Kirchheim

Lotsen sorgen für sicheren Schulweg

Baustelle Die Rathauskreuzung als neuralgischer Punkt in der Ötlinger Ortsmitte soll Ende Juli wieder dem ganz normalen Verkehrsbetrieb standhalten können. Bis dahin gibt es Ersatzlösungen. Von Andreas Volz

Als Schülerlotsin sorgt Petra Koten (mit orangefarbener Weste) derzeit zwei Mal täglich am Ötlinger Rathaus dafür, dass alle Kin
Als Schülerlotsin sorgt Petra Koten (mit orangefarbener Weste) derzeit zwei Mal täglich am Ötlinger Rathaus dafür, dass alle Kinder - ob zu Fuß oder per Fahrrad - auf ihrem Schulweg sicher die Lindorfer Straße überqueren können. Foto: Jean-Luc Jacques

Ortsmitte Ötlingen: Was einst als segensreiches Projekt geplant war - auch weil es den Durchgangsverkehr reduzieren sollte -, sorgt zumindest während der langen Bauphase für Unmut. Die Verkehrsbelastung hat sich verlagert, auf einst ruhige Wohngebiete. Und die wichtigste Kreuzung, am Rathaus, hat nach den Pfingstferien für Chaos gesorgt. Schüler wussten plötzlich nicht mehr, wie sie die Straße überqueren sollten.

Die Stadt hat reagiert und einen Schülerlotsendienst eingerichtet. Die Sicherheit der Schulkinder ist also gewährleistet, auch wenn die Kleinen - von der Isolde-Kurz-Straße her kommend - einen längeren Umweg in Kauf nehmen müssen, um endlich an einer Ersatzampel über die Stuttgarter Straße zu kommen. Aber nicht nur an dieser Ampel ist derzeit eine Schülerlotsin postiert, sondern auch zwischen Rathaus und Apotheke. Dort besteht die zusätzliche Gefahr, dass Autofahrer, die von Wendlingen in Richtung Lindorf unterwegs sind, abbiegen dürfen, auch wenn die Fußgänger- ampel grünes Licht gibt. Unter anderem deswegen ist die Schülerlotsin dort besonders wichtig.

Schülerlotsin Petra Koten hat die Lage im Griff. Den Umgang mit Kindern ist sie gewöhnt: Normalerweise arbeitet sie als Erzieherin im Milcherberg-Kindergarten. Weil sie aber zur Corona-Risikogruppe gehört, darf sie derzeit nicht im Kindergarten tätig sein. Seit Mitte Juni ist sie Schülerlotsin, morgens und mittags.

Die letzten beiden haben‘s eilig

Sie kennt ihre Pappenheimer. Kurz vor „Feierabend“ sagt sie: „Jetzt kommat meine zwoi letzsch­de, die hend’s eilig.“ Kaum sind auch diese beiden sicher über die Straße geleitet, ist es vorbei mit dem großen Andrang jüngerer Fußgänger und Radfahrer. „Bei Dauerregen macht es nicht so viel Spaß“, berichtet Petra Koten. „Da stehe ich dann ziemlich einsam an meiner Kreuzung, und sehe, wie die Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht werden.“

Aber auch dieses Autofahren ist gerade nicht immer ganz einfach in Ötlingen. Beispiel Kreisel auf Höhe der Hermann-Hesse-Straße. Der ist das nächste Aufreger-Thema in Ötlingen. Beim Presse- und Fototermin mit Ortsvorsteher und Oberbürgermeister kommen schließlich nicht nur Kinder vorbei, die es eilig haben. Eine Passantin, die ihre Schulzeit schon länger hinter sich hat, nutzt die Gelegenheit, um bei Hermann Kik Dampf abzulassen: „Über den Kreisel schimpft jeder.“ Gelassen kontert der Ortsvorsteher: „Es gibt jetzt immer mehr Leute, die mir sagen: ,Herr Kik, das ist wunderbar‘.“

Nimmermüde erklärt er, was es mit dem Kreisel auf sich hat: „Die Menschen müssen auch mit dem Auto an ihre Häuser kommen. Sie dürfen an dieser Stelle aber nicht links abbiegen. Vor allem deswegen braucht es den Kreisel. Er hat eine rein technische Umkehrfunktion.“ Verkehrserziehung ist also nicht nur Sache der Schülerlotsin. Auch die Kommunalpolitik muss immer wieder erklären, was die Grundgedanken hinter einer veränderten Verkehrsführung sind.

Dabei hat Ötlingens Ortsvorsteher durchaus Verständnis für Mitbürger, die sich beschweren: „Die meisten Fragen sind ja berechtigt. Nach meiner Antwort verstehen viele auch besser, worum es geht. Andere verstehen es aber auch dann noch nicht.“ Deswegen hat er den Aushang vor dem Rathaus mit Erklärungen bestückt.

Er selbst sucht immer wieder nach Lösungen, und sei es nur, dass er die komplexen Zusammenhänge der Baustelle erklärt: „Wir legen da Wasserleitungen, Gasleitungen oder auch Leerrohre für Glasfaserkabel. Das erfordert sehr viel Abstimmung, auch mit den Anwohnern.“ Manchmal sind vorhandene Leitungsbündel erst zu entwirren, was für Verzögerungen auf der Baustelle sorgt. Oberbürgermeister Pascal Bader spricht von „zwei Monaten, die wir insgesamt hinterher sind“.

Eine Schwierigkeit in Ötlingen besteht auch darin, dass die Stuttgarter Straße nicht komplett gesperrt werden kann, weil sie als Umleitungsstrecke für die Autobahn herhalten muss. Erst am Dienstag war das wieder der Fall, weil ein Lastwagen nach einem Unfall auf der Autobahn bei Wendlingen seine Getreideladung verteilt hatte. „Da war hier stundenlang Chaos“, berichtet Hermann Kik. „Aber ohne Corona wäre es drei Mal so schlimm gewesen. Wir haben immer noch weniger Verkehrsbelastung als vor Corona.“

Ab August soll alles besser sein

Was die Kreuzungs-Baustelle am Rathaus betrifft, die anfangs für verzweifelte Schüler gesorgt hatte, gibt es immerhin eine gute Nachricht: Ende Juli müsste sich der Verkehr an dieser Stelle schon wieder normalisieren, kündigt der Ortsvorsteher an. Dann zieht die Baustellenkarawane weiter - zum letzten Bauabschnitt in Richtung Kirchheim. Das bedeutet auch Entlastung für das Wohngebiet Warth, das nicht mehr als offizielle Umleitungsstrecke in Richtung Wendlingen herhalten muss. Lediglich die Halde dient in diesem Abschnitt weiterhin als Umleitung. „Zehn bis 15 Monate wird das noch dauern“, schätzt der Ortsvorsteher.

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