Kirchheim

Landespolitischer Hochkaräter

Der Kirchheimer Andreas Schwarz ist neuer Fraktionsvorsitzender der Grünen

Kirchheim hat seit gestern ein neues politisches Schwergewicht: Die Landtagsfraktion der Grünen hat Andreas Schwarz zu ihrem Vorsitzenden gewählt.

Andreas Schwarz (links im Bild) bleibt seiner Heimatstadt Kirchheim weiterhin verbunden, steht aber als Fraktionsvorsitzender de
Andreas Schwarz (links im Bild) bleibt seiner Heimatstadt Kirchheim weiterhin verbunden, steht aber als Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag dem Ministerpräsidenten künftig noch näher.Archiv-Foto: Natalie Becker

Kirchheim. Exklusiv berichtete Andreas Schwarz gestern seiner Heimatzeitung von seiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden – noch bevor er vor die Fernsehkameras trat. Gewählt wurde er mit 41 von 47 Stimmen, was einem Anteil von über 87 Prozent entspricht. Für Andreas Schwarz spricht aus diesem Ergebnis „ein hohes Maß an Vertrauen, das mir die Fraktion entgegenbringt – das bestätigt, dass die Fraktion hinter mir steht“.

Immerhin handle es sich um die größte Fraktion im neuen Landtag und somit um die größere der beiden Fraktionen in der Regierungskoalition, die deshalb eben auch den Ministerpräsidenten stellt. Mit seinem Wahlergebnis innerhalb dieser Fraktion zeigte sich Andreas Schwarz jedenfalls „sehr zufrieden“.

Vor seiner neuen Aufgabe hat er einerseits „großen Respekt“, weswegen er auch die „enorme Verantwortung“ hervorhebt, „die mir die Landtagsfraktion überträgt“. Andererseits spricht er aber auch von einem „tollen Karrieresprung“. Und ja: Selbstverständlich traue er sich zu, die Landtagsfraktion zu führen.

Auf kommunaler Ebene habe er sowohl im Kirchheimer Gemeinderat als auch im Esslinger Kreistag bereits das Amt des Fraktionsvorsitzenden innegehabt. Und auch wenn er seine jetzige Wahl als Zeichen dafür ansieht, „dass die Landtagsfraktion jungen Leuten eine Zukunftsperspektive gibt“, verweist er darauf, dass er – ungeachtet seines vergleichsweise jungen Alters von 36 Jahren – schon so etwas wie ein alter Hase ist: „Ich bin schon lange im politischen Geschäft. Seit 17 Jahren bin ich Stadtrat in Kirchheim. Bei der Landtagswahl 2011 war ich Mitglied im Spitzenteam um Winfried Kretschmann, und seit fünf Jahren bin ich stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Landtag.“

Noch nicht geklärt ist übrigens die Frage, ob er seinen Aufgaben als Stadtrat wie auch als Kreisrat weiterhin nachkommen wird: „Da muss ich jetzt einfach schauen, ob sich das weiterhin vereinbaren lässt. Aber das will ich auch erst einmal in Ruhe mit den jeweiligen Fraktionen besprechen.“

Im Landtag will Andreas Schwarz das weiterführen, was er auch in allen anderen Gremien bislang vorgelebt hat: „Ich will verlässliche Politik machen, auch wenn das vielleicht ein bisschen abgedroschen klingt.“ Außer „verlässlich“ soll seine Politik aber auch „modern und innovativ“ sein, denn „das ist für mich das Maß aller Dinge“.

Als Fraktionsvorsitzender sieht sich Andreas Schwarz auch in der Rolle als „Hüter der Koalitionsvereinbarung“. Ganz diplomatisch fügt er an dieser Stelle hinzu: „Wir haben eine sehr gute Koalitionsvereinbarung mit unserem Partner, der CDU, abgeschlossen.“ Fast klingt es so, als würden Grüne und CDU schon seit Jahr und Tag einträchtig zusammenarbeiten. Und dabei gehört Andreas Schwarz doch jetzt zu denen, die an vorderster Front Geschichte schreiben: als Vorsitzender einer der beiden Fraktionen in der bundesweit ersten grün-schwarzen Landtagskoalition.

Dass diese Aufgabe auf ihn zukommen könnte, hat sich verdichtet, „als der Ministerpräsident verkündet hat, dass er Edith Sitzmann zur neuen Finanzministerin machen wird“. Von diesem Moment an war es für Andreas Schwarz klar, dass der Fraktionsvorsitz frei wird und dass dieser Posten etwas für ihn werden könnte. Immerhin habe er – auch gemeinsam mit seiner Esslinger Kollegin Andrea Lindlohr, die weiterhin stellvertretende Fraktionsvorsitzende bleibt – in den vergangenen fünf Jahren dazu beigetragen, dass die Grünen zeigen konnten, „dass wir gute Politik machen und durchaus auch in führenden Positionen Verantwortung übernehmen können.“

Er selbst wird in seiner neuen Position noch enger mit den führenden Politikern im Land zusammenarbeiten, sei es mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann oder mit dem gesamten Kabinett. Auch medial wird er künftig stärker in Erscheinung treten, und offizielle Termine dürften für ihn im ganzen Land anstehen – wenn nicht sogar darüber hinaus. „Mit meiner Familie habe ich das besprochen“, sagt Andreas Schwarz. „Die unterstützen mich da voll.“

Die Frage, ob nach seiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden irgendwann noch größere Aufgaben auf ihn warten könnten, interessiert den Kirchheimer derzeit überhaupt nicht: „Ich muss jetzt erst einmal meine Rolle in der Fraktion ausfüllen.“

Gestern Abend zumindest konnte er sich in Kirchheim intensiv darauf vorbereiten: Der neue „Hüter der Koalitionsvereinbarung“ erläuterte genau diese Vereinbarung vor Parteifreunden im Alten Forsthaus – am Kirchheimer Schlossplatz. Seiner Heimatstadt bleibt er also auch als Fraktionsvorsitzender im Landtag eng verbunden.

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