Kirchheim

Luther und sein Einfluss auf Württemberg

Kirchengeschichte Wie das Herzogtum Württemberg evangelisch wurde, darüber sprach Wolfgang Schöllkopf in der Kirchheimer Martinskirche. Von Iris Häfner

Wolfgang Schöllkopf sprach über Luther und sein Wirken in Württemberg.Foto: Jean-Luc Jacques
Wolfgang Schöllkopf sprach über Luther und sein Wirken in Württemberg. Foto: Jean-Luc Jacques

Ein Vortrag im Staccato, ein Name nach dem anderen prasselt auf die Zuhörer nieder. Es sind Pfarrer, die am Anfang der Reformationszeit in Kirchheim gelebt, gewirkt und gepredigt haben. „Reformation fordert vollen Einsatz“, sagte Dr. Wolfgang Schöllkopf gleich zu Beginn seines Vortrags „Wie Luther nach Württemberg kam - oder: Wie wir evangelisch wurden“. Und diesen vollen Einsatz forderte er auch von seinen Zuhörern ein.

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Das Lutherjahr bezeichnete Schöllkopf als derzeitigen Wanderzirkus. Nach Kirchheim ist er gern gekommen, denn nicht alle Städte, in denen er über die Reformation spricht, haben eine Schöllkopfstraße vorzuweisen. Flugs ist er bei der Gottesdienst-Gestaltung angelangt. Bis heute sei es keine Lutherische Messe, sondern ein schwäbischer Kaltblüter geblieben, so wie es in den oberdeutschen Reichstädten seit jeher der Fall ist. „Eine kräftige Predigt, vier Lieder, Gebet und Segen - und kommt nächste Woche wieder. Wir in Württemberg sind eine Spezialanfertigung“, sagte er. In diesem Zusammenhang fällt der Name Zwingli. Wikipedia klärt alle Nicht-Theologen auf: Huldrych Zwingli, geboren am 1. Januar 1484, war ein Schweizer Theologe und der erste Zürcher Reformator. Aus der Zürcher und der Genfer Reformation ging die reformierte Kirche hervor.

Immer wieder verglich der Referent Martin Luther mit Johannes Brenz. Letzterer wurde 1499 geboren und durch sein Wirken als Reformator in Schwäbisch Hall bekannt. Er ist auch Namensgeber für die Brenz-Medaille, die höchste Auszeichnung, die die Württembergische Kirche zu vergeben hat. Johannes Brenz hat die Sympathie von Wolfgang Schöllkopf. „Er hat keine Hetzschriften geschrieben, weder gegen Juden, Türken oder Hexen.“ Überhaupt sei Luther erst später zur Ikone geworden und auf Denkmalsockel gesetzt worden.

Schüler, Schriften, Songs lautete eine Überschrift seines Vortrags. „Die Songs waren für das Volk das Genialste. Die Menschen haben damals viel gesungen, denn das Singen hat die schwere Arbeit erleichtert“, erklärte Schöllkopf. Geniale Texte seien auf bekannte Melodien geschrieben worden und sind bis heute als Lutherlieder bekannt. Berührungsängste gab es nicht, schlüpfrige Urtexte wurden bewusst in Kauf genommen, denn die Tonfolge kannte jeder, etwa des Lumpenlieds „Und wenn der Pfarr‘ die Köchin schlägt“ - im Gesangbuch heißt es „Es ist das Heil uns kommen her“.

Am Ende des Vortrags schloss sich eine Fragerunde an, die unter anderem auch die dunklen Seiten Luthers thematisierten, etwa seine endzeitliche Weltsicht, seine Hetz- und Hass-Schriften. Das auf sein Magenleiden zu schieben, entschuldigt nach Ansicht von Schöllkopf den Reformator nicht: „Ein Theologe sollte auch einen Kopf haben.“ Moderiert wurde der Abend von Heinrich Georg Rothe, Pfarrer und Islambeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Gleich zu Beginn des Abends begrüßte Jochen Maier, Pfarrer der Kirchheimer Martinskirche, als Hausherr die Gäste.

In Kirchheim war Martin Luther nicht, vermutlich hat er niemals einen Fuß auf württembergischen Boden gesetzt. Doch seine Botschaft wirkt weiter. Laut Wolfgang Schöllkopf wollte der Reformator seine Übersetzung der Bibel nie museal gehandhabt sehen. Die Übersetzung der Heiligen Schrift höre nie auf und er sagte auch: „Evangelisch wird man immer wieder.“ Den Anfang hat Herzog Ulrich gemacht. In seinem Herrschaftsbereich musste jeder evangelisch werden - ob er wollte oder nicht. Am 16. Mai 1534 wurde in der Stuttgarter Stiftskirche der erste öffentliche evangelische Gottesdienst gefeiert.