielleicht nicht mehr aus.“

Um alle Eventualitäten besser abwägen zu können, hat der Gemeinderat jetzt einstimmig beschlossen, eine Arbeitsgruppe einzurichten.Andreas Volz

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