Kirchheim

Knapper „Sieg“ für die ganz große Lösung

Mitarbeiterparkhaus Technik- und Umweltausschuss entscheidet sich nach langem Abwägen für drei Geschosse mit insgesamt zehn Metern Höhe. Von Andreas Volz

Das graue Gebäude im Modell stellt das vorgesehene Mitarbeiterparkhaus dar. Links oben ist das Kircheimer Krankenhaus zu sehen,
Das graue Gebäude im Modell stellt das vorgesehene Mitarbeiterparkhaus dar. Links oben ist das Kircheimer Krankenhaus zu sehen, dessen Mitarbeiter das Parkhaus nutzen sollen.Foto: Stadt Kirchheim

Das Mitarbeiterparkhaus an der Ecke Eugen- / Osianderstraße soll in voller Höhe oberirdisch gebaut werden. So zumindest sieht es der Auslegungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Mitarbeiterparkhaus Klinikum“ vor, den der Technik- und Umweltausschuss des Kirchheimer Gemeinderats mit knapper Mehrheit gefasst hat. Vorausgegangen war diesem Beschluss ein ausführliche Diskussion um Gebäudehöhen, Gesamtkosten und Entfernungen zwischen Park- und Arbeitsplatz. An allen diesen Punkten ging es um die Frage, was jeweils wem zugemutet werden kann.

Der Ausgangspunkt war folgender: Die medius-Kliniken des Landkreises Esslingen wollen die aktuelle Parksituation „bereinigen“, wie die stellvertretende Geschäftsführerin Elvira Benz im Ausschuss sagte: „Unsere Mitarbeiterparkplätze liegen teilweise weit entfernt. Viele parken deshalb lieber in der Nähe, in den Straßen rund um die Klinik.“ Die Kliniken haben also einen Vertrag geschlossen, demzufolge die HIB Parkraum Nürtingen GmbH ein Parkhaus bauen und bewirtschaften soll. Je nach Planungsrecht ist dafür ein zwei- oder aber ein dreigeschossiges Parkhaus vorgesehen. Auf dem Dach des obersten Geschosses soll ebenfalls noch ein Parkdeck entstehen. Insgesamt also würde es - bleiben die halb versetzten Geschosse unberücksichtigt - entweder drei oder vier Parkebenen geben.

Für die Kliniken ist der Fall klar: „Unser Bedarf als Arbeitgeber ist die große Variante, um die Parksituation einigermaßen zu befrieden“, sagt Elvira Benz. Diese große Variante bringt 222 Stellplätze, wohingegen ein Stockwerk weniger die Zahl der Stellplätze um knapp 60 senken würde.

Das Problem der großen Variante besteht jedoch darin, dass es die Anwohner für unzumutbar halten, eine zehn Meter hohe Wand auf das Nachbargrundstück hingestellt zu bekommen. Deshalb hatte der Ausschuss in einer früheren Sitzung vorgeschlagen, dass ein Stockwerk des Parkhauses in die Erde versenkt werden könne. Dann gäbe es einerseits die notwendige Anzahl der Stellplätze, andererseits aber wäre das Gebäude oberirdisch um genau das eine Stockwerk niedriger.

Diese Variante wiederum hält die HIB für nicht zumutbar - aus Kostengründen. Je nach Variante geht es um Mehrkosten von einer bis 1,4 Millionen Euro. „Das muss wirtschaftlich passen. Diese Mehrkosten lassen sich für uns aber nicht mehr abbilden“, stellt HIB-Geschäftsführer Thomas Veith fest. Er sähe nur eine Alternative, die aber bei der Stadtverwaltung und bei den Ausschussmitgliedern für Kopfschütteln sorgt: „Wir bauen sofort in die Tiefe, wenn uns die Stadt einen Zuschuss in Höhe der Zusatzkosten gibt.“

Von der rechtlichen Seite her betont Kirchheims oberster Stadtplaner Gernot Pohl: „Der aktuelle Bebauungsplan ermöglicht eine Traufhöhe von zehn Metern - ob es nun ein Parkhaus wird oder ein Wohngebäude.“ Im Gegensatz zu einem Wohngebäude sieht er bei einem Parkhaus sogar eine deutlich geringere Belastung für die Anwohner. Durch die doppelwandige, begrünte Fassade nach Osten hin dringe weder Lärm noch Licht nach draußen: „Eine ruhigere Situation ist gar nicht denkbar.“

In der Diskussion wurden noch die verschiedensten Berechnungen angestellt. So lasse sich durch 50 bis 60 Plätze mehr im Parkhaus eine Straßenlänge von 350 Metern für die Anwohner im Paradiesle „einsparen“, rechnete Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker vor. Deshalb plädierte sie auch für ein Anwohnerparken rund ums Krankenhaus, sodass die Klinik-Mitarbeiter tatsächlich das neue Parkhaus nutzen. An Kosten sind für die Mitarbeiter 100 Euro pro Jahr angedacht - für einen Platz irgendwo im Parkhaus. Bei einem festen Stellplatz dagegen wären jährlich 200 Euro fällig.

Letztlich ging es aber weniger ums Rechnen als ums Abwägen. Und dabei senkte sich die Wagschale im Ausschuss ganz leicht zugunsten der Kliniken und der IHB: Mit neun zu acht Stimmen hat sich das Gremium entschieden, die dreigeschossige große Lösung in die Auslegung zu bringen.

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