Kirchheim

„Man fühlt sich wie im Wohnzimmer“

Einmal im Monat lädt das Café Linde demenziell Erkrankte mit Angehörigen zu Kaffee und Kuchen

In geselliger Runde einen unbeschwerten Nachmittag verbringen – das ist Ziel der Mitarbeiter vom Café Linde. Auf die ­Demenzkranken und ihre Familien warten Unterhaltung, und eine entspannte Atmosphäre.

In geselliger Runde einen schönen Nachmittag verbringen - das ist das Ziel des Café Linde.Foto: Carsten Riedl
In geselliger Runde einen schönen Nachmittag verbringen - das ist das Ziel des Café Linde.Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. „Ein Demenzkranker hat monatelang nicht gesprochen. Als er dann bei uns im Café war, hat er seine Sprache wiedergefunden. Seine Frau war so glücklich, dass sie sogar geweint hat“, erzählen Jutta Ziller und Sieglinde Kleppek lachend. Das Café im Mehrgenerationenhaus Linde öffnet einmal im Monat donnerstags seine Türen für einen schönen Nachmittag in einer geselligen Runde. Die beiden Frauen gehören zum Team. Jutta Ziller ist die Erfinderin des Cafés und zugleich Leiterin vom Mehrgenerationenhaus. Andrea Riepen ist die Leiterin und hat auch beruflich mit älteren Menschen und Demenzbetreuung zu tun. Ehrenamtlich unterstützt wird das Duo von Sieglinde Kleppek. Musiker Franz Hanicz begleitet den Nachmittag musikalisch. Die drei FSJler Marie, Sarah und Leo helfen außerdem kräftig mit.

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Die Aktion hat einen besonderen Ursprung: vor ungefähr fünf Jahren wollten die jungen Kirchheimer Skater ihren Ruf verbessern und starteten die Ferienaktion „Rollen für den guten Zweck“. Sie entschlossen sich dazu, den Erlös an Demenzkranke zu spenden. Um sich über die Menschen und ihre Krankheit aufklären zu lassen, hat Jutta Ziller dann einen Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz eingeladen. „Dadurch ist der Wunsch entstanden, Demenzkranke kennenzulernen und einzuladen“, erinnert sie sich. Auf Wunsch der Jugendlichen kam es dann tatsächlich dazu, dass die älteren Menschen zu Gast im Mehrgenerationenhaus Linde waren, allerdings nicht im Rollcafé der Skater. Die Atmosphäre wäre einer Kneipe zu ähnlich gewesen. Also haben sie sich entschlossen, zu Kaffee und Kuchen einzuladen. Das war die Geburtsstunde des Demenzcafés.

Das Besondere ist, dass die Erkrankten hier nicht wie in einer Pflegegruppe abgegeben werden zur Betreuung. Die Familie ist mit dabei, und so wird gemeinsam Zeit verbracht. Für die Organisation ist ­Andrea Riepen verantwortlich, sie sorgt dafür, dass gesungen, gebastelt und Geschichten erzählt werden. Passend dazu gibt es dann meistens auch noch ein kleines Gedächtnistraining mit Fragen zum Thema der Erzählungen. Das Programm ist sehr abwechslungsreich. Es gab zum Beispiel schon Handmassagen oder ein Quiz. Einmal haben die FSJler sogar mit den Demenzkranken ein Gymnastik-Spiel gespielt. Gesungen wird immer mit Franz Hanicz. „Wir singen Lieder, die jeder kennt. Das ist wichtig und oft wachen selbst lethargische Menschen dadurch auf“, weiß der Musiker. Das Team versucht, so viel Abwechslung wie nur möglich in die Nachmittage zu bringen. Jedes Mal gibt es ein anderes Motto. Im Herbst gab es das Thema Oktoberfest, dazu wurde das Café passend geschmückt. Im Februar sprachen alle Besucher gemeinsam über das Thema „Winterzeit“. Oft kommen so Erinnerungen aus alten Zeiten zurück.

Auch die FSJler haben ihren Spaß und bringen sich gerne mit ein. Sie helfen bei der Planung für den Nachmittag und spielen mit den Senioren. Natürlich unterstützen sie ihre Gäste auch, zum Beispiel beim Fahren von dem Treppenrollstuhl. Die Demenzkranken erzählen den FSJlern nebenher gerne Dinge aus ihrem Leben. „Die Atmosphäre ist total entspannt“, findet Sarah. Andrea Riepen kann ihr da nur zustimmen: „Man fühlt sich wie im eigenen Wohnzimmer“. Jeder ist im Café Linde willkommen, wo junge Menschen auf ältere mit einer Krankheit treffen und diese endlich mal wieder rauskommen.