Kirchheim

Randnotiz:
Mehr Service geht nicht

Von Irene Strifler

Bundeswehrsoldat beim Einsatz im DRK-Heim Hattenhofen.
Bundeswehrsoldat beim Einsatz im DRK-Heim Hattenhofen. Foto: pr

Pflege Endlich! So dachten wohl die meisten Deutschen, als Schnelltests vor Besuchen in Pflegeheimen Pflicht wurden. Endlich! So lautete auch der Seufzer vieler Angehöriger, die sich nur mit etwas mulmigem Gefühl in die Heime gewagt hatten.

Doch das Plus an Sicherheit hatte eine Kehrseite: Das ohnehin überlastete Heimpersonal kann nicht rund um die Uhr für Schnelltests parat stehen. Also tüftelten die Heime nach bestem Wissen und Gewissen Lösungen aus, je nach Einrichtung unterschiedlich. Beispielsweise gab es an drei Tagen in der Woche ein Zeitfenster für Schnelltests nach Anmeldung. Für die Heime war das schon ein Kraftakt. Für berufstätige Angehörige ­bedeutete es, sich außerhalb der offiziellen Mittagspause loseisen zu ­müssen und außerdem deutlich mehr Zeit für den Besuch einzuplanen. - Zeit, die nicht dem Besuchten zugutekam. Zunächst hieß es warten, erst auf den Abstrich, dann auf das Ergebnis. Fiel dies negativ aus, war der Besuch für 48 Stunden möglich.

Das Ganze war wirklich gut organisiert - und stellte trotzdem in der Praxis eine gravierende Verschlechterung dar. Spontane Besuche wurden plötzlich unmöglich. Dass der Schwiegersohn mal eben nach dem Einkauf im Heim vorbeischaut? Geht nicht, heute kein Test. Dass der Enkel auf dem Heimweg vom Studienort noch kurz einen Besuch macht? Nur, wenn’s Freitag Punkt 14 Uhr ist und vormittags die Anmeldung erfolgen konnte.

Doch jetzt ist ganz plötzlich alles besser: Fast überall sind Bundeswehrsoldaten für Abstriche zuständig. Pflegeheim statt Hubschraubergeschwader lautet ihr Einsatzbefehl. Wochentags von 8 bis 17 Uhr verhelfen sie Besuchern und Mitarbeitern unbürokratisch und ohne Anmeldung zum Schnelltest. Gut gelaunt sind die jungen Leute meist obendrein, das wirkt sich auf die gesamte Stimmung aus.

Manchmal mag die Schelte für Politiker und Behörden, die die Pandemie managen müssen, angebracht sein. Das konkrete Beispiel vor Ort zeigt aber eindrücklich, dass vieles reibungslos und vorbildlich läuft, zum Wohle aller Beteiligten. Mehr Service geht nicht!

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