Kirchheim

Kreis mit guten Strukturen - Nachgefragt

Ist der Landkreis Esslingen in der Kinder- und Jugendhilfe fit für die Zukunft? Der Kreis sei gewappnet und breit aufgestellt, meint die Sozialdezernentin im Landratsamt, Ale­xandra Kiewel. Was fehlt, sind Kita-Plätze.

Alexandra Kiewel

Alexandra Kiewel

Frau Kiewel, was sagen Ihnen die jüngsten Zahlen zur demografischen Entwicklung im Landkreis?

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KIEWEL: Zunächst einmal sind wir sehr zufrieden mit den Ergebnissen des Berichts. Wir liegen hier an der Spitze im Vergleich zu den Landkreisen im mittleren Neckarraum. Sie zeigen, dass der Kreis hinsichtlich Investitionen in Kinder und Jugendliche seine Hausaufgaben gemacht hat. Sie zeigen aber auch, dass wir mit Blick auf kommende Jahrzehnte in diesem Bereich nicht nachlassen dürfen. Der Kreis ist entwicklungsstark. Wir müssen unsere guten sozialen Strukturen belastbar in die Zukunft führen.

 

Bei der Entwicklung der Schulsozialarbeit und der offenen Jugendarbeit schneidet der Kreis gut ab. In der Kindertagesbetreuung dagegen fehlt es an Personal und Plätzen.

KIEWEL: Das ist richtig. Hier besteht ein großer Bedarf, an dem wir arbeiten müssen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein zentrales Zukunftsthema, bei dem es wichtig ist, sehr stark vernetzt zu sein mit den Kommunen. Das sind wir.

 

Wo sehen Sie außerdem Handlungsbedarf?

KIEWEL: Wir dürfen nicht nur die nachkommende Generation im Blick haben. Der wachsende Bedarf, für alte und pflegebedürftige Menschen zu sorgen, ist eine große gesellschaftliche Herausforderung. Viele pflegende Angehörige sind heute selbst schon über 60. Wir werden in Zukunft mehr Pflegeplätze benötigen, stationär, aber auch ambulant. Da sind wir gemeinsam mit den Kommunen gefordert.

 

Die Studie spricht vom Zeitraum bis 2020 als „kritisches Jahrzehnt“, in dem man politisch gegensteuern sollte. Mehr als die Hälfte davon ist bereits vorüber. Liegen Sie gut im Zeitplan?

KIEWEL: Ja. Wir sind im Kreis gut und breit aufgestellt und haben dafür früh die Weichen gestellt mit einer integrierten Sozialplanung, die alle Lebensbereiche berücksichtigt. Daran werden wir aber konsequent weiterarbeiten müssen. Wir haben eine gut ausgebaute Schul- und Bildungslandschaft und kooperieren im Bereich der Jugendhilfe eng mit den Schulträgern und den freien Trägern. Der Landkreis ist hier ein wichtiger Partner, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche ans Leben heranzuführen.

 

Zuwanderung kann den demografischen Trend nicht umkehren, aber verlangsamen. Sind Sie darauf vorbereitet?

KIEWEL: Das Thema der Integration wird uns über die nächsten Jahre stark beschäftigen. Eine entscheidende Rolle kommt dabei dem Zusammenwirken von Verwaltung, Jobcenter, unserer heimischen Wirtschaft, den Kommunen, der Wohnungswirtschaft, den freien Trägern und Bildungseinrichtungen zu. In diesem Bereich sind alle gefordert. Wir sind gerade dabei, eine Integrationskonzeption zu entwickeln, die wir im Sommer zum ersten Mal vorstellen wollen. Sie soll Grundlage für eine ganzheitliche Beratungs- und Integrationsplanung im Landkreis sein. Dabei geht es um die wichtigsten Säulen Sprache, Bildung, Arbeit und Wohnen. Es geht auch darum, soziale Bindungen zu fördern und dafür zu sorgen, dass die Menschen unabhängig von Hilfen werden und selbstbestimmt leben.