Kirchheim

Klassische Geigenmusik trifft auf Jimi Hendrix

Kultursommer Ein Konzert der besonderen Art begeistert im Marstallgarten: Das Streichquartett „Manon & Co“ zeigt, was mit klassischer Geige und Cello möglich ist. Von Andrea Barner

Augen- und Ohrenschmaus: Eine Musikerin von „Manon & Co“ im Marstallgarten im Rahmen des Kultursommers. Foto: Günter Kahlert
Augen- und Ohrenschmaus: Eine Musikerin von „Manon & Co“ im Marstallgarten im Rahmen des Kultursommers. Foto: Günter Kahlert

Das Ambiente in Kirchheim stimmt: ein lauschiges Plätzchen zwischen Marstall und Schloss, eine warme Sommernacht im September. Auf der kleinen Bühne vier Damen in Rokoko-Kleidern mit aufgetürmten Perücken. ­„Manon & Co“ aus Stuttgart, ein brillantes Projekt von Profimusikerinnen. „So finde ich Klassik toll, in diesem Ambiente“, tönt es von einem der Tische. Und ganz klassisch steigen die Damen ein mit Mozarts „Kleiner Nachtmusik“. Zwei Geigen, eine Bratsche, ein Cello. „Manon & Co“ machen es den Zuschauern leicht. Sie spielen Stücke des 18. und 19. Jahrhunderts, die nahezu jeder kennt: das Menuett „Bella Serenata“ von ­Luigi ­Boccherini, „Salut d’amour“ von Edward ­Elgar, die Harlekin-Polka von Josef Strauß.

Die humorvolle ­Moderation von Bandchefin ­Petra-Manon ­Hirzel vor der kleinen Pause macht neugierig: „Schauen wir mal, wie wir unser Repertoire dann ein wenig lockern!“ Das Quartett überrascht mit Salonmusik, Film- und Musical­titeln. Mit Streichinstrumenten ist viel mehr möglich als die meis­ten Leute denken. ­Comedian ­Harmonists, ­George ­Gershwin, ­Andrew ­Lloyd-Webber, Glen Miller. Schon erstaunlich, wie viel Rhythmus ­Sonja ­Asselhofen aus dem Cello holt, Schlagzeug und Bass gleichermaßen. Zum Schmunzeln bringt Katharina ­Kefer mit spontanen Tanzeinlagen und bewusst übertriebenen Stehgeiger-Posen. Der rauchige Singsang der Bratsche von Astrid Menzer untermalt jedes Stück und gibt ihm Tiefe. Alle vier Musikerinnen beherrschen ihr Instrument höchst virtuos und perfekt.

Das Konzept der mitreißenden Band heißt: „Wir zeigen dem Pub­likum, was man auf Streichins­trumenten noch alles spielen kann außer Beethoven und Mozart.“ Natürlich gibt es für klassische Streichquartette keine Arrangements moderner Stücke. „Die schreibe ich alle selbst“, erklärt Petra-Manon Hirzel. Gelegentlich macht sie auch Tanzmusik in der Band ihres Mannes und spielt dort E-Geige. Alle vier Musikerinnen haben mehrere Standbeine vom philharmonischen Orchester bis zum Klaviertrio und anderen Projekten. „Manon & Co“ spielen in großen Hallen, auf Kleinkunstbühnen und bei Firmen­events, sie sind sehr gefragt. Allerdings: „Seit März ist das hier erst unser dritter Auftritt.“ Die Corona-Pandemie hat schließlich den Veranstaltungssektor weitgehend lahmgelegt.

Im dritten und letzten Teil ihres Kirchheimer Sommerkonzerts geben die Ladys Vollgas. Mit „Czardas“ von Vittorio Monti galoppieren Puszta-Klänge durch den Marstallgarten in einer Geschwindigkeit, dass den Zuschauern Hören und Sehen vergeht. Ein Highlight ganz sicher: „Sir Duke“ von ­Stevie Wonder, eine brillante Version von Abbas „Money, Money“ oder „Yesterday“ von den Beatles. Und kaum zu glauben, aber wahr: Zwei Geigen, eine Bratsche und ein Cello spielen eine gelungene Version von Jimmy Hendrix’ „Purple Haze“. Ganz schön abgefahren - das übertrifft dann endgültig alles, was das Publikum von einem Streichquartett erwartet hätte.

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