Kirchheim

Kirchheimer Mordfall alarmiert „Frauen helfen Frauen“

Verbrechen Kirchheimer Verein will bedrohte Frauen schützen und verweist auf Hilfsmöglichkeiten.

Im Kirchheimer Fall endete eine toxische Beziehung mit Mord und Selbstmord. Archivfoto: Markus Brändli

Kirchheim. Vor zehn Tagen erschoss in Kirchheim ein Mann seine Frau und dann sich selbst. Angeblich hatte die Frau eine „Vorahnung“. Der Verein „Frauen helfen Frauen“ nimmt die schreckliche Tat zum Anlass, um auf seine Arbeit aufmerksam zu machen. Wissen und Information sollen solche furchtbaren Ereignisse wie dieses vermeiden.

Frauen werden getötet, weil Männer im Glauben sind, dass sie Macht über sie haben: über ihr Freizeitverhalten, ihre Finanzen, ihre Kontakte und anderes mehr. Oft werden nahezu alle Kontakte unterbunden. „Ein wichtiger Faktor ist dieses Besitzdenken: Ich darf bestimmen, was meine Partnerin macht“, erklärt Christina Clemm, Fachanwältin für Familienrecht in Berlin, und fügt hinzu: „Die Täter kommen aus allen Schichten. Es gibt nicht den Täter-Typus, jeder kann Täter werden“. – Auch ein ganz normaler Polizist, wie an jenem Mittwoch.

Häufig beginnt die Gewaltspirale mit einem Schlag, für den sich der Täter entschuldigt. Dann entsteht eine Eigendynamik. Physische und psychische Gewalt kommen immer häufiger vor und bestimmen den Alltag. Irgendwann entschuldigt sich der Täter nicht mehr, sondern ist überzeugt, dass er provoziert wird und die Frau schuld ist. Öffnet sich die Frau, um sich aus der toxischen Beziehung zu befreien, verliert der Mann subjektiv die Kontrolle. „Dann fällt die Entscheidung zu töten. Es sind selten Spontanhandlungen und häufig geplante Taten“, sagt Monika Schröttle, Leiterin der Bereiche Gender und Menschenrechte an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Mord kann das Ende einer langen Gewaltbeziehung sein. Viele Frauen, die in einer gewaltbelasteten Partnerschaft leben, schweigen darüber, versuchen die Wunden und das Leid zu verbergen. Zu groß sind die Angst und auch die Hoffnung, dass es besser wird.

Der Kirchheimer Verein bietet Frauen und Kindern, die von Gewalt betroffen sind, Unterkunft, Schutz und Hilfe. Die Frauen und Kinder haben durch eine Unterbringung im Frauenhaus und durch Beratungen die Möglichkeit, Abstand zum gewalttätigen Partner zu finden und Klarheit über die Zukunft zu erlangen. „Die Aufnahme erfolgt völlig unbürokratisch: Die Frau wendet sich telefonisch an „Frauen helfen Frauen“. Wenn ein freier Platz zur Verfügung steht, wird ein Treffpunkt vereinbart, an dem eine Mitarbeiterin sie und die Kinder abholt“, berichtet Sozialpädagogin Renate Dopatka. Ist die Frau mit ihren Kindern in Sicherheit, kann sie durchatmen. Mit Beratung kann sie die Krisensituation bewältigen und beginnen, sich mit ihren Kindern neu auszurichten. Die Kinder werden ebenfalls betreut und unterstützt.

„Im Schnitt sind die Frauen neun Monate bei uns, bevor sie mit ihren Kindern in ihre eigene Wohnung ziehen“, erklärt Renate Dopatka. „Für Frauen, die in Gewaltbeziehungen leben, aber nicht ins Frauenhaus ziehen möchten, bieten wir ebenfalls Beratung an. Ziel ist eine zeitnahe Unterstützung zum Aufbau von Schutz und Sicherheit für die Frau und ihre Kinder. Auch beraten wir Angehörige und alle, die von Gewaltbeziehungen wissen, aber oftmals genauso überfordert sind wie die Frau selbst.“

Der Verein bietet zwölf Plätze an und kann in fünf Zimmern Frauen und deren Kinder unterbringen. Fünf hauptamtliche Mitarbeiterinnen, ein professionelles überregionales Netzwerk und fünf ehrenamtliche Kräfte engagieren sich, damit die Frauen so schnell wie möglich wieder in ein angstfreies Leben finden. pm

Das Frauenhaus Kirchheim ist zu erreichen über die Telefonnummer 07021/46553.

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