Kirchheim
Kirchheim will im Talwald einen Mountainbike-Trail bauen

Freizeitsport Um gegen illegale Anlagen vorzugehen, soll es bald ein offizielles Angebot für Biker geben.

Kirchheim. Das Mountainbike erfreut sich großer Beliebtheit – nicht nur, aber auch im Talwald zwischen Kirchheim und Nürtingen. Das Problem: Dort sind im Lauf der Zeit immer wieder illegale Trails entstanden, mit Sprungschanzen und ähnlichen Bauten, die den sportlichen Reiz erhöhen sollen. Gegen diese Bauten muss die Stadt vorgehen. Aber das ist ähnlich schwierig wie der Kampf des Herakles gegen die vielköpfige Hydra, deren Köpfe bekanntlich immer wieder nachwachsen.

„Wenn wir da etwas abbauen, ist es in kurzer Zeit wieder da“, schilderte Kirchheims Erster Bürgermeister Günter Riemer die Problematik im Gemeinderat. Es geht ihm persönlich, zumal in seiner Eigenschaft als Radsportfunktionär, gar nicht darum, hier etwas zu verbieten. Aber als Bürgermeister verweist er auf die Haftungspflicht: „Wenn was passiert haften nicht diejenigen, die da illegal etwas hinbauen, sondern der Eigentümer – das heißt, wir als Stadt.“

Mit Verboten käme die Stadt auch gar nicht weiter, führte Günter Riemer weiter aus: „Es gibt einen unglaublichen Boom des Fahrradfahrens generell. Das liegt einerseits an einem geänderten Freizeitverhalten seit Corona, andererseits aber auch an der technischen Entwicklung.“ Hinzu kämen, was speziell das Mountainbike in der Gegend um Kirchheim betrifft, sportliche Vorbilder wie Manuel Fumic oder Luca Schwarzbauer, denen die mehr oder weniger ambitionierten Freizeitsportler nachzueifern versuchen.

Die Lösung des Dilemmas: Die Stadt Kirchheim will aus der Defensive in die Offensive gehen, nicht mehr reagieren, sondern agieren. Oberbürgermeister Pascal Bader: „Wir wollen nicht nur verbieten, sondern aktiv ein Angebot schaffen. Es geht um die Frage, ob die Mountainbiker kontrolliert oder unkontrolliert in unserem Wald unterwegs sind.“

Günter Riemer nennt Details: „Wir wollen das kanalisieren und steuern. Wenn wir selbst eine Anlage bauen, wird die Haftung auf diese Anlage konzentriert.“ Die Stadt kann in diesem Fall selbst Einfluss auf die Anlagen nehmen und zumindest die bauliche Sicherheit regelmäßig überprüfen – was bei illegalen Bauten eben nicht möglich ist.

Mit der Anlage würden aber auch klare Regeln einhergehen. Dazu gehören verbindliche Betriebszeiten ebenso wie die klare Ansage, dass die Nutzung von Trails an anderer Stelle als an der offiziellen eindeutig untersagt ist. „Das machen wir nicht nur im eigenen Interesse. Es ist auch ein Auftrag, den uns die Naturschutzverbände und die Naturschutzverwaltung erteilt haben.“

Ein Pilotprojekt für den Landkreis

Der neue, offizielle Trail soll ein Gemeinschaftswerk werden: „Wir arbeiten da mit der Stadt Nürtingen und mit der Forstverwaltung des Landkreises zusammen. Die Kosten werden wir uns mit der Stadt Nürtingen teilen“, berichtet Günter Riemer über die Besonderheiten des Projekts.

Der Gemeinderat hat in diesem Fall bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung zugestimmt, Sperrvermerke von insgesamt 165 000 Euro aufzuheben, für die Jahre 2022 und 2023. Und noch eine Besonderheit verbindet Bürgermeis­ter Riemer mit dem Vorhaben im Talwald: „Das könnte ein Pilotprojekt für den gesamten Landkreis werden.“     Andreas Volz