Kirchheim

„Kommt die Frau wieder?“

Kindertheater Angelika Jedelhauser vom Figurentheater „Unterwegs“ bringt Astrid Lindgrens Wintergeschichte „Tomte Tummetott“ in den Club Bastion nach Kirchheim. Von Günter Kahlert

Minimalistisch, aber wirkungsvoll: Angelika Jedelhauser erzählt in der Bastion Geschichten des Wichtels.Foto: Günter Kahlert
Minimalistisch, aber wirkungsvoll: Angelika Jedelhauser erzählt in der Bastion Geschichten des Wichtels.Foto: Günter Kahlert

Das nennt man volles Haus. Alle Karten gingen im Vorverkauf locker weg und in der Kirchheimer Bastion herrscht ein Gewimmel und Stimmengewirr wie im Kindergarten. Ungewöhnlich für den Club, der ansonsten eine andere Klientel anspricht. Dabei ist die Sache eigentlich unspektakulär: Angelika Jedelhauser bringt als Solo-Programm Astrid Lindgrens „Tomte Tummetott“ auf die Bühne. „Tomte wer?“, fragt sich natürlich mancher, obwohl er „Pippi Langstrumpf“, „Wir Kinder aus Bullerbü“ oder „Michel aus Lönneberga“ in- und auswendig kennt.

Zur Aufklärung: Tomte ist ein Wichtel, der seit undenklichen Zeiten den Speicher der Scheune auf dem Bauernhof der Familie Karlsson bewohnt, den aber noch nie jemand gesehen hat. Trotzdem stellen ihm die Kinder jeden Abend eine Schüssel Grütze hin. Und um diesen Wichtel geht es in der Geschichte, die Angelika Jedelhauser den Kindern erzählt, nein, man muss eigentlich sagen vorspielt.

Sie arbeitet mit minimalen Mitteln, die Fantasie dieser Altersgruppe kann man auch mit kleinen Dingen anstoßen. Zu Beginn eine Art Leinwand, erstmal wird die Geschichte vom Hof und dem Wichtel erzählt. Dazu schneidet Angelika Jedelhauser kleine Formen aus Papier, die sie symbolisch an der Leinwand befestigt. Ganz simpel. Aber die Sache funktioniert, die Kinder sind vom ersten Moment an voll dabei.

Tomte kümmert sich um alle

Dann Szenenwechsel, Leinwand nach hinten, ein kleines Holzregal mit einer Leiter nach vorne. Die Scheune, Tomtes Reich. Hier spielen sich die kleinen Geschichten ab mit den Tieren des Hofes. Balgende Schafe, zankende Hühner, eine Katze, auch eine Fliege taucht auf. Schließlich flüchtet sich noch der Fuchs vor der winterlichen Kälte in die Scheune der Karlssons. Alle haben kleine Probleme, alle träumen vom Frühling, alle werden von Tomte umsorgt und getröstet. Und das ist die eigentlich Botschaft von „Tomte Tummetott“: Da ist jemand, der sich um dich kümmert, auch wenn du ihn nicht siehst. Es entsteht eine Atmosphäre von Wärme und Geborgenheit.

Das sei auch der Reiz für die Großen, die natürlich wüssten, dass es Wichtel nicht gibt, meint die Künstlerin. „Sie spielen dieses Spiel gerne. Ich glaube, dass es da eine Sehnsucht nach der Geborgenheit gibt“, erzählt Angelika Jedelhauser im Gespräch von ihren Erfahrungen.

Die Figurenspielerin hat ein wundervolles Händchen mit den Kleinen. Sie hat die richtige Sprache, die richtige Mimik. Sie blökt, wenn Schafe kommen, sie miaut wenn die Katze auftritt und sie gackert, wenn die Hühner an der Reihe sind. Alles sehr lautmalerisch, aber solche tierischen Rollenspiele kennt wohl jeder, der das mal mit seinen eigenen kleinen Kindern gemacht hat.

Klar, Angelika Jedelhauser ist ein Profi. Sie hat Figurentheater in Stuttgart studiert, arbeitete an vielen Puppentheatern und gründete 2002 das Figurentheater „Unterwegs“. Seitdem hat sie viele Inszenierungen für Kinder auf die Bühne gebracht. „Tomte Tummetott“ hatte sie sich eigentlich für ihren kleinen Sohn ausgedacht. Warum gerade Tomte? „Ich war auf der Suche nach einer Geschichte, die im Winter spielt, aber nicht unbedingt Weihnachten zum Thema hat“, erinnert sich Angelika Jedelhauser. Und da sei sie über Astrid Lindgrens Wichtel „gestolpert“. „Es ist eine schöne Geschichte, die diese winterliche Geborgenheit einfängt“, erläutert sie ihren Entschluss. Ein guter Entschluss, wie die Aufführung in der Bastion zeigt. Als nach 45 Minuten Angelika Jedelhauser mit Tomte die Bühne verlässt, kurzes Stutzen und dann die Fragen der Kindern: „Kommt die Frau wieder?“ Hoffentlich, das würde nicht nur den Kleinen Spaß machen.

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