Kirchheim

Kultur verbindet Kulturen

Veranstaltung Menschen mit und ohne Migrationshintergrund konnten sich in der Kirchheimer Stadtbücherei bei Musik, Theater, Lesungen und Kulinarischem näher kommen. Von Cornelia Wahl

Von Liebe und Liebesleid sang Tatjana Bekker, Leiterin des deutsch-russischen Chors „Melodija“ .Foto: Cornelia Wahl
Von Liebe und Liebesleid sang Tatjana Bekker, Leiterin des deutsch-russischen Chors „Melodija“ .Foto: Cornelia Wahl

Heimelig und gemütlich war es in der Stadtbücherei bei der „Nacht der Kulturen“ - einem Abend, an dem sich Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen treffen, verbinden und miteinander ins Gespräch kommen konnten. Eines allerdings war schon ein bisschen schade: Dass man bei dem gebotenen Programm nicht überall gleichzeitig sein konnte.

Noch bevor die zahlreichen Besucher von der Integrationsbeauftragen der Stadt Kirchheim, Christine Bald, und Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker begrüßt wurden, hallten Trommeln weit durch die Stadt. Die interkulturelle Trommelgruppe des Mehrgenerationshauses Linde trommelten mit Leidenschaft die Leute zusammen, so als wollten sie ausdrücken: Hört und schaut her, was wir zu bieten haben.

Dass Musik keine Grenzen kennt, zeigten dann auch die Auftritte der Solistinnen des Chors „Melodija“ des deutsch-russischen Vereins Mosaika aus Kirchheim. Der Chor ist seit elf Jahren nur eines der Beispiele dafür, wie Integration funktionieren kann: Seine Mitglieder stammen aus Russland und aus Kirchheim. Hingebungs- und gefühlvoll boten die Solistinnen zwischen Zeitschriften und Büchern russische Romanzen dar - Lieder, die Einblick in die russische Seele geben, die von Liebe, Liebesleid oder der Schönheit der Natur erzählen und Lieder, die berührten, ohne die Worte zu verstehen. Die Solistinnen Tatjana Bekker, die auch die Chorleiterin ist, sowie Julia Mamadova und Ludmilla Keilmann wurden am Piano begleitet von Ritta Naymark.

Einen Einblick in die türkische Musik gab es mit anatolischen Gesängen. Mit Ronas Beyazit, Veysel Aydin und Saadet Abanoz stand auf der Bühne nur einen kleiner Teil der Gruppe „Halkevi Saz Kursu“. Die Saz Baglama ist ein traditionelles Instrument der türkischen Kultur und nimmt bei den Aleviten in Anatolien eine wichtige Rolle ein. Das siebensaitige Musikinstrument Saz Baglama - Saz heißt wörtlich übersetzt Musikinstrument, Baglama bedeutet gebündelt - ähnelt einer Gitarre. Sie zaubert mit ihren luftigen, klaren Klängen orientalisches Flair. Die drei boten türkische Volksmusik. Darunter war auch ein kurdisches Lied, das eine Mutter der Tochter hinterher singt, und damit ihre Traurigkeit zum Ausdruck bringt.

Doch nicht nur Musikalisches wurde aufgeführt. Verteilt auf die Leseecken in der Bücherei gaben Migranten aus verschiedenen Nationen der Welt Einblicke in ihre Seele. Sie erzählten über ihr Leben hier oder über jenes, das sie vorher gelebt haben. Sie taten dies mit Buchprojekten, Erzählungen, in Gedichten oder schauspielerisch wie die Theatergruppe „Wilde Kerle“. Für die Gaumenfreuden sorgte mit türkischen Köstlichkeiten die Jugendgruppe der Sultan Ahmet Moschee.

Christine Bald freute sich, zusammen mit Integrationsrat und Stadtbücherei ein solch buntes Programm bieten zu können. Angelika Matt-Heidecker rief in Erinnerung, dass „seit Jahrzehnten Menschen zu uns kommen, die dazu beitragen, den Reichtum in unserer Gesellschaft zu erhöhen.“ An deren Kunst und Kultur teilhaben zu können, sei für die Einheimischen eine Bereicherung. Die Rathauschefin wies darauf hin, dass Kirchheim eine Stadt ist, in der 30 Prozent der Menschen einen Migrationshintergrund haben. Und sie gab zu bedenken, man solle sich bewusst machen, dass womöglich auch eigene Vorfahren zugewandert sind.

Info Die „Nacht der Kulturen“ hat im Rahmen der Interkulturellen Woche in Kirchheim stattgefunden. Neben den Veranstaltungen in der Stadtbücherei gab es am Samstag einen italienischen Abend im Mehrgenerationenhaus Linde, betreut von der italienischen Gemeinde. Ebenso waren die Alte Moschee und der Hindu Tempel des Sri Kanaka Thurkai Amman Temple e. V. für Interessierte geöffnet.

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