Kirchheim

Kommet, ihr Kunden - nur nicht so viele

Adventszeit Der Weihnachtsmarkt in Kirchheim soll sich auf einzelne Stände beschränken, dafür aber an möglichst vielen Ecken der Innenstadt: Gäste sollen angelockt, Menschenmassen vermieden werden. Von Andreas Volz

Einzelne Stände, in der ganzen Stadt verteilt: So soll derKirchheimer Weihnachtsmarkt aussehen. Glühwein ist allerdings tabu im
Einzelne Stände, in der ganzen Stadt verteilt: So soll derKirchheimer Weihnachtsmarkt aussehen. Glühwein ist allerdings tabu im Corona-Winter. Foto: Carsten Riedl

Wie es im Dezember zugeht, kann niemand vorhersagen. Nur so viel ist sicher: Der Christmond in Kirchheim hat nicht allzu viel gemeinsam mit den bisherigen Dezembern des 21. Jahrhunderts. Im Ausschuss für Bildung, Soziales und Bürgerdienste informierte Oberbürgermeister Pascal Bader über den Weihnachtsmarkt: „Wir können ihn nicht in der gewohnten Weise anbieten.“ Ob es die Eisstockbahn oder der Adventskalender am Rathaus ist - alle Attraktionen dienen dazu, viele Menschen in die Stadt zu locken. In Corona-Zeiten ist das aber kontraproduktiv.

Besonders am 24. Dezember füllt sich die Innenstadt: mit Daheimgebliebenen ebenso wie mit Rückkeh­rern, die sich an Weihnachten zum Heimatbesuch aufmachen, getreu dem Motto: „Ein jeglicher in seine Stadt“. So wird der heilige Morgen zur Bühne für viele Ehemaligentreffen - seien es Klassen- oder Sportskameraden, frühere Kollegen oder Nachbarn.

Genau das gilt es ebenfalls zu verhindern im - hoffentlich einmaligen - Corona-Winter. „Wir rufen dazu auf, sich an Heiligabend zurückzuhalten, nicht in die Stadt zu kommen und dort keine Menschenansammlungen zu bilden“, sagt Pascal Bader. Er geht aber davon aus, dass ein Appell allein nicht ausreichen wird: „Das muss man auch kontrollieren.“

Unterstützung erhält er von allen Fraktionen und Gruppierungen des Gemeinderats: „Ich bin ein großer Freund der Gastronomieförderung“, meint SPD-Stadtrat Michael Faulhaber, „aber ich fürchte, es ist schwierig, die Leute aus der Stadt rauszuhalten. Freiwillig hält sich nur ein Teil daran.“

Ralf Gerber (Freie Wähler) wird deutlicher: „Da hilft nur ein absolut restriktives Vorgehen, so hart das für die Wirte ist. Wir müssen alles unterbinden, was dazu führt, dass hinterher alle über Kirchheim herfallen, weil wir das nicht in den Griff bekommen haben. Auch der Gastronomie bringt es nichts, wenn an diesem Morgen richtig was los ist und danach alles nur noch viel schlimmer wird.“

Sein Fraktionskollege Florian Schepp schlägt vor: „Wir brauchen eine Allgemeinverfügung, die an diesen beiden Tagen auch das Mitbringen von Alkohol in der gesamten Innenstadt verbietet. Es sollte klappen, dass man am 24. Dezember auch einmal keinen Alkohol vor 15 Uhr konsumiert.“

Dem Vorschlag von mehreren Seiten, die Innenstadt oder wenigstens die Tiefgaragen am Morgen des Heiligabends zu sperren, erteilt Pascal Bader eine Absage: „Wir können kontrollieren, aber nicht absperren. Es kommen auch Leute in die Stadt, die nichts trinken wollen. Es soll ja sogar Menschen geben, die diesen Vormittag noch nutzen, um ihre Weihnachtsgeschenke zu besorgen.“

Für Wirte und Händler will die Stadt trotzdem einiges unternehmen. So stellt Ralf Gerber fest: „An allen anderen Tagen können wir den Gastronomen mit der Außenbewirtschaftung entgegenkommen - aber nicht am 24. und am 31. Dezember.“ Außerdem schlägt er vor, dass sich die Wirte auf einem dezentralen Weihnachtsmarkt an zentraler Stelle einbringen können, um ihre Essensangebote zum Mitnehmen zu bewerben. „Wer dann an den Feiertagen nicht ins Restaurant geht, kann sich ja trotzdem dort sein Essen holen.“

Der dezentrale Weihnachtsmarkt soll auch die Händler in der Innenstadt stärken - nicht zuletzt diejenigen in den Seitenstraßen: Kirchheim will sich in weihnachtlichen Schmuck werfen, weit mehr als sonst. Außerdem sollen an verschiedenen Stellen in der Stadt Weihnachtsstände aufgebaut werden, sodass die Besucher, die an den einzelnen Ständen vorbeischauen, nicht zu eng auf einem einzigen Platz zusammenstehen.

So soll wenigstens weihnachtlicher Glanz in die Innenstadt fallen, über den sich trotzdem noch möglichst viele Menschen - dezentral verteilt - freuen können. Dass das gewohnte Treiben im Dezember nicht möglich ist, kommentiert CIK-Stadtrat Tobias Öhrlich wohl stellvertretend für ganz Kirchheim: „Das ist traurig für alle - aber speziell für die, die es exis­tenziell betrifft.“

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