Kirchheim

Kreiskrankenhäuser sind fit

Kreiskliniken Esslingen haben einen Überschuss von fünf Millionen Euro erreicht

Im Jahr 2015 haben die Kreiskliniken Esslingen mehr Patienten versorgt, mehr Mitarbeiter beschäftigt und ein noch besseres wirtschaftliches Ergebnis erzielt als im Vorjahr. Diese Ergebnisse gab Landrat Heinz Eininger, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender, der Presse mit sichtlicher Freude bekannt.

Das Richtfest ist am Freitag, 8. April: Während der Anbau am Kirchheimer Krankenhaus weiter wächst, freuen sich Dr. Jörg Sagasse
Das Richtfest ist am Freitag, 8. April: Während der Anbau am Kirchheimer Krankenhaus weiter wächst, freuen sich Dr. Jörg Sagasser, Elvira Benz, Thomas A. Kräh und Heinz Eininger (von links) über die Zahlen der Kreiskliniken Esslingen für das Jahr 2015. Fotos: Peter Dietrich und Carsten Riedl

Kirchheim. Unterm Strich haben die Kreiskliniken im Jahr 2015 ein Plus von fünf Millionen Euro erwirtschaftet, eine Million mehr als im Vorjahr. Das Plus wird den Rücklagen zugeführt und steht für Investitionen zur Verfügung. Kräftig investiert wurde auch im Jahr 2015: 6,5  Millionen Euro flossen in neue medizinische Geräte, 8,3 Millionen Euro in den Erhalt der Gebäudesubstanz. „Wir haben im dritten Jahr hintereinander ein sehr ordentliches Ergebnis und das in diesen schwierigen Zeiten“, sagte Eininger. Denn die Rahmenbedingungen seien noch immer unauskömmlich. „Wir sind der positive Ausreißer unter den Kliniken im Land.“ Viele andere Krankenhäuser schrieben tief rote Zahlen.

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Laut Eininger wurde früher als bei anderen Trägern mit der Konsolidierung begonnen. „Wir haben auch die Kraft zur Umsetzung gehabt, wir haben an einem Strang gezogen.“ Im Jahr 2012 sahen die Zahlen sehr viel schlechter aus, die Kreiskliniken galten als „kranker Mann“. „Wir haben das als Ansporn genommen, besser zu werden. Wir haben gewusst, dass dieses Bild falsch ist.“ Zum wirtschaftlichen Überleben wurde eine Rendite von fünf Prozent angestrebt, sie wurde 2015 fast erreicht. „Wenn man seine Hausaufgaben macht, kann man im öffentlichen Bereich Kliniken wirtschaftlich führen“, schloss Eininger und lobte den „guten Teamgeist“.

Solch einen Teamgeist kann ein Arbeitgeber leicht beschädigen – etwa indem er Reinigungskräfte und das Küchenpersonal in extra Gesellschaften auslagert und viel schlechter als zuvor bezahlt. Private Kliniken würden dies ohne zögern tun, sagte der Geschäftsführer Thomas A. Kräh, der selbst aus diesem Bereich kommt. Die Kreiskliniken Esslingen hätten sich bewusst dagegen entschieden. „Keine Konsolidierung auf dem Rücken der Schwächeren“, sagte Eininger. „Manchmal ist es gut, wenn man etwas bleiben lässt.“ Der Personalkostenanteil sank dennoch von früher 75 Prozent auf nun 69 Prozent, bei Privatkliniken liegt er um 60 Prozent. Bleiben lassen haben die Kreiskliniken vor einigen Jahren auch die Fokussierung auf reiche Patienten aus dem arabischen Raum, nun sind sie froh darüber.

Rund 2 600 Menschen arbeiten in den Kreiskliniken, auf umgerechnet 2 030 Vollzeitstellen. Im Jahr 2015 sind es 32 Vollzeitstellen mehr geworden, überwiegend im „weißen Bereich“, also bei Ärzten und Pflegern. „Fachkräfte sind umworben, der Mitarbeiter kann sich seinen Arbeitgeber heraussuchen“, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin Elvira Benz. Daher werde in die Attraktivität als Arbeitgeber investiert. Es gebe immer mehr Absolventinnen, sie brächten andere Erwartungen mit. Erstmals wurde eine gute halbe Million Euro in Fort- und Weiterbildung investiert. „In der betrieblichen Altersvorsorge“, so Benz weiter, „wollen wir etwas bieten, was andere Arbeitgeber nicht bieten.“

Für den medizinischen Direktor Dr. Jörg Sagasser gehören medizinische Qualität und Wirtschaftlichkeit zusammen. „Das eine bedingt das andere.“ Er sprach von einem dreistufigen Konzept: Zur Basisversorgung für mehr als eine halbe Million Einwohner kämen Schwerpunkte wie das minimal-invasive Zentrum, die Neurologie und das Wirbelsäulenzentrum. Die dritte Stufe sei die Spezialversorgung wie die Rheumatologie, die Urologie und die Hand-plastische Chirurgie. Neu sind die ­Rotablatortherapie in der Kardiologie in Kirchheim und die Radiofrequenzablation in Nürtingen. Mit Letzterer werden Schleimhautveränderungen thermisch behandelt. Im nächsten Jahr startet in Ostfildern-Ruit die ­3D-Laparaskopie, die Operation mithilfe mehrerer Bildschirme. „Wir brauchen Partner“, betonte Sagasser. Seit Oktober gibt es zusammen mit der Praxis Dr. Kamp in Wendlingen die Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV) für Patienten mit Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts, des Bauchraums und der Schilddrüse.

Ausruhen können sich die Kreiskliniken nicht. „Es wird keinen Stillstand geben“, sagte Eininger. „Fit für 2020“ heißt das aktuelle Qualitäts- und Strategieprogramm.

Ein freudiger Blick in die Zahlen der Kreiskliniken Esslingen für das Jahr 2015, von links der Medizinische Direktor Dr. Jörg Sa
Ein freudiger Blick in die Zahlen der Kreiskliniken Esslingen für das Jahr 2015, von links der Medizinische Direktor Dr. Jörg Sagasser, die stellvertretende Geschäftsführerin Elvira Benz, Geschäftsführer Thomas A. Kräh und Landrat Heinz Eininger

Weshalb gibt es mehr Patienten?

Im Jahr 2012 haben die Kreiskliniken Esslingen 38 400 Patienten versorgt, ein Jahr später waren es erstmals 40 000 Menschen, im Jahr 2014 schon 42 000. Im Vorjahr wurden mehr als 43 000 Patienten behandelt. Dieses Wachstum kommt aus mehreren Quellen. Durch den demografischen Wandel, also das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung, steigen die Fallzahlen generell um 0,6 bis ein Prozent im Jahr. Das Wachstum der Kreiskliniken lag aber von 2012 bis 2015 im Durchschnitt bei rund vier Prozent. Ihr Marktanteil ist also auf Kosten von anderen Kliniken deutlich gestiegen. 83 bis 84 Prozent der Patienten aus dem Landkreis, so Geschäftsführer Kräh, nutzten die eigenen Kliniken. Das sei ein Zeichen des Vertrauens von den niedergelassenen Ärzten und Patienten. pd