Kirchheim

König Fußball und seine Grenzen

Nachtruhe beginnt während der EM-Zeit erst später – Polizei will Korsos aber eindämmen

Noch ist vom EM-Fieber nicht viel zu spüren. Aber Polizei und Ordnungsamt bereiten sich in Kirchheim schon auf das Ereignis vor – gelassen und routiniert.

Ausgelassenes Feiern nach Fußball-Siegen wird es auch zur EM geben. Allerdings will die Polizei die Korsos auf dem Alleenring ei
Ausgelassenes Feiern nach Fußball-Siegen wird es auch zur EM geben. Allerdings will die Polizei die Korsos auf dem Alleenring einigermaßen eindämmen. Zum Feiern bietet sich aber auch schon die Party am 11. Juni im Stadtkino an - ganz ohne Korso.Fotos: Jörg Bächle (Archiv)¿/¿Andreas Volz

Kirchheim. Völlig entspannt sieht Christoph Lazecky, Sachgebietsleiter beim Kirchheimer Ordnungsamt, der Europa-Meisterschaft entgegen. Ein öffentliches Fußballschauen sei bislang für Kirchheim nicht angemeldet worden. Das heißt aber nicht, dass Gastwirte nicht trotzdem Bildschirme oder Leinwände aufstellen, auch im Freien. „Auf privaten Flächen ist das Privatangelegenheit“, sagt Christoph Lazecky. Das gilt in erster Linie für Biergärten. Aber auch bei Außenbewirtung in der Fußgängerzone oder auf dem Marktplatz, die es bereits unabhängig vom Fußball gibt, bleibt es Privatangelegenheit der Wirte, ihren Gästen Fußballübertragungen anzubieten. Das Ordnungsamt mischt sich da nicht ein – „solange sich keine ungewöhnlich großen Menschentrauben bilden“.

Generell verweist Christoph Lazecky auf ministerielle Anweisungen, den Beginn der Nachtruhe fußballbedingt nach hinten zu verschieben, und zwar bis zum jeweiligen Ende der Spiele. Das heißt also, dass im Zweifelsfall auch bis kurz vor Mitternacht im Freien übertragen und gejubelt werden darf. Insbesondere ab Samstag, 25. Juni, ist damit zu rechnen, dass es länger dauert: Dann beginnen die Achtelfinalspiele, bei denen immerhin drei Mal die Anstoßzeit auf 21 Uhr terminiert ist. Vom Viertelfinale an bis zum Endspiel am Sonntag, 10. Juli, beginnen alle Spiele grundsätzlich erst um 21 Uhr. Mit Nachspielzeit, Verlängerung und Elfmeterschießen kann es da schnell halb zwölf oder später werden, bis ein Sieger der K.-o.-Spiele feststeht.

Eine Übersicht, welche Gaststätten in und um Kirchheim ihre Gäste mit Fußball locken, ist flächendeckend nicht möglich. Im Internet oder auch mit Plakaten werben bislang vor allem der Teckkeller („alle Top-Spiele“) und das Stadtkino („alle Deutschland-Spiele“). Es ist aber davon auszugehen, dass Fußball-Fans nahezu überall auf ihre Kosten kommen und beim Gaststättenbesuch einen Blick auf mehr oder weniger große Bildschirme werfen können. Fußballmuffel dagegen sollten viel Toleranz aufbringen, sonst haben sie ab Freitag, 10. Juni, wenn um 21 Uhr das Eröffnungsspiel Frankreich gegen Rumänien beginnt, nicht mehr viel Vergnügen im öffentlichen Raum.

Was vielen Menschen bei den vergangenen großen Turnieren das meiste Vergnügen bereitet zu haben scheint, waren die Autokorsos rund um den Alleenring. Die hatten so überhand genommen, dass die Polizei die Zufahrten zur Alleenstraße sperren musste. Bei dieser Linie bleibt Revierleiter Thomas Pitzinger auch für die EM in Frankreich: „Wir gehen davon aus, dass ein gewonnenes erstes Vorrundenspiel noch keinen Autokorso rechtfertigt.“

Überhaupt könne doch der wahre Fußballfreund nicht stundenlang Korso fahren, wenn seine Mannschaft am Nachmittag oder am frühen Abend gewonnen hat. Schließlich gebe es ja kurz nach Abpfiff weitere Spiele, die ebenfalls fußballerische Leckerbissen sein können und die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Auch wenn mancher Korso-Fahrer die Polizei als „Spaßbremse“ betrachten mag, lässt Thomas Pitzinger diese Bezeichnung nicht auf seinen Beamten sitzen: „Wir haben großes Verständnis für Freude und Jubel. Aber es ist trotzdem unsere Aufgabe, das in den richtigen Bahnen zu halten.“ Bei jeder WM oder EM in den vergangenen Jahren habe es nämlich in Kirchheim Fälle gegeben, bei denen Personen zu Schaden gekommen sind, weil sie angefahren wurden – „bis hin zu Knochenbrüchen.“

Die Polizei werde auch darauf achten, dass sich – sollte es doch irgendwann zu Korsos kommen – keiner zu weit aus dem Fenster lehnt oder bei offenem Verdeck aufsteht: „Das ist viel zu gefährlich und verantwortungslos.“ Außerdem gehe es darum, in der Innenstadt Konflikte zwischen Fußgängern und Autofahrern zu vermeiden. Und auch da kommt Thomas Pitzinger noch einmal auf das Thema „Spaßbremse“ zu sprechen: „Jeder Vernünftigdenkende merkt von alleine, wo der Spaß aufhört.“

 

INFO

Spiele mit deutscher Beteiligung: Sonntag, 12. Juni, 21 Uhr, gegen die Ukraine – Donnerstag, 16. Juni, 21 Uhr, gegen Polen – Dienstag, 21. Juni, 18 Uhr, gegen Nordirland. Mögliche Achtelfinalspiele wären am Samstag, 25. Juni, oder am Sonntag, 26. Juni, 15 oder 18 Uhr.

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