Kirchheim

Kliniken bündeln ihre Kompetenzen

Tumorzentrum Interdisziplinär und standortübergreifend arbeiten die Medius-Kliniken bei der Behandlung von Krebserkrankungen zusammen. Von Andreas Volz

Die minimal-invasive Chirurgie hat unter anderem den Vorteil, dass die Chirurgen alles vergrößert sehen können.Archiv-Foto: Jean
Die minimal-invasive Chirurgie hat unter anderem den Vorteil, dass die Chirurgen alles vergrößert sehen können.Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Zum Wohl ihrer Patienten wollen die Kreiskrankenhäuser künftig noch enger zusammenarbeiten. „Unser Miteinander steht nicht nur auf dem Papier. Es geht uns um die ganzheitliche Behandlung unserer Patienten“, sagt Elvira Benz, die stellvertretende Geschäftsführerin der Medius-Kliniken. Besonders wichtig wird die ganzheitliche Behandlung bei lebensbedrohlichen Krebserkrankungen. Um hier die optimale Hilfe und die größtmögliche Expertise bieten zu können, bauen die Kliniken ein Tumorzentrum auf.

Der Begriff „Zentrum“ könnte leicht in die Irre führen: Das Zentrum ist eher virtuell zu verstehen, als dass es an einen bestimmten Standort gebunden wäre. An allen Standorten - Kirchheim-Nürtingen sowie Ruit - spielt die Tumormedizin eine wichtige Rolle. Die Zahl der neu diagnostizierten onkologischen Erkrankungen ist seit 2009 um mehr als ein Drittel angestiegen: 2016 gab es an den Medius-Kliniken insgesamt 1 666 Erstdiagnosen. Jeder einzelne Fall ist unterschiedlich. Genau deshalb aber wird jeder einzelne Fall gesondert diskutiert - und zwar interdisziplinär in den wöchentlichen Tumorkonferenzen.

Ganzheitliche Behandlung

Das heißt, dass Spezialisten aller Bereiche zusammenkommen und die Fälle besprechen. Gemeinsam legen sie auch die weiteren Behandlungsschritte fest, nach den aktuellen Leitlinien für die Behandlung von Krebstumoren. Zum ganzheitlichen Aspekt gehört auch die Zusammenarbeit mit Psychologen und Seelsorgern sowie mit den niedergelassenen Ärzten.

Die Zusammenarbeit im Tumorzentrum garantiert die größtmögliche Kompetenz. Andererseits bleibt durch die kleineren Standorte gewährleistet, dass die Patienten feste Ansprechpartner haben. Dr. Ulrich Römmele, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Diabetologie, Gastroenterologie, Tumormedizin und Palliativmedizin, sagt dazu: „Das tut den Patienten gut, gerade den onkologischen, angesichts der Lebenskrise, die sie durchmachen müssen.“

Zur Fachkompetenz an den Medius-Kliniken stellt Ulrich Römmele klar: „Ob Hamburg, München, Stuttgart oder Nürtingen, das macht keinen Unterschied. Wir betreiben hier Medizin auf universitärem Niveau, nur ohne Forschung.“ Dr. Klaus Kraft, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, ergänzt: „Forschung muss sein. Aber für uns Chirurgen ist es besser, wenn wir keine Forschung betreiben. Ein Chirurg ist ein Handwerker, der nur schlechter wird, wenn er seinem Handwerk nicht tagtäglich nachgeht.“

Zu den Veränderungen in der Medizin stellt Klaus Kraft fest: „Vor 30 Jahren hat die Krebsbehandlung noch so ausgesehen, dass der Chirurg alles wegschneidet. Heute ist das ganz anders.“ Bei der minimal-invasiven Chirurgie gehe es nicht um Kosmetik, sondern darum, die Patienten so wenig wie möglich zu schädigen. Noch einen weiteren Vorteil beschreibt der Chirurg: „Durch unsere Kameras sehen wir vieles vier- bis fünffach vergrößert und können somit viel präziser arbeiten.“

Einerseits kann die Chirurgie an den Medius-Kliniken viel Erfahrung vorweisen, wie der Medizinische Direktor Dr. Jörg Sagasser mitteilt: „Da spielen die Fallzahlen eine Rolle. Bauchspeicheldrüsen beispielsweise darf man nur operieren, wenn man mindestens zehn Fälle pro Jahr hat. Wir haben 45, da steckt bei uns also viel Erfahrung dahinter.“ Andererseits verbirgt sich an dieser Stelle ein spezielles rechtliches Problem. Klaus Kraft: „Wir haben nur eine einzige chirurgische Abteilung. Aber die ist verteilt auf die zwei Standorte Kirchheim-Nürtingen und Ruit. Deshalb müssen wir die Mindestfallzahlen doppelt nachweisen.“

Umgekehrt könnte das heißen, dass die Medius-Kliniken nachweislich über die doppelte Kompetenz verfügen. Diese Kompetenz umfasst übrigens alle Bereiche einer Krebsbehandlung: von der Aufklärung und der Vorsorge über die Diagnostik und die Therapie bis hin zur Nachsorge und Palliativmedizin. Das alles gibt es jetzt gebündelt - an einem Tumorzentrum, das auf mehrere Standorte verteilt ist.

Geballte Kompetenz am Tumorzentrum der Medius-Kliniken versprechen außer der stellvertretenden Geschäftsführerin Elvira Benz auc
Geballte Kompetenz am Tumorzentrum der Medius-Kliniken versprechen außer der stellvertretenden Geschäftsführerin Elvira Benz auch Chefärzte aus unterschiedlichsten Disziplinen.Foto: Carsten Riedl
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