Kirchheim

Kleine Hunde werden immer beliebter

Haustier Viele haben sich in Zeiten der Isolation ein neues tierisches Familienmitglied ­zugelegt. Teilweise waren die Tierheime so leer wie nie. Von Lena Bautze

Kleine Hunde liegen vor allem bei jüngeren Menschen voll im Trend. Doch auch sie brauchen viel Zuwendung und Zeit, was oft unter
Kleine Hunde liegen vor allem bei jüngeren Menschen voll im Trend. Doch auch sie brauchen viel Zuwendung und Zeit, was oft unterschätzt wird. Foto: Carsten Riedl

Das Zusammenleben mit einem Tier kann Menschen bei Einsamkeit und längerer Abschottung viel Kraft geben. Beim Streicheln eines Hundes oder einer Katze beruhigt sich der Mensch und der Blutdruck sinkt. Kein Wunder also, dass gerade in Zeiten der Isolation auch der Vierbeiner für viele eine wichtige Stelle einnimmt.

Doch was ist mit denen, die noch keine Fellnase haben, aber schon immer eine wollten? Die Zeit, in der die Menschen oft zu Hause waren, haben einige genutzt, um sich Gedanken über ein Haustier zu machen. Das bemerken auch die Züchter in der Region. „Bei mir sind schon alle Hunde im nächsten Wurf reserviert“, sagt Willi Meier aus Schopfloch. Er züchtet seit über 25 Jahren Labradore und seit zwei Jahren eine Kreuzung aus Labrador und Australien Shepherd, die sich Leopard Labrador Dog nennt. „Viele haben sich, anstatt in den Urlaub zu gehen, einen Hund angeschafft. Das merke ich auch bei meinen Züchterfreunden“, erklärt er.

Auch die Mitarbeiter im Tierheim Esslingen stellten Unterschiede fest. „Viele, die sich bei uns gemeldet haben, wussten schon, was sie wollten. Die ganzen Spontanbesuche fallen weg. Man konnte nicht mal eben vorbeikommen und schauen, was es so für Tiere gibt“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende Manuela Schlattner.“ Ähnlich sieht es auch Sandra Nebe vom Tierschutzverein Kirchheim. „Die Leute haben bewusster gekauft. Sie hatten lange Zeit, darüber nachzudenken, wer in die Familie kommen soll“, sagt die Tierheimleiterin.

Doch es gab auch einige Fälle, bei denen die Wunschherrchen nicht so bedacht umgingen. „Wir hatten welche, die wollten aus Langeweile ein Tier. Viele Eltern hatten vor, sich eine Katze zu holen, damit die Kinder während Homeschooling nicht so allein sind“, sagt Sandra Nebe und fügt hinzu: „Solche Anfragen lehnen wir grundsätzlich ab.“ Das Tierheim in Kirchheim ist auf Katzen spezialisiert, beim Tierheim Esslingen gibt es auch Hunde. „Bei uns gab es auch einige, die meinten, dass sie jetzt gerne einen Hund hätten, da sie ja im Homeoffice sind.“ Doch was ist, wenn der Anteil von Homeoffice wieder reduziert wird? Wer kümmert sich dann um den Vierbeiner?

Solche Fragen stellen Tierheime wie das in Kirchheim und Esslingen immer bei einem Vorgespräch: „Dort finden wir heraus, ob das ausgesuchte Tier in die Wohnverhältnisse und in die Familie passt“, sagt Manuela Schlattner. Ein großer, schwerer Hund sollte beispielsweise nicht in eine kleine Wohnung im dritten Stock. Und wer eine Hauskatze haben möchte, sollte stets zwei holen, damit die beiden eine Beschäftigung haben, während Frauchen gerade nicht daheim ist.

Bei der Wahl des neuen tierischen Mitbewohners bemerkt Angelo Paolo Avi vom Hunde­sportverein Kirchheim eine Entwicklung: „Die Menschen holen sich immer weniger große Hunde. Also weg vom Schutzhund hin zum Eiei-Hundle.“ Damit meint der Hundetrainer kleine Hunde, die dann vor allem eher junge Erwachsene besitzen, wie er aus Erfahrung weiß. Man könnte davon ausgehen, dass es dieses Jahr besonders viele Anmeldungen bei Kursen geben sollte, da sich viele ein neues Haustier angeschafft haben, aber beim Hundesportverein ist das nicht so: „Wir hatten nicht mehr als sonst. Bei uns sind die Kurse jedoch immer schnell voll.“

Nicht voll waren dieses Jahre jedoch die Tierheime. Viele waren teils so leer wie nie. „Die meisten Hunde bei uns kommen aus dem Ausland, doch weil die Vermittler keine nach Deutschland bringen konnten, fehlen uns diese“, sagt Ute Handke, Vorstandsvorsitzende des Tierschutzvereins Esslingen. Auch Martina Graf-Heinzmann von der Tierherberge Donz-dorf freut sich über eine Tatsache besonders: „Durch die Corona-Zeit haben wir Hunde vermittelt, die schon lange bei uns waren.“ Auch im Tierheim in Kirchheim gab es teilweise nur drei Katzen.

Viele Kleintiere abgegeben

Doch mit der Urlaubszeit änderte sich das: „Für viele ist das Reisen wichtiger als ein Haustier. Wir hatten einen Fall, da stand der Termin schon, wo jemand eine Katze abholen wollte, doch kurz vorher wurde uns abgesagt“, sagt Sandra Nebe aus Kirchheim. Gerade während der Urlaubszeit haben die Tierschützer einiges zu tun. Auch dieses Jahr war es nicht anders. „Bei uns wurden ganz viele Kleintiere abgegeben“, erklärt Martina Graf-Heinzmann aus Donzdorf. Das wundert die Vorsitzende nicht: „Deutschland ist eine Wegwerfgesellschaft. Die kleinen süßen Hundebabys sind halt nach ein paar Wochen anstrengender als gedacht. Oder die Kinder interessieren sich nicht mehr für das Kaninchen, und schon kommen sie weg.“

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