Kirchheim

Kirchheimer Kinder kriegen einen eigenen Kanal

Freibad Die Stadt Kirchheim will den Kinderbereich umgestalten. Das neue Planschbecken besticht unter anderem durch einen Schiffchenkanal. Die Gesamtkosten liegen knapp unter zwei Millionen Euro. Von Andreas Volz

Das alte Kinderplanschbecken im Kirchheimer Freibad hält seinen letzten „Winterschlaf“: In einem Jahr soll es komplett erneuert
Das alte Kinderplanschbecken im Kirchheimer Freibad hält seinen letzten „Winterschlaf“: In einem Jahr soll es komplett erneuert werden. Foto: Carsten Riedl

Man wird sich an die Preise gewöhnen müssen: Mit ein paar Hunderttausend Euro kann die öffentliche Hand nicht mehr allzu viel Staat machen. Es muss schon deutlich mehr sein. So auch beim neuen Kinderplanschbecken im Kirchheimer Freibad, das im Winter 2021/22 entstehen soll. Schon nach den ersten Schätzungen wären dafür 1,3 Millionen Euro angefallen. Nach den aktuellen Berechnungen sind die Kosten auf 1,95 Millionen Euro gestiegen und liegen damit denkbar knapp unter der Zwei-Millionen-Grenze.

Als einen wesentlichen Grund für die Kostensteigerung nannte Stadtwerke-Geschäftsführer Martin Zimmert im Gemeinderat den notwendigen Anbau ans Technikgebäude. Für den neuen Kleinkindbereich braucht es eben auch ein Mehr an Badewassertechnik. Der Anbau an das Gebäude hätte auch den Vorteil, dass dort Arbeitsplätze fürs Personal untergebracht werden könnten.

Unbestritten ist vor allem die Notwendigkeit, das Kinderplanschbecken komplett zu erneuern. Martin Zimmert bringt es auf den Punkt: „Das bestehende Becken ist technisch fast am Ende.“ Es sei an der Zeit für ein „zeitgemäßes Becken - mit Schiffchenkanal, Wasserspielgeräten und Beschattungen“. Trotzdem muss das alte Becken noch eine Badesaison lang „durchhalten“.

Corona-bedingt konnten die Planungen nicht schnell genug vorangebracht werden, sodass nicht jetzt bereits gebaut wird. Der Startschuss ist für September 2021 vorgesehen, wenn der Sommer vorbei ist. Auf den Beginn der Saison 2022 können sich kleine Kinder und ihre Eltern dagegen jetzt schon freuen: Dann lässt sich das neue Becken endlich in Beschlag nehmen.

Es wird aber nicht nur alles neu, manches wird auch ein bisschen anders, wie Martin Zimmert ausführt: „Wir müssen auf zwei alte Linden Rücksicht nehmen und deswegen auch einen Sandspielplatz verlegen.“ Ansonsten aber soll so wenig wie möglich in die bestehenden Strukturen eingegriffen werden. Trotzdem gab es Kritik am neuen Standort des Spielgeräts mit dem bemerkenswerten Namen „Manta im Algenmeer“.

Sabine Lauterwasser von der Grünen-Fraktion sagte zunächst, dass sich die Investition aus ihrer Sicht lohne, weil das Freibad für alle Altersklassen attraktiv sein soll. Dennoch beklagte sie einen entscheidenden Mangel für den Alltag von Familien im Freibad: „Der Spielplatz ist zu weit vom Becken entfernt.“ Wenn also Eltern, die mit mehr als einem Kind zum Baden ins Kirchheimer Freibad gehen, das eine Auge auf den Spielplatz und das andere aufs Becken werfen müssen, könne es problematisch werden. Vor allem, wenn man eingreifen muss, geht es erst einmal darum, die entsprechende Distanz zu überwinden.

Kein Sand im Badebetrieb

Martin Zimmert argumentierte dagegen mit einem ganz anderen Alltag - dem des Bäderbetreibers: „Wir haben uns da an die Erfahrung von anderen Bädern gehalten. Und die besagt, dass kleine Badegäste sehr gerne den Sand vom Spielplatz ins Planschbecken tragen.“ Nun gehört zwar zum Spielen im Sand auf jeden Fall auch Wasser. Aber andersherum wäre es wohl besser: das Wasser zum Sand zu bringen. Sonst kann es Folgen haben wie in Offenburg: „Dort mussten sie nach wenigen Tagen die Anlage wieder stilllegen und erst einmal sechs Schubkarren Sand aus dem Planschbecken entfernen“, erzählt Martin Zimmert. Ein vergleichbarer fall wäre aber weder im Sinne der Stadtwerke noch im Sinne der Badegäste.

Trotzdem sagte er zu, den Standort für den Spielplatz noch einmal zu überprüfen. Vielleicht findet sich ja noch eine andere Stelle, die immer noch weit genug entfernt, dafür aber besser vom Becken aus erreichbar ist.

Ungeklärt ist der Umgang mit Kostensteigerungen. SPD-Stadtrat Stefan Gölz bemerkte: „Dass der Technikraum nicht ausreicht, kann so wenig unvorhersehbar sein wie die Tatsache, dass das Personal mehr Platz braucht.“ Er hätte wenigstens erwartet, dass die Mehrkosten bereits in der Vorberatung des Gemeinderats deutlicher herausgestellt werden.

Letztlich aber hat es sich in der öffentlichen Sitzung doch um so etwas wie eine Vorberatung gehandelt: Der Gemeinderat hat lediglich beschlossen, dass die Stadt rechtzeitig einen Zuschussantrag stellen soll. Das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen im Bereich Sport, Jugend und Kultur“ fördert entsprechende Projekte mit bis zu 45 Prozent. Weitere Details zum neuen Becken samt Technikgebäude und Spielplatzstandort sollen im November besprochen werden.

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