Kirchheim

Max Eyth und die Poesie der Technik

Am Samstag gibt es zwei Sonderführungen im Geburtshaus des Kirchheimer Dichter-Ingenieurs

Schaudampfpflügen in Kirchheim: Als ein „Erbe“ Max Eyths wird diese Tradition in seiner Geburtsstadt „museal“ gepflegt. Gleiches
Schaudampfpflügen in Kirchheim: Als ein „Erbe“ Max Eyths wird diese Tradition in seiner Geburtsstadt „museal“ gepflegt. Gleiches gilt für sein künstlerisches und schriftstellerisches Werk. Am Samstag, 7. Mai, gibt es deshalb zwei Sonderführungen im Max-Eyth-Haus.Archiv-Foto: Natalie Becker

Kirchheim. Der 180. Geburtstag ist eigentlich kein „richtiges“ Jubiläum. Trotzdem eignet er sich für das Gedenken noch ein bisschen besser als der 110. Todestag, der Ende August

Andreas Volz

ansteht. Da es sich bei Max Eyth aber um einen der bedeutendsten Kirchheimer aller Zeiten handelt, sind auch weniger runde Jubiläen ein gerechtfertigter Anlass, mit Sonderführungen an ihn zu erinnern. Und der 180. Geburtstag bietet sich für Kirchheim vor allem deshalb an – im Gegensatz zum 110. Todestag –, weil Max Eyth nun einmal in Kirchheim geboren ist. Deshalb gibt es am kommenden Samstag in seinem nach ihm benannten Geburtshaus gleich zwei Mal eine Spezialführung. Die eine beginnt um 11 Uhr, die andere um 12.30 Uhr. Sie dauern rund 45 Minuten.

Auch wenn Max Eyth am 6. Mai 1836 geboren wurde, sind die Führungen erst für den 7. Mai 2016 vorgesehen. Diese „Verspätung“ ist aber einzig und allein dem Wochentag geschuldet, dem eine größere Bedeutung zukommt als dem exakten Datum. Schließlich ist samstags am späten Vormittag mit deutlich mehr Innenstadtbesuchern zu rechnen als an einem Freitag.

Was erwartet die Teilnehmer der beiden Führungen mit identisch geplantem Ablauf? Der Kirchheimer Literaturbeirat hat sich ganz unterschiedliche Programmpunkte ausgedacht, die eine Einführung in Leben und Streben Max Eyths geben sollen: Nach einer kurzen Information zum Kirchheimer Literaturmuseum im Max-Eyth-Haus gibt Renate Treuherz einen Überblick über den familiären Rahmen, in den „das Multitalent“ Max Eyth eingebettet war.

„Mein Leben“ ist der Titel eines Gedichts, mit dem der Literaturbeirat überleitet zur technischen Seite im Leben Max Eyths. Richard Planitz berichtet von der Technik des Dampfpflügens und vom Berufsleben des Ingenieurs, der im Auftrag der Firma Fowler im englischen Leeds die Industrialisierung in der Landwirtschaft vorantrieb und der dabei dampfende Ungetüme in aller Welt zum Einsatz brachte – jeweils abgestimmt auf die unterschiedlichen Bedingungen und Voraussetzungen.

Heute sind die Dampfpflüge längst veraltet und wirken mehr als vorsintflutlich. Zu Max Eyths Zeiten – und auch noch lange danach – waren diese mechanischen Geräte aber das, was man heute als „hightech“ bezeichnen würde. Zwei Dampflokomobile wurden am oberen und am unteren Ende eines Feldes aufgestellt. Der eigentliche Pflug bewegte sich an einem Stahlseil, das zwischen den beiden Dampfmaschinen hin- und hergezogen wurde. Einstmals war diese Technik in jeder Hinsicht revolutionär – im Vergleich zum mühsamen Pflügen mit Tiergespannen.

Texte zu Ägypten oder die „Wanderlebensregeln“, die den Technikteil der Führungen abschließen, sind eng angelehnt an Max Eyths Arbeitsbiografie. Es folgen zwei Stichworte zu seinen künstlerischen Tätigkeiten. Die „Aquarelle“ widmen sich der bildenden Kunst. In einem Zeitalter, in dem die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte, mussten Reiseeindrücke eben noch mit Stiften auf Papier festgehalten werden – was Max Eyth durchaus beherrschte.

Die andere Art, Reiseeindrücke festzuhalten, hat ebenfalls mit Stift und Papier zu tun. Und für diese Art war Max Eyth zu seiner Zeit berühmt: Als Schriftsteller hat er zahlreiche Werke hinterlassen, die einst viel und gerne gelesen wurden. Mit „Poesie der Technik“ ist dieses Kapitel in der Führung überschrieben.

Die Gründung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft durch Max Eyth steht am Ende der thematischen Führung und wird gar als „seine Lebensleistung“ bezeichnet. Angesichts dieses erfüllten Lebens stellt sich nur noch die Abschlussfrage: „Warum ist Max Eyth heute vergessen?“ Auch auf diese Frage will die Führung Antworten geben. Ganz vergessen ist Max Eyth sicherlich nicht. Er ist nur längst nicht mehr so präsent wie vielleicht noch vor hundert Jahren. Genau das will der Literaturbeirat mit seinen Veranstaltungen zwar ändern. Allerdings wirken die Dampfpflüge heutzutage weitaus spektakulärer als Max Eyths Romane.

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