Kirchheim

Kunst kann richtig lustig sein

Projekt „Kunst im Heim“ begeistert alle Beteiligten – Ein Buch dokumentiert die Arbeiten

Laura Djurakovac (links) und Charlotte Bald hatten richtig Spaß beim Wändeanmalen. Stolz präsentieren sie das daraus entstandene
Laura Djurakovac (links) und Charlotte Bald hatten richtig Spaß beim Wändeanmalen. Stolz präsentieren sie das daraus entstandene Buch. Foto: Sabine Ackermann

Kirchheim. „Ich wusste gar nicht, dass Kunst so lustig sein kann.“ Das Zitat eines Bewohners aus dem Henriettenstift in Kirchheim trifft den Nagel auf den Kopf. Gemeint ist damit

das etwas mehr als eineinhalb Jahre dauernde Projekt „Kunst im Heim“, das im Oktober 2014 begann und nun erfolgreich in allen teilnehmenden Kirchheimer Pflegeeinrichtungen zu Ende ging.

Über 100 ehrenamtlich Engagierte sparten weder mit Kreativität noch Zeit, und auch die Bewohner, ganz gleich ob aktiv oder passiv, hielten mit ihrer Begeisterung für die Kunst nicht hinterm Berg. Das Ziel war, mit Spaß und Einfallsreichtum verschiedene Gruppen oder Einzelpersonen gemeinsam mit den Bewohnern aus Pflegeheimen sowie einer Wohngruppe für Demenzkranke zu ganz unterschiedlichen Kunstaktionen zusammenzuführen. „Künstler, Schulklassen mit ihren Kunstlehrern, Jugendliche, Menschen mit Behinderung, sie alle konnten über den neuen Weg der künstlerischen Gestaltung mit den Heimbewohnern in Kontakt kommen und jede Menge Spaß dabei haben“, erklärt Anne-Katrin Stuth, die als Besuchsdienstleiterin der Heinrich-Sanwald-Stiftung Kirchheim verantwortlich für die Idee und das Projekt war.

Schon als Kind schwärmte Günter Pinio für die Natur. „Mein Bild ist noch nicht ganz fertig“, betont der gelernte Gärtner und schiebt nach: „Ich male immer nur filigrane Pflanzen und Blüten mit Bleistift, benutze nie Farbe.“ Für den 68-jährigen Bewohner des Henriettenstifts war es eine schöne Abwechslung zum Heimalltag.

Dagegen richtig bunt liebt es Herbert Lutz. Der einstige Bauingenieur hat geometrische Formen zu einem farbenfrohen Fantasiebild auf Papier gebracht.

„Wer möchte was machen?“ – Alle Beteiligten im Alter von 3 bis 105 Jahren durften sich frei entscheiden, insofern war es kein Problem, Ideen zu finden. Ihrem Namen alle Ehre machte Ellen Streicher. „Bevor Landstreicher streichen, wurde ich zum Streichen verdonnert“, scherzt die 62-Jährige, die freilich ebenfalls gerne und freiwillig zum Pinsel griff. „Jetzt habe ich es verschmeckt, vielleicht mixe ich beim nächsten Mal noch Sand hinzu“, verrät die Seniorin.

Anne-Katrin Stuth hebt die tolle und unverkrampfte Gemeinsamkeit hervor, wobei Alter und Talent keine Rolle spielten: „Das Geschaffene zählt.“ Sogar eine depressive Dame, die tagelang im Bett verbrachte, hatte sich schließlich ein Herz genommen und selbiges auf ihre künstlerische Art und Weise gestaltet, verrät die Besuchsdienstleiterin.

Richtig Spaß an dem Projekt hatten die zwölfjährige Laura Djurakovac sowie die ein Jahr jüngere Charlotte Bald, die gleich mehrere Wände mit typischen Motiven aus allen vier Jahreszeiten gestaltet haben. „In Schmuddelklamotten waren wir drei Tage voll bei der Sache, und wir finden, unser Thema ist richtig schön geworden.“

All diese Kunstwerke und viele andere mehr hat Thomas Marx mit aussagekräftigen Fotos und kleinen Texten in einem 72-seitigen Buch zusammengetragen. Ob „Früher und heute, Leben aus der Sicht von alten Menschen und Kindern“, „Projekt Sand und Farben“, „Totes Holz steckt voller Leben“ oder „Ein Sommertag am Meer“ – zu bestaunen gibt es allerhand. „Gegen eine Spende kann das Buch erworben werden“, rührt der 69-jährige Fotograf und Buchgestalter die Werbetrommel.

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