Kirchheim

Kommentar: Warum erst jetzt?

Läuft alles nach Plan, dann werden noch in diesem Jahr die ersten Glasfaser-Leitungen gelegt.Foto: dpa
Symbolbild.

Die Telekom geht beim Breitbandausbau in der Region Stuttgart in die Offensive. Bis 2030 sollen 90 Prozent aller Haushalte sowie sämtliche Unternehmensstandorte in der Region Stuttgart Glasfaser-Anschlüsse und damit superschnelle Internetverbindungen erhalten. So zumindest das Versprechen des Unternehmens, das diese Woche vertraglich fixiert und mit ganzseitigen Anzeigen in der Tagespresse gestern noch einmal untermauert wurde. Gut so, könnte man sagen. Schließlich dürfen sich bisher weniger als ein Prozent der Haushalte in der Region über maximale Übertragungsraten freuen. 60 Prozent der Gewerbegebiete im Kreis Esslingen erreichen nicht einmal den Mindeststandard von 50 Mbit pro Sekunde. Da kann manches Schwellenland nur lachen.

Die Frage also, die sich das einstige Staatsunternehmen, an dem der Bund immerhin noch 15 Prozent Anteile hält, gefallen lassen muss: Warum erst jetzt? Marktversagen lautete jahrelang das Totschlag-Argument. Aufwand und Ertrag stünden in weiten Teilen des Landes im Missverhältnis. Jetzt also die Kehrtwende: Die Sorge, im digitalen Wettstreit abgehängt zu werden und Marktanteile zu verlieren, treibt nicht mehr nur Unternehmen und Hochschulen um, sie bringt auch den Magenta-Riesen endlich in Zugzwang.

Nur: Mehr als Unterschriften gibt es bisher nicht. Stadtwerke und Kommunen wie Lenningen, die der Not gehorchend in Vorleistung gegangen sind und eigene Lösungen entworfen haben, fragen sich zu Recht, welcher Anteil am vorgestellten Milliardenpaket ihnen jetzt noch bleibt. Eine Million Euro jährlich bis 2025 hat der Landkreis für Investitionen in ein eigenes Backbone-Netz im Haushalt eingeplant und gleichzeitig rund 50 000 Euro in eine erste Grobplanung gesteckt. Allein, weil man nicht länger warten wollte. Wie viel von all dem für die Katz‘ war und was künftig noch gebraucht wird, um erwartbare Lücken zu schließen, weiß niemand. Die Telekom muss jetzt konkrete Ausbaupläne auf den Tisch legen, und zwar schnell. „Wir bauen den Vorsprung aus“, verspricht ein Unternehmens-Slogan. Angesichts des Zielhorizonts 2030 ein kühner Spruch.

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