Kirchheim

Licht hält Diebe ab, ein Rollladen ermuntert sie

Prävention Polizisten sind zu Fuß auf ­Streife und weisen Bewohner auf Gefahren hin – durch Merkmale, die Einbrecher anlocken könnten. Von Andreas Volz

Polizisten erklären, was auf Abwesenheit der Bewohner schließen lässt - eine Tüte am Türgriff oder ein Stapel Altpapier.Fotos: M
Polizisten erklären, was auf Abwesenheit der Bewohner schließen lässt - eine Tüte am Türgriff oder ein Stapel Altpapier.Fotos: Markus Brändli

Die Polizei schaut mit den Augen der Einbrecher. Ihr Ziel ist es, vor Gefahren zu warnen: In Kirchheim und Dettingen waren „Präventionsstreifen“ unterwegs. Der Teckbote hat Hendrik Kaiser und Uwe Klein bei ihrem Rundgang auf dem Guckenrain begleitet. Zwar geben viele Bewohner deutliche Hinweise darauf, dass sie nicht zu Hause sind. Andererseits aber ist auf die Nachbarn Verlass.

Durch die Sommerzeit ist ein wichtiges Merkmal am frühen Abend nicht mehr vorhanden: „Wenn es dunkel ist und nirgends Licht brennt, erkennt man sofort, dass niemand da ist“, sagt Hendrik Kaiser von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle beim Polizeipräsidium Reutlingen. Bei Helligkeit sieht das schon anders aus. Gleich beim ersten „auffälligen“ Haus sind die Rollläden unten, aber ein Dachfenster ist offen. Bevor die Polizisten klingeln, zeigt sich eine Bewohnerin auf der Terrasse. Also ist kein Warnhinweis nötig. Allenfalls geht es um die Beruhigung, dass nichts passiert ist - auch wenn die Polizei da ist.

Beim nächsten Haus mit heruntergelassenen Läden meldet sich niemand. Die Beamten hängen einen Zettel an die Haustür. Ein paar Häuser weiter öffnet eine Frau und sagt: „Meine Mitbewohner lassen die Rollläden immer runter, wenn sie gehen.“ Hendrik Kaiser erwidert: „Genau das wollen wir nicht. Es wäre besser, wenn sie die Läden oben lassen und durch eine Zeitschaltuhr für Licht sorgen, wenn es dunkel wird.“

Uwe Klein, beim Polizeirevier Kirchheim für Eigentumsdelikte zuständig, ergänzt: „Am besten ist es, wenn in mehreren Zimmern abwechselnd Licht brennt. Das schreckt die Täter schon von weitem ab.“ Die Frau versucht noch einmal, die Sache mit den Rollläden zu erklären: „Ich denke immer, wenn die unten sind, kommt der Einbrecher nicht so schnell rein.“ Die Experten erklären aber, dass das ein Trugschluss ist. Kein Einbrecher lässt sich von einem Rollladen aufhalten. Damit ist die Frau überzeugt: „Ich sage es meinen Mitbewohnern.“

Normalerweise schauen sich Einbrecher in einem Wohngebiet nur kurz um, erzählt Uwe Klein beim Weitergehen. „Wenn sie sehen, es könnte sich lohnen, klingeln sie vielleicht noch einmal Sturm, und dann steigen sie ein.“ Dachfenster seien eigentlich offene Fenster. Wenn das Dach flach und vielleicht sogar weit nach unten gezogen ist, hat der Einbrecher leichtes Spiel. Ähnliches gilt bei Balkontüren im ersten Stock oder bei Fenstern oberhalb einer überdachten Terrasse. Ein Fallrohr reicht zum Hochklettern. Auch Mülleimer, die immer irgendwo ums Haus stehen, sind eine gute Aufstieghilfe. Bei einem gekippten Fenster sagt Uwe Klein spontan: „Ich habe ein Taschenmesser dabei. Damit würde ich es mir jederzeit zutrauen, das Fenster hier zu öffnen.“

An einem anderen Haus liegt ein Stapel Altpapier vor der Tür. Die Bewohnerin erklärt: „Das wollte ich morgen fortbringen. Aber Sie haben recht, es ist besser, wenn ich es nicht draußen lasse.“ Die Polizisten kommen bei ihrer Streife mit vielen Menschen ins Gespräch. Alle sind einsichtig - und dankbar.

Weiter geht es mit Mehrfamilienhäusern. Da sei vor allem auf die Wohnungstür zu achten, erklärt Uwe Klein: „Die Haustür macht immer jemand auf. Meistens ist auch die Tiefgarage zugänglich. Wer erst mal drin ist, klingelt an der Wohnungstür und weiß dann schnell, ob jemand da ist.“ Hendrik Kaiser empfiehlt, auch die Bandseite der Türen zu sichern: „Wenn die nicht gesichert ist, helfen auf der andern Seite auch fünf Schlösser nichts.“

Info Wer sich in solchen Fällen beraten lassen möchte, kann unter der Telefonnummer 0 71 21/9 42-12 02 einen Termin mit der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle vereinbaren oder sich im Internet unter www.k-einbruch.de informieren.

Bevorzugte Zeiten, bevorzugte Beute

Im Winter zwischen 16.30 Uhr und Mitternacht geschehen nach Aussage von Hendrik Kaiser und Uwe Klein die meisten Einbrüche.

Keine Entwarnung für den Sommer: Wenn es draußen hell ist, sollte man sich trotzdem nicht zu sicher fühlen. Häufig schleichen sich die Diebe dann über geöffnete Türen ins Haus - sei es am Eingang, im Keller oder auf Terrassen und Balkonen.

Zehn bis 15 Minuten dauert ein gezielter Einbruch maximal. „Das genügt zum Aufbrechen, Durchsuchen, Flüchten“, sagt Hendrik Kaiser.

Bargeld, Schmuck, Uhren sind die bevorzugten Beutestücke bei Wohnungseinbrüchen und -diebstählen. Die Gegenstände sind einerseits wertvoll und andererseits handlich, also gut zu transportieren. An Elektronik lassen die Diebe manchmal Mobiltelefone und Tablets mitgehen. Alles andere ist ihnen meistens zu groß, zu schwer und zu unhandlich.vol

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