Kirchheim

Martin teilt seinen „Mantel“ auf

Spendenaktion soll 100 000 Euro für die Außensanierung der Kirchheimer Martinskirche sammeln

Die Kirchheimer Martinskirchengemeinde macht seit Jahren mit ungewöhnlichen Aktionen auf sich aufmerksam – vor allem auf das Problem, das sie dringend Geld braucht, um ihre Kirche sanieren zu können. Die aktuelle Aktion heißt „Martin braucht einen neuen Mantel“.

Aus Weiß mach Rot: Renate Kath, Werner Dresel, Eberhard Schweizer und Jochen Maier (von links) demonstrieren vor der Kirchheimer
Aus Weiß mach Rot: Renate Kath, Werner Dresel, Eberhard Schweizer und Jochen Maier (von links) demonstrieren vor der Kirchheimer Martinskirche, wie sich der Spendentopf für „Martins Mantel“ sichtbar füllen soll - bis auch die restlichen 100¿000 Euro gesammelt sind.Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Der heilige Martin teilt in Kirchheim keinen Mantel, er braucht vielmehr selbst einen neuen – für die nach ihm benannte Kirche. Die Außensanierung, die im Februar begonnen hat, soll rund 1,6 Millionen Euro kosten. 200 000 Euro muss die Kirchengemeinde selbst beisteuern. Davon wiederum sind noch knapp 100 000 Euro offen. Deshalb gibt es wieder ein öffentlichkeitswirksames „Spendenbarometer“. War es bei der Dachsanierung noch der „Spendenbaum“, der den aktuellen Stand angezeigt hatte, ist es nun ein großes Schild, auf dem ein Mantel abgebildet ist. Noch ist der Mantel, den Pfarrer Jochen Maier grafisch gestaltet hat, nur in seinen Konturen erkennbar. Stück für Stück soll er sich aber von unten nach oben „röten“. Ist das Spendenkonto um je 5 000 Euro angewachsen, kommt ein neuer Streifen vor das Schild, mit einem rot gefärbten Mantelstück.

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Möglichkeiten zum Spenden gibt es viele – sei es nun eine „Mauerstein-Spendenkarte“ als spezielles Geschenk oder ein Werbebanner am Bauzaun. Werner Dresel, der Marketing-Berater der Kirchengemeinde, lässt sich noch einiges einfallen, um dem Ziel der restlichen 100 000 Euro schnellstmöglich nahezukommen. Zeit zum Sammeln und – um im Bild der Martinsgeschichte zu bleiben – vielleicht sogar zum Betteln um den „Mantel“ bleibt bis Ende 2017. Bis dahin soll die Außensanierung abgeschlossen und abgerechnet sein.

Ein Etappenziel, das Dekanin Renate Kath anpeilt, passt ebenfalls gut zum Bild vom geteilten Mantel: „Wenn wir bis zum Martinstag am 11. November die Hälfte der Summe beieinander hätten, wäre das der halbe Mantel.“ Ein weiterer wichtiger Termin steht zwei Monate zuvor ins Haus: der Tag des offenen Denkmals am 11. September. Dieses Jahr scheinen sich sogar die Organisatoren des deutschlandweiten Denkmaltags mit der Thematik der Kirchheimer Martinskirche auseinandergesetzt zu haben, wie Werner Dresel erfreut feststellt: „Das Motto ist wie für uns gemacht. Es heißt ,Gemeinsam Denkmale erhalten‘. Genau darum geht es beim neuen Mantel für Martin und beim Aufruf zum Spenden.“

Das Erhalten des Denkmals Martinskirche spielt bei der Außensanierung die Hauptrolle. Pfarrer Maier spricht von einer exponentiellen Zunahme der Schäden: „Das hat sich erst bei der letzten Untersuchung gezeigt, und es hat den Ausschlag dafür gegeben, die Außensanierung der Innensanierung vorzuziehen.“ Dekanin Kath nennt sogar die Gefahr, dass sich die Martinskirche irgendwann zu keinem vertretbaren Aufwand mehr hätte erhalten lassen, wäre jetzt nicht begonnen worden.

Nicht zu vernachlässigen ist auch die Verkehrssicherungspflicht. Daran erinnert Eberhard Schweizer, Erster Vorsitzender der Gesamtkirchengemeinde. Er hatte schon faustgroße Steine in der Hand, die von der Mauer der Martinskirche stammten. Angesichts der Fallhöhe vom Turm herab könne von solchen Steinbrocken eine beträchtliche Gefahr ausgehen. Deshalb war unten am Kirchturm der Fußweg lange genug gesperrt – auch ohne, dass oben gebaut wurde.

Dekanin Kath sieht die Kosten von 1,6 Millionen Euro für die Außensanierung als einen sehr hohen Preis an – „dafür, dass man nachher nicht viel sieht“. Bei der Dachsanierung sei das ganz anders gewesen. Schon während der Bauphase war deutlich sichtbar, dass sich auf dem Dach etwas tut. Und seither leuchtet das Kirchendach in hellem Rot. Dennoch seien die Sanierungskosten für den jetzigen Bauabschnitt gut investiertes Geld: „Nur so können wir erreichen, dass die Kirche stehen bleibt.“

Was derzeit durchaus sichtbar ist – und zwar von innen wie von außen: Einige Glasscheiben der Chorfenster sind provisorisch durch ein Stück Pappe ersetzt worden. Das dient der Voruntersuchung zur Farbrestaurierung des Glases. Außerdem sind die Bleifassungen der Fenster teilweise zu erneuern. Darauf weist Pfarrer Maier hin, bevor er den dritten und letzten Bauabschnitt anspricht, der bereits Ende 2017 oder Anfang 2018 beginnen soll: die Innensanierung.

Dringend zu ersetzen sind unter anderem die Lautsprecheranlage und die gesamte Elektrik. Denn was nützt der schönste Mantel, wenn sich am Innenfutter bereits die Motten zu schaffen machen?